"Jahrhundertprojekt": Fürth will das Pegnitzquartier entwickeln

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Andreas Dalberg

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18.11.2020, 16:00 Uhr
Der Helmplatz neben der Feuerwache soll gestaltet werden, eine Verbindung zur geplanten Uferpromenade an der Pegnitz (oben rechts) entstehen.

Der Helmplatz neben der Feuerwache soll gestaltet werden, eine Verbindung zur geplanten Uferpromenade an der Pegnitz (oben rechts) entstehen. © Hans-Joachim Winckler

Nachdem lange Zeit vor allem die westliche Innenstadt aufgehübscht wurde, rückt nun der östliche Bereich verstärkt in den Blick. Und was da zwischen Königstraße, Henri-Dunant-Straße und Pegnitz geplant wird, ist beachtlich: 14 Vorhaben, zum Teil schon beschlossen, listet das Baureferat auf – vom Bau einer Uferpromenade an der Pegnitz über die Nutzung der Wolfsgrubermühle als Hotel bis hin zur Neugestaltung von Mühlstraße, Königsplatz und Helmplatz.

In der Summe spricht Baureferentin Christine Lippert gar von einem "Jahrhundertprojekt", das unter dem Namen "Pegnitzquartier" entwickelt werden soll. Oberbürgermeister Thomas Jung hob jüngst im Bauausschuss, der über den Planungsstand informiert wurde, hervor, dass die Pegnitz den Bürgern dadurch zugänglicher gemacht und gewissermaßen aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen werde.

Denn: Vorgesehen ist eine Uferpromenade ab dem Karlsteg – entweder als Rampe bis zum Helmplatz oder als Weg, der nach dem Helmplatz als Steg weitergeführt wird. Führen könnte er bis zum Neubau des Schliemann-Gymnasiums auf dem Wolfsgruber-Areal, wo obendrein ein neuer Fahrradsteg über die Pegnitz entstehen soll. Die Promenade wäre deutlich kürzer als die bestehende an der Rednitz.

BN ist in Sorge

Der Bund Naturschutz allerdings befürchtet, wie es in einer Stellungnahme heißt, "erhebliche Konflikte mit dem Naturschutz bei einer Realisierung all dieser Planungsvorstellungen". Und Grünen-Fraktionschef Harald Riedel betonte im Ausschuss: Es bedürfe erst einmal "belastbarer Aussagen" darüber, wie groß die Eingriffe in die Natur ausfallen, um die Maßnahmen beurteilen zu können. Auch zu den Kosten sei bislang nichts bekannt.

Riedel sah aber auch Anlass zum Lob: Das Quartier werde in seiner Gesamtheit betrachtet, obendrein sei es weitgehend verkehrsberuhigt konzipiert – wobei gerade die Verkehrsführung herausfordernd sei. Er vermerkt zudem als positiv, dass der Königsplatz einbezogen wird. Im Zuge der Neugestaltung soll es dort beispielsweise mehr Grün geben, aber auch Fahrradabstellanlagen und Parkplätze für Carsharing sowie Ladesäulen für Elektrofahrzeuge.

Platz für Schausteller

SPD-Fraktionschef Sepp Körbl, als eifriger Sachwalter der Kärwa-Interessen bekannt, regte an, den ebenfalls ins Visier der Planer genommenen Henry-Kissinger-Platz an der Königstraße so zu gestalten, dass grundsätzlich auch Schausteller noch Raum finden können. Baureferentin Lippert gab sich zuversichtlich, dass sich in Zusammenarbeit mit dem Marktamt eine Lösung finden lässt.

Im Vorfeld des geplanten Ideenwettbewerbs "Umfeld Alte Feuerwache" soll es 2021 auch eine Bürgerbeteiligung geben, damit Wünsche und Vorstellungen der Fürtherinnen und Fürther in die Planung einfließen können. Die alte Feuerwache selbst ist höchst begehrt: Das Kulturreferat will hier ein Kultur- und Kreativzentrum schaffen. Die Initiative "Fürth-Ort" wiederum kämpft – aktuell mit einem Offenen Brief – dafür, dass hier Vereine Platz finden, die sich für Nachhaltigkeit engagieren.

Langer Stillstand?

Noch immer nicht in Sicht ist allerdings die "Verstärkung", die sich das Baureferat seit Anfang 2019 ins Boot holen will, um den Zustand der historischen Wache erst einmal genauer zu untersuchen.

Die Grünen fordern dennoch von der Verwaltung, zügig ein Konzept zu erarbeiten. Zum einen gebe es Raumbedarf von "verschiedensten Akteuren"; zum anderen werde die Feuerwache schon "in den nächsten Monaten", nach dem Umzug der Feuerwehr ins neue Quartier am Schießanger, leer stehen.

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