Montag, 16.12.2019

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Jäger werben: "Es gibt kein besseres Fleisch als Wildbret"

Die Fürther Kreisjägerschaft will beim Jägermarkt Aufklärungsarbeit leisten - 15.11.2019 16:00 Uhr

Sobald Schnee liegt, tut sich Rehwild schwer mit der Nahrungssuche. Die Tiere reagieren, indem sie ihren Stoffwechsel herunterfahren und damit auf Energiesparmodus umstellen. Erich Reichert plädiert dafür, den geforderten Abschussplan zeitig zu erfüllen. „Die Rehe sollten im Winter Ruhe haben, auch vorm Jäger.“ © Julian Stratenschulte/dpa


Herr Reichert, können Sie die bundesweit positive Entwicklung bei der Zahl der Jäger auch fürs Fürther Land bestätigen?

Der Trend geht auf jeden Fall auch bei uns nach oben. Seit 20 Jahren bin ich als Ausbilder aktiv, seitdem haben wir bestimmt 200 Jungjäger ausgebildet. Aktuell zählt die Kreisjägerschaft etwa 400 Jagdscheininhaber. Die mitgerechnet, die in angrenzenden Verbänden Mitglieder sind, dürften es etwa 520 Jagdscheininhaber im Landkreis sein.

 

Erich Reichert (60) ist seit April Vorsitzender der Kreisjägerschaft Fürth im Bayerischen Jagdverband, zuvor fungierte er 20 Jahre lang als stellvertretender Vorsitzender. Außerdem leitet er die südliche Hegegemeinschaft, eine von zweien im Landkreis Fürth, ist als Ausbilder aktiv und im bayerischen Prüfungsausschuss für das Jagdwesen vertreten. Seit 1982 geht er auf die Jagd. Er betreut das Revier von Vogtsreichenbach. © Sabine Dietz


Was lockt die Menschen zur Jagd?

Wir beobachten, dass viele den Jagdschein machen wollen, weil sie mehr von der Natur und den Zusammenhängen draußen verstehen möchten. Und das sind beileibe nicht nur Menschen, die einen jagdlichen Hintergrund haben: Es reicht vom Schüler, der seinen Jugendjagdschein mit 16 machen will, bis zum Ruheständler, der in der Rente noch mal etwas Neues anpacken möchte. Bemerkenswert ist auch der Anteil von Frauen, er liegt mittlerweile bei 20 Prozent.

 

Sie verstehen die Jagd nicht als Hobby, sondern als Verpflichtung. Wieso?

Weil eine ganze Menge an Verpflichtungen dran hängt, auch gesetzlicher Art, etwa die Auflage, Abschusspläne zu erfüllen, also eine bestimmte Anzahl an Rehen innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu erlegen. Die Jagd an sich ist dabei nur ein Teil. Per Bundesjagdgesetz sind wir verpflichtet, mit Rücksicht auf Land- und Forstwirtschaft das Revier zu betreuen, das Wild zu hegen und einen vielseitigen Wildbestand zu halten. Letztlich ist Jagd genauso eine Art der Landbewirtschaftung wie Land- oder Forstwirtschaft: Wir entnehmen nicht mehr als das, was zuwächst.

 

Soll heißen: Ihre Ernte ist das Wildbret?

Genau. Und der Abschuss orientiert sich an der Abschussplanung, die alle drei Jahre erstellt wird, und am Bestand. Bei 100 Rehen im Revier ist davon auszugehen, dass 50 weiblich sind. Der Zuwachs liegt im Schnitt bei 50 Tieren, so viele sind es auch, die entnommen werden.

 

Beim Jägermarkt wollen Sie für das Jagdwesen werben. Haben Sie ein Imageproblem?

Nein, eigentlich nicht, das haben wir nur bei den Menschen, die überhaupt keine Ahnung von Jagd haben. Nichtsdestotrotz wollen wir mit den Menschen ins Gespräch kommen. Zugespitzt formuliert, werden wir entweder als Bambimörder wahrgenommen oder als Schädlingsbekämpfer, abhängig davon, ob der radikale Tierschützer über uns urteilt oder der Waldbesitzer. Das ist der Zwiespalt, in dem wir uns bewegen. Radikalen Kritikern rate ich immer, ein paar Abende unserer Schulungen für die Jägerprüfung zu besuchen. Aber das macht natürlich keiner.

 

Wie gehen Sie generell mit der kritischen Öffentlichkeit um?

Wir versuchen, breitere Kreise sachlich zu informieren. Vor einem Jahr haben wir das mit einer Veranstaltung im Fürther Kulturforum schon einmal probiert, allerdings mit wenig Resonanz. Vielleicht erreichen wir über den Jägermarkt mehr Menschen. Dabei wollen wir uns auch als Naturschutzverband, als der der Jagdverband anerkannt ist, darstellen. Unsere freiwilligen Dienstleistungen für die Gesellschaft sind den Menschen oft gar nicht bewusst. Nur ein Beispiel: Wir entfernen nach Wildunfällen die Kadaver. Eigentlich zuständig wäre der jeweilige Träger der Straße, also Gemeinde, Kreis oder Bund.

 

Wildbret ist das Fleisch von Tieren, das dem Jagdrecht unterliegt. Wenn Sie von Wildbret reden, meinen Sie in erster Linie Rehfleisch, warum?

Jedes Jahr erlegen wir etwa 1600 Stück Rehwild. Im kleinsten Flächenlandkreis Bayerns ist das schon eine ganze Menge. Schwarzwild hat keine allzu große Bedeutung, etwa 60 bis 75 Sauen sind es da. Und für den Feldhasen gibt es fast keinen Markt mehr. Ich schieße Hasen nur, wenn jemand einen bestellt hat. Unser Hasenbestand ist stabil, aber auf niedrigem Niveau, da lass’ ich sie lieber laufen. Aber das ist generell unsere Philosophie: Es wird nur geschossen, was unmittelbar verwertet wird. Andernfalls müssten wir das Wildbret Aufkäufern zu Schleuderpreisen hinterherwerfen. Und dafür ist es zu schade.

 

Der Jäger hat eine Sonderrolle, er ist Kontrolleur und Händler des Lebensmittels Wildbret in einer Person. Wie funktioniert das?

Der Jäger gilt als kundige Person, was Wildbret-Hygiene und Verarbeitung anlangt, das hat er in seiner Ausbildung gelernt. Unter bestimmten Voraussetzungen kann er das Wildbret auch selbst verkaufen. Und dafür gibt es klare Richtlinien.

 

Welche sind das?

Er muss das Tier lebend begutachten, also noch vor dem Schuss. Wäre es verhaltensauffällig, wäre das bereits ein Indiz für eine Erkrankung. Deshalb darf auch verunfalltes Wild nicht in Verkehr gebracht werden. Dann müssen die inneren Organe in Ordnung sein. Bei Wildschwein ist die Trichinenschau Pflicht, die allerdings ein Veterinär vornehmen muss. Zudem braucht es eine Wildkammer, einen geeigneten Verarbeitungsraum also. Wer den nicht hat, muss sein Wild letztlich im Ganzen an einen Wildbretbearbeitungsbetrieb abgeben. Um das Wild nicht derart zu verschleudern, fordern wir die Jäger verstärkt dazu auf, in einen Verarbeitungsraum zu investieren, um direkt vermarkten zu können.

 

Letztlich aber ist die direkte Abnahme Vertrauenssache, oder?

Viele Jäger haben Stammkundschaft, die seit Jahren kommt. Neue Kunden finden sich eher selten. Im Regionalvermarkter-Verzeichnis des Landkreises bin auch nur ich als Ansprechpartner genannt. Aber wir wollen die Verkäuferlisten jetzt ausbauen. Für jeden Jäger gilt als oberste Prämisse: Was ich nicht selbst esse, kriegt auch kein anderer. Selbst bei jeder EU-Vorschrift für das Lebensmittel Fleisch geht es letztlich immer darum, nachverfolgen zu können, wo das Fleisch herkommt. Diese Nachweiskette kann nicht kürzer sein als bei einem Geschäft von mir zu dir. Wir als Jäger sind uns unserer Verantwortung bewusst.

 

Sie sagen, es gibt kein besseres Fleisch als das von Wild. Warum?

Wild frisst nur, was es sich selbst ausgesucht hat, und ist garantiert nicht mit Antibiotika oder Hormonen behandelt. Außerdem ist Wildbret reich an Vitaminen, Mineralstoffen und fettarm. Wild lagert Fett nicht in der Muskulatur, sondern in Depots im Bauchraum, an Rücken oder Brust ein. Beim Reh werden diese Depots meist schon mit der Decke, also dem Fell, abgezogen.

 

Was sagen Sie dem Hobbykoch, der dem Wildbret-Braten nicht traut und sich womöglich nicht an die Zubereitung wagt?

Wild lässt sich behandeln wie jedes andere Fleisch auch. Bei mir daheim kommt das Rehblatt leicht gepfeffert und gesalzen und mit einer Zwiebel für eineinhalb Stunden in den Ofen. Für einen Sauerbraten wäre mir Wild zu schade, essigsaure Marinade, Lorbeer und Wacholder überlagern den eigentlichen Geschmack, da brauche ich dann kein Wildbret zu nehmen, da tut‘s ein Stück Schweinebraten auch.

Jägermarkt am Kärwaplatz in Rütteldorf, Sonntag, 17. November, 11 bis 18 Uhr, mit Falknern, Jagdhundvorführungen, Jagdhornbläsern, Wildbret zum Kauf, vertreten sind auch der Fürther Fischerei-Verein und Imker. Für Hungrige gibt es Wildgulasch, Rehbratwurst und für Wildverächter auch die normale Bratwurst. Die Dorfgemeinschaft serviert Kaffee und Kuchen.

Interview: Sabine Dietz

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