Integrationsfigur in einer spannenden Zeit

26.6.2009, 00:00 Uhr
Geschafft: Dekan Michael Höchstädter betrachtet zufrieden den Abschluss der umfangreichen Sanierung von Fürths Altstadtkirche St. Michael.

Geschafft: Dekan Michael Höchstädter betrachtet zufrieden den Abschluss der umfangreichen Sanierung von Fürths Altstadtkirche St. Michael. © Hans-Joachim Winckler

Leicht hatte es der Nachfolger des zum Präsidenten des Diakonischen Werkes ernannten Dekans Ludwig Markert am Anfang nicht. Das Dekanat war gerade in drei Gebiete aufgeteilt worden und die neue Struktur wollte mit Leben erfüllt werden.

Dazu gehörte der enge Kontakt mit seinen Kollegen Friedrich Schuster (Bereich Nord) und Almut Held (Süd). Die Pflege der Zusammenarbeit der Gemeinden stellt für Höchstädter noch immer eine zentrale Zukunftsaufgabe dar.

Überhaupt sieht der Geistliche im Zusammenwachsen getrennter Kirchenbereiche die größte Herausforderung. Beispielhaft gelöst im Neubau der an das neue Sofien-Pflegeheim in der Südstadt angegliederten Kirche Maria Magdalena. Höchstädter: «Dem Modell der Spezialkirche, von Diakonie und Gotteshaus unter einem Dach gehört die Zukunft.»

Im Nachhinein wundert sich der Dekan nur, nicht schon früher darauf gekommen zu sein. Schließlich hatte er vor seiner Berufung nach Fürth 15 Jahre lang an St. Jobst in Nürnberg gewirkt: in einer Kirche, die ebenfalls einer Pflegeeinrichtung angeschlossen ist.

Der Streit um die Ausrichtung des neuen Jüdischen Museums und der Kampf gegen Aufmärsche Rechtsradikaler in Fürth forderten den frisch gebackenen Dekan zum Dienstantritt nicht minder. Höchstädter bezog klare Position und wurde damit zur Autorität. Zeichen setzte er zusammen mit seinem katholischen Amtsbruder Georg Dittrich mit einer Spende für die Renovierung der Leichenhalle des neuen jüdischen Friedhofs.

Die Gemeinden als lebendiges Experimentierfeld in ihrer Vielfalt zu pflegen, das hat sich Höchstädter vorgenommen. Ein Ziel, für das er immer noch engagiert eintritt. Gerade im Hinblick auf die Entwicklung neuer Siedlungsstrukturen auf den ehemaligen Militärflächen in der Südstadt hält er die Offenheit der Kirche für geboten. In die von ihm als «spannend» eingestufte Südstadt zieht es Höchstädter auch nach der Pensionierung. Das Leben im historischen Pfarrhaus am Kirchenplatz hat er genossen. Bei seinem Amtsantritt war der Dekanatssitz hierher verlegt worden, was wiederum zu einer besseren Integration der Altstadtkirche geführt hat.

Unter Höchstädters Ägide wurde 2006 der 600 Jahre alte Kirchturm für 400 000 Euro saniert und im letzten Jahr für denselben Betrag das Dach des Kirchenschiffs. Jetzt müssen nur der Windfang und die Beleuchtung noch erneuert werden. Das Pfarrhaus wird nach Höchstädters Auszug ebenfalls gründlich renoviert. Unter anderem muss das schadstoffbelastete Gebälk des Dachstuhls ausgewechselt werden.

«Ich hätte gerne noch ein Jahr gearbeitet», gesteht Höchstädter, «aber die Kirchenordnung erlaubt es nicht.» Im Juli erreicht der Geistliche das Pensionsalter 65 Jahre. Im Anschluss an den Abschiedsgottesdienst verabschiedet sich der Kirchenmann zunächst in den Urlaub. Nachfolger ist der 47-jährige Jörg Sichelstiel. Er kommt wie einst sein Vorgänger aus Nürnberg.

Langweilig wird es Höchstädter im Ruhestand kaum werden. Er bleibt Vorsitzender des Lutherischen Vereins für weibliche Diakonie, dem Träger des Kinderheims St. Michael. Im nächsten Jahr beginnt dessen groß angelegte Generalsanierung.