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Jüdisches Museum: Jung beharrt auf Sparkurs

Während der Kulturausschuss des Bezirkstages eine Umlageerhöhung befürwortet, bleibt Fürth reserviert - 21.06.2012 09:10 Uhr

Schüler des Nürnberger Hans-Sachs-Gymnasiums besuchen das Museum. 2011 wurde das Führungsangebot überarbeitet, insgesamt gab es in Fürth 149 Führungen.Archivf.: H. Winckler


„Der Trägerverein ist gefordert zu handeln, möchte er eine Schließung des Fürther Hauses in Zukunft verhindern“: Klartext, verfasst von Alexander Küßwetter. Der Erste Vorsitzende des Trägervereins appelliert in seinem Schreiben vom Herbst vergangenen Jahres an Bezirkstagspräsident Richard Bartsch, der „chronischen Unterfinanzierung“ des Hauses Einhalt zu gebieten. In seiner Sitzung im Oktober 2011 hatte der Trägervorstand empfohlen, die Umlage für das Haushaltsjahr 2013 auf 650000 Euro zu erhöhen.

Die bisherige Summe — 500200 Euro — reiche nicht mehr, so Küßwetter, der das Problem gestern den FN auf Anfrage erläuterte: „Das Jüdische Museum Franken wurde in der Vergangenheit immer nur auf dem Allernotwendigsten aufgebaut. Es hat jedoch nicht, trotz tendenziell steigender Zahlen, den Besucherandrang eines Freilandmuseums.“ Es gelte, „den enormen pädagogischen Auftrag“ des Hauses zu sichern und auszubauen. „Man kann heutzutage kein Museumsobjekt mehr, wie noch vor 50 Jahren, in eine Vitrine stecken, mit Schild versehen und es 30 Jahre so stehen lassen.“

Rücklagen hat das im Jahr 2000 eröffnete Haus (Besucherzahl 2011: 8162) mit Außenstellen in Schnaittach (1844) und Schwabach (211) keine mehr; es waren einmal, so Küßwetter, 80000 Euro, „doch die sind aufgebraucht. Das ist keine Basis für erfolgreiche Arbeit.“ Was hilft? Mehr Geld. Doch um das Jüdische Museum Franken am Laufen zu halten, müssen fünf Träger an einem Strang ziehen. Der Bezirk Mittelfranken wird voraussichtlich der Erhöhung der Umlage in seinen Haushaltsberatungen im Herbst dieses Jahres zustimmen; am Dienstag empfahlen die Mitglieder des Kulturausschusses in Herzogenaurach jedenfalls einstimmig, den Eigenbeitrag anzuheben. Die Marktgemeinde Schnaittach hatte bereits im Oktober signalisiert, der Bitte des Trägervereins nachzukommen. Positive Zeichen kommen auch aus Schwabach und dem Landkreis Nürnberger Land. Stur bleibt bislang nur ein Träger — der Träger mit der größten finanziellen Last: Fürth.

Ein unüberhörbar reservierter Oberbürgermeister („Man sollte keine übertriebenen Erwartungen hegen“) kritisierte die Empfehlung des Kulturausschusses gestern deutlich. „Das Gebot der Sparsamkeit scheint im Bezirk nicht angekommen zu sein“, so Thomas Jung gallig. Auf Fürth als Trägerkommune — Jung hatte sich bereits im Oktober im Trägervorstand der Stimme enthalten, als es um die Empfehlung zur Umlageerhöhung ging — würden ab 2013 weitere 53900 Euro pro Haushaltsjahr zukommen, sollte das Ziel des Trägervereins (650000 Euro) erreicht werden. Zum Vergleich: Die Schnaittacher, die als Erste zusagten, dem Museum ein komfortableres Polster zu verschaffen, müssen „lediglich“ 6350 Euro draufzahlen.

Jung will indessen von der strikten Spar-Regel keine Ausnahme machen: „Alle Kultureinrichtungen der Stadt müssen infolge unserer Sparpolitik mit zehn Prozent weniger Geld auskommen. 

Lediglich das Jüdische Museum erfuhr keine Kürzung.“ Es sei anderen Kulturinstitutionen der Stadt schwer vermittelbar, ausgerechnet jetzt dem Haus in der Königstraße eine Erhöhung der Umlage in Aussicht zu stellen.

Der Fürther Stadtrat werde seine Entscheidung im Herbst im Rahmen der Haushaltsberatungen fällen, „und er wird sich“, so Jung weiter, „überlegen müssen, ob er seine Linie des verantwortungsvollen Umgangs mit den Finanzen verlassen wird“. Seine, Jungs, Linie sei, keine neuen Schulden zu machen.

Sichere Basis

CSU-Mann Küßwetter, der stellvertretender Bezirkstagspräsident ist und das Amt der Trägervereinschefs 2010 von Bartsch übernahm, bleibt hingegen optimistisch: „Das Haus ist nicht irgendein Museum, sondern bewahrt mit einem hervorragenden Team die reichhaltige Geschichte des Judentums in Franken.“ Es gelte, für die nächsten zehn Jahre „sicheren Boden unter den Füßen zu haben“. Christiane Twiehaus ist kommissarische Museumschefin in Vertretung von Daniela Eisenstein, die sich in Elternzeit befindet. Twiehaus begrüßt den Herzogenauracher Entscheid als „sehr positiv, das Geld ist notwendig, um sicher weiterzumachen. Ich hoffe, dass Fürth nachziehen wird“.

Die Trägervereins-Vorstände kommen im Juli zu ihrer nächsten Sitzung zusammen, dann wird Küßwetter auf Jung treffen. Von mangelndem Gesprächsbedarf kann sicher keine Rede sein.

MATTHIAS BOLL

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