Freitag, 05.03.2021

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In Zirndorf werden die Grabkammern knapp

Der Waldfriedhof in Zirndorf muss erweitert werden - 21.01.2021 11:00 Uhr

Die 76 Grabkammern am Waldfriedhof sollten bereits eingebaut sein, doch der Frost machte dem Zeitplan einen Strich durch die Rechnung.

19.01.2021 © Karl-Heinz Friedberger


Sind die knapp einen Meter hohen und gut zwei Meter langen Betonteile etwa Rabatten oder Grabeinfassungen, fragen sich die Zirndorfer? Keines von beiden, ergibt die Nachfrage bei Susanne Scheler, der Chefin der städtischen Friedhofsverwaltung. Bei den Betonquadern handelt es sich um Grabkammern. Eingebaut werden sie auf der letzten Erweiterungsfläche im hinteren Bereich des Friedhofs.

Geologische Problemzone

Denn die Grabkammern werden knapp, die Erweiterung hatte Scheler bereits im Vorjahr angepackt, doch Kälte und Frost haben die Erdarbeiten ausgebremst. Nötig sind die in im Boden versenkten Kammern, weil der Waldfriedhof bestattungstechnisch eine geologische Problemzone ist: In dem schweren, nassen Boden stagniert der Verwesungsprozess.

Was das für Konsequenzen hat, davon hat sich Susanne Scheler auch schon mit eigenen Augen überzeugt, "man will ja schließlich wissen, wovon man redet". Und schlimm fand sie das eigentlich nicht. "Denn die Leute liegen drin, als wären sie gestern erst beerdigt worden". Im Friedhofsjargon spricht man bei diesem Phänomen von Wachsleichen.

Wo nach 25 Jahren, wenn überhaupt, nur noch Reste der zur letzten Ruhe Gebetteten liegen sollten, zeigt sich ein unverwester Leichnam, in kompletter Kleidung und mit weiß-gräulicher, wachsharter Haut, wie es ein Großhabersdorfer Totengräber gegenüber den FN einmal beschrieben hatte. Treffen schwere Böden und Feuchtigkeit aufeinander, liegen die Leichen unter Verschluss.

Es kommt keine Luft an den Leichnam heran, so startet ein Prozess, den Fachleute Hydrolyse nennen. Dabei werden körpereigene Fette in Glycerin und Fettsäuren umgewandelt. Ist die Reaktion abgeschlossen, liegt eine Wachsleiche im Sarg, gewissermaßen auf Dauer konserviert.

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Um das Phänomen weiß die Stadt Zirndorf schon lange. Bereits 2002, berichtet Susanne Scheler, habe der Stadtrat deshalb beschlossen, konventionelle Erdgräber nach Ablauf der Liegezeit von 25 Jahren nicht mehr zu nutzen. Stattdessen setzt man auf Grabkammern. Die Betonfertigteile schaffen einen Hohlraum unter der Erde für den Sarg und halten Feuchtigkeit ab. Die Sauerstoffzufuhr sichert ein Luftkanal. So konnte Zirndorf die Ruhezeiten am Waldfriedhof auf zwölf Jahre verkürzen.

Urnen brauchen weniger Platz

Doch die vorhandenen 280 Grabkammern sind weitgehend besetzt, die bereits belegten 1288 Erdgräber sollen laut Stadtratsbeschluss nicht mehr vergeben werden. Die 76 Grabkammern, die derzeit noch am Friedhof aufgeschlichtet sind, sollen Abhilfe schaffen. Dann ist allerdings auch die letzte Erweiterungsfläche auf dem städtischen Gottesacker ausgereizt.

"Die neuen Grabkammern", sagt Susanne Scheler, "reichen vielleicht drei, vier Jahre." Wie es dann auf dem Waldfriedhof weitergeht, ist noch offen. Allerdings sei bereits absehbar, dass das Areal dann zusätzliche Flächen braucht. Wie gesagt: Konventionelle Erdgräber sollen nicht mehr vergeben werden. Die Friedhofschefin setzt auf den Trend zur Urnenbeisetzung. Das braucht nicht so viel Platz.

SABINE DIETZ

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