Donnerstag, 19.09.2019

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Inklusion: Filmteam studiert die Fürther „Pesta“

Medien-Praxis hat zwei Jahre lang eine besondere Mittelschule begleitet — Ressourcen fehlen - 26.11.2016 21:00 Uhr

Eine Szene aus dem Film: Wenn „Pesta“-Schüler und „Hallemänner“ an einem Tisch sitzen, ist das für alle ein Gewinn. © Foto: Medien-Praxis


Die „Pesta“ nennt sich seit einigen Jahren Profilschule Inklusion. Mehr noch als an vielen anderen Grund- und Mittelschulen werden hier Kinder mit und ohne körperliche oder geistige Handicaps sowie Kinder mit und ohne Lernschwächen gemeinsam unterrichtet, im Grundschulbereich sogar schon seit 15 Jahren. Nach Recherchen der Medien-Praxis gibt es bayernweit aktuell 86 solche Modellschulen. Die schöne Idee: Mit seinen unterschiedlichen Begabungen hat jedes Kind und jeder Mensch einen Platz in der Gesellschaft.

Auch vor dem Hintergrund, dass diese zunehmend geprägt wird von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, nennen Julia Thomas und Thomas Steigerwald ihre Reportage „Wir sind bunt – Einblicke in eine ,ganz normale’ Grund- und Mittelschule“. Das Duo hat an der „Pesta“ bereits zwischen 2010 und 2014 das so genannte Partnerklassenmodell im Grundschulbereich studiert. Dabei werden Kinder aus einer Regelklasse mit Schülern der Hallemann-Förderschule weitgehend gemeinsam unterrichtet, und zwar stets von zwei Lehrern. Geblieben sind „tolle Eindrücke“, so Julia Thomas, insbesondere von der Selbstverständlichkeit, wie die Jungen und Mädchen miteinander umgehen.

Seit 2011 soll Inklusion nach und nach Alltag an vielen bayerischen Grund- und Mittelschulen werden: Schüler mit besonderem Förderbedarf sollen einen Platz in den Regelklassen finden. Doch selbst an der „Pesta“ lief das trotz engagierter Lehrer so holprig an, dass die Medien-Praxis zunächst gar nicht filmen konnte. Der Grund: Nach der vierten Klasse wechseln die, wie es Schulleiter Thomas Bauer im Film ausdrückt, „intellektuell guten“ und damit oft auch „sozial-emotional starken“ Schüler nach wie vor auf Realschule und Gymnasium. So fehlten, sagt Lehrerin Stefanie Bauder, jene Kinder, „die in der Lage sind, zusammenzuarbeiten, Rücksicht zu nehmen. . .“ Ernüchtert resümieren die Autoren: „Der Gedanke des Kultusministeriums, dass mit dem Umbenennen der Hauptschule in Mittelschule eine Aufwertung erfolgt, ist nicht feststellbar.“

Inzwischen ist klar: Das Profil Inklusion konnte, wenn auch ohne die genannte personelle Ausstattung der Grundschule, in die Mittelschule hinübergerettet werden. Die Kinder kooperieren mit einer Außenklasse der Hallemann-Schule bei Tanzprojekten, im Sport oder wechseln stundenweise das Klassenzimmer, um die „Hallemänner“ beispielsweise beim Euro-Rechnen zu unterstützen. Auch so gelingt es Vorurteile und Hemmungen abzubauen, haben beide Seiten Erfolgserlebnisse.

Eine Schule für alle

Daneben besuchen immer mehr Kinder, die sich nicht so leicht tun mit dem Lernen wie andere, die Regelklassen: Von den rund 180 Mittelschülern haben laut Medien-Praxis etwa 50 besonderen Förderbedarf. Für diese stünden aber nur 24 Förderstunden pro Woche zur Verfügung. Das Filmteam folgert: „Einzelförderung ist die absolute Ausnahme.“

Schulleiter Bauer wünscht sich daher auch in diesem Bereich das Zwei-Lehrer-Prinzip, zumindest in Kernstunden. Lehrerin Bauder entwirft die Vision einer Schule für alle Kinder mit ihren Veranlagungen und Begabungen unter einem Dach. Und Thomas Steigerwald findet, das müsse kein Traum sein. Denn: Wenn die Gesellschaft immer vielfältiger werde, müsse man darauf eben reagieren.

Die dreiteilige Reportage wird ab 27. November 2016 an drei aufeinanderfolgenden Sonntagen im Franken Fernsehen gezeigt. Ausgestrahlt wird sie jeweils um 19.30, 21.30 und 23.30 Uhr. 

BIRGIT HEIDINGSFELDER

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