Lange Wege für Kunden

Jetzt also die Commerzbank: Immer weniger Bank-Filialen im Fürther Landkreis

7.7.2021, 12:50 Uhr
Seit dem ersten Lockdown war die Commerzbank-Filiale in Zirndorf vorübergehend geschlossen. Jetzt kam das endgültige Aus.

Seit dem ersten Lockdown war die Commerzbank-Filiale in Zirndorf vorübergehend geschlossen. Jetzt kam das endgültige Aus. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Sie war bereits – wie auch Geschäftsstellen in Roth, Rothenburg und Nürnberg (Marienberg und St. Leonhard) – seit Mitte März 2020 zu. Damals hatte der erste Lockdown begonnen. Die betroffenen Kunden würden deshalb bereits andere Filialen und das digitale Angebot der Commerzbank nutzen, sagt der für die Region Nürnberg zuständige Niederlassungsleiter Michael Krauß.

Bundesweit wird das Filialnetz – aktuell sind es 790 Filialen – um insgesamt 340 Standorte reduziert. Auch bei den Zweigstellen der Niederlassung Nürnberg wird kräftig ausgedünnt. Neben Zirndorf werden bis 2022 sieben weitere Standorte in der Region aufgegeben. Weniger, dafür stärkere Standorte lautet die Devise.


Diese Commerzbank-Filialen in der Region werden geschlossen


Es sei geplant, bereits ab Oktober 2021 mit der Schließung der ersten Geschäftsstellen zu starten, heißt es. Die Gründe, die die Commerzbank nennt, kennt man – denn auch andere Geldinstitute haben ihr Filialnetz verkleinert: Die Kunden erledigen ihre Bankgeschäfte zunehmend online und heben ihr Geld am Automaten ab, die Frequenz in den Filialen nimmt stetig ab. Vor allem aber spart die Commerzbank hohe Kosten.

In Zirndorfer Rathaus ist man von der Nachricht überrascht: "Die Filiale gehört zu unseren direkten Nachbarn, wir wurden aber über den Schritt nicht informiert, das erwischt mich kalt! Und das ich finde, ehrlich gesagt, ein bisschen schwach", sagt Bürgermeister Thomas Zwingel. Der Trend sei für Großbanken aber nichts neues: Man konzentriere sich auf die Städte, kleinere Gemeinden bleiben außen vor, eine örtliche Verbundenheit sei nicht mehr gegeben.

Es sei immer traurig, wenn wieder ein Stück Infrastruktur verloren geht. Für die Kunden bedeute es einen größeren Aufwand und längere Wege. "Wer sich persönlich beraten lassen möchte und kein Online-Banking nutzt, muss bis nach Fürth oder Nürnberg fahren – oder aber gleich die Bank wechseln", so Zwingel. Davon betroffen sind, so fürchtet er, vor allem ältere Menschen, die das digitale Angebot wenig oder gar nicht nutzen.

Bei der Commerzbank ist man davon überzeugt, dass sich die Kunden in Zirndorf durch die pandemiebedingte Schließung schon auf die neue Situation eingestellt haben. Die Selbstbedienungszonen bleiben vorerst noch geöffnet. "Weitere Details kann ich erst sagen, wenn die konkrete Planung abgeschlossen ist", sagt Pressesprecher Peter Tiefenbach. Soviel ist klar: In der Region sollen weitere SB-Geräte aufgestellt werden, wo und wann, ist noch nicht bekannt.

Tiefenbach verweist darauf, dass die Kunden auch Automaten der Cash Group (dazu gehört auch die Hypo Vereinsbank, die in der Bibertstadt vertreten ist) nutzen können und kostenlose Barauszahlungen bei manchen Supermärkten und Einzelhändlern möglich sind. "Wir arbeiten an weiteren Lösungen, um über Kooperationen die Bargeldversorgung vor Ort sicherzustellen."

Wandel hat vor Jahren eingesetzt

In Zirndorf und den anderen Orten, die von den aktuellen Schließungen betroffen sind, setzt sich eine Entwicklung fort, die schon vor Jahren begonnen hat und auch Stadt und Landkreis Fürth massiv betrifft. Immer mehr Zweigstellen werden aufgegeben.

Die Filialen der Sparkasse in Weiherhof, Wintersdorf, Stein-Deutenbach und Oberasbach sind schon lange zu, ebenso wie etliche der Bank im Fürther Stadtgebiet, etwa in Vach und Poppenreuth, beim früheren City-Center, in der Lehmusstraße und in Unterfarrnbach. An einigen Standort sind wenigstens die Automaten übrig geblieben.

Erst kürzlich kam das Aus für die Postbank-Filiale auf der Hardhöhe sowie vier Sparkassen-Geschäftsstellen in Stadt und Landkreis. Bei letzteren handelt es sich um die Zweigstellen in der Schwabacher und in der Robert-Koch-Straße sowie in Seukendorf und Obermichelbach. Der Grund auch hier: Zu wenig frequentiert, zu teuer und zu aufwendig.

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