Als Fürth Nein zu Nürnberg sagte

Jubiläum: Das steckt hinter der Kunstaktion am Fürther Hallplatz

Armin Leberzammer

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13.5.2022, 18:25 Uhr
Barbara Engelhard lädt mit ihrer rot-grünen Installation namens „Gate NUEFUE 100“ zusammen mit zwei anderen Künstlern am Samstag, 14. Mai, auf den Fürther Hallplatz ein.

© Foto: Hans-Joachim Winckler Barbara Engelhard lädt mit ihrer rot-grünen Installation namens „Gate NUEFUE 100“ zusammen mit zwei anderen Künstlern am Samstag, 14. Mai, auf den Fürther Hallplatz ein.

Die Farben Weiß für die Spielvereinigung und Schwarz für den 1. FCN hat Barbara Engelhard ganz bewusst weggelassen: "Ich wollte erst gar keine Assoziationen zum Fußball wecken", erklärt die Künstlerin, wohlwissend, dass das mitunter schwierige Nachbarschaftsverhältnis der beiden Städte noch einmal an Schärfe gewinnen kann, wenn Kleeblatt und Club mit ins Spiel kommen. Stattdessen vermischen sich bei Engelhards Installation "Gate NUEFUE 100" Grün für die Stadt Fürth und Rot für Nürnberg auf einem Kunstrasenmosaik.

In dessen Mitte steht ein Tor, das die Stadtgrenze symbolisiert. "Jeder kann beim Durchschreiten seinen eigenen Gedanken nachgehen und überlegen, was wäre gewesen, wenn . . .", erläutert Engelhard. Enden soll die Aktion gegen 20 Uhr und wer mag, kann ab 19 Uhr Kunstrasenteile gegen eine Spende erwerben und die kreative Auseinandersetzung mit der 1922 gescheiterten Eingemeindung dann an einem Ort seiner Wahl weiterführen.

Von den damals Stimmberechtigten lebt heute keiner mehr, im "Wahlbüro" von Michael G. Schüll wird aber auch die heutige Generation nach ihrer Meinung gefragt – und zwar mit umgekehrten Vorzeichen. Schüll bittet in seiner interaktiven Performance zur Stimmabgabe darüber, ob Nürnberg nach Fürth eingemeindet werden soll. Die Ergebnisse dieser augenzwinkernden, friedlichen und folgenlosen Befragung will Schülls "Büro für Kunst" dann zeitnah veröffentlichen.

Mit Schüll und Engelhard – Letztere ist als Kulturpreis- beziehungsweise Kulturförderpreisträgerin beider Städte geradezu prädestiniert für den Perspektivwechsel, noch dazu weil sie in Nürnberg geboren und zur Schule gegangen ist, in Fürth aufgewachsen und bis heute hier lebt – liefern zwei in der Region bekannte Künstler ihren Beitrag. Als Dritte bringt die in Tallinn (Estland) geborene Gerli Kont dagegen ganz viel Außenansichten mit. Ihre dreidimensionale, interaktive Spiegelinstallation "FÜR(TH)FREIHEIT" hat sie speziell zum 100. Jahrestag der verhinderten Eingemeindung geschaffen.

Durch die Benutzung der Spiegel sehen die Betrachter sich selbst und ihre Umgebung. Gleichzeitig bleibe Raum für freie Sichtachsen, die dem Publikum eine Vielzahl eigener Interpretationen und Assoziationen ermöglichen. Musikalisch begleitet wird die gemeinsame Kunstaktion ab 17 Uhr von der Band SRS Jazzmen.

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