Jan Akkerman lässt die Gitarre singen

18.12.2017, 12:30 Uhr
Immer noch gut drauf: Jan Akkermann, der an Heiligabend 71 wird.

Immer noch gut drauf: Jan Akkermann, der an Heiligabend 71 wird. © Markus Kohler

Der Zahn der Zeit lässt keinen unbenagt. Auch nicht die Fans. Bei großen Namen wird der Konzertsaal der Kofferfabrik von Tisch und Stuhl freigeräumt. Doch bei bejahrten Zugnummern hat man sich für eine Teilmöblierung entschieden.

Der Raum vor der Bühne bleibt weiterhin frei für das Stehpublikum, dafür drängen sich in der Abteilung rechts von der Bühne vier Klappstuhlreihen für die Fans der ersten Stunde. Wer in den frühen Siebzigern jung war, ist heute im Großelternalter. Und eineinhalb Stunden oder länger stehen und wippen — das geht auf Kreislauf und Gelenke.

Wie gut, dass Jan Akkerman, der Heiligabend seinen 71. Geburtstag feiert, immer noch frisch herüberkommt. Akkerman war der Gitarrist der Gruppe Focus, Markenzeichen: eine singende Gitarre, mit der er sich besonders in "Sylvia", dem Partyheuler der frühen Siebziger, austobte. Dass der Mann noch viel mehr drauf hatte, nämlich Jazz, Lautenmusik der Renaissance und sinfonisch gefärbten Progrock ("Tabernakel"), bewies er daneben in seinen Soloalben.

Funkig-jazzige Gefilde

Inzwischen ist viel Zeit vergangen, und Akkerman erkundet nun mit seinen jüngeren Mitstreitern Coen Molemaar (Keyboard), David de Marez Oyens (Bass) und dem Drummer Marijn van den Berg vor allem funkig-jazzige Gefilde. Singen mag keiner der vier Herren, der Abend ist rein instrumentalen, sehr ausgedehnten und rhythmisch vertrackten Stücken vorbehalten, die zwischen ausgetüftelter Disziplin und munteren Improvisationen hin und her fließen.

Erst zum Schluss besinnt sich Jan Akkerman auf seine alten Tage bei Focus, gesteht, dass er "an einigen Songs schuld" sei. Die Beweise legt er denn auch reumütig vor, und seine in Ehren ergrauten Zuhörer genießen die Medleys aus "Hocus Pocus", "Focus II" und anderen Stücken.

Und natürlich beschließt, nach einem fulminanten Schlagzeugsolo, die ewig junge "Sylvia" einen denkwürdigen Abend.

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