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Montag, 16.09.2019

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Kabeltrommeln bedrohen Eidechsen-Population

In Oberasbach liegt eines der wenigen Gebiete im Landkreis, wo die seltenen Tiere noch leben. - 27.08.2019 16:00 Uhr

Zwei junge Zauneidechsen. Sie stammen nicht vom Steiner Bahndamm, die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein hat sie in ihrem Bundesland ausgewildert. © Foto: Frank Molter/dpa


Mitten auf den Eiablageplätzen der streng geschützten Reptilienart hat eine Baufirma Kabeltrommeln gelagert, die müssen nun bis Spätherbst dort bleiben, bis die Tiere in ihrem Winterquartier sind. © Foto: Frank Molter/dpa


Was für ein Gewusel: Zwei bis drei Zentimeter groß sind die Reptilien, die zwischen den Grashalmen herumflitzen. Helmut Willert müsste eigentlich glücklich sein. Schließlich sind das nicht irgendwelche Kriechtiere, sondern Zauneidechsen, eine streng geschützte Art. Seit Kindesbeinen an beschäftigen ihn Flora und Fauna, engagiert er sich für deren Schutz. Doch der Oberasbacher schaut sorgenvoll drein.

Zu tun hat das – hier am Rande des Hainbergs, wo auf der anderen Seite des Bahndamms das Sportgelände des FC Stein liegt – mit anderen Dingen: Mehrere riesige Trommeln mit schweren Erdkabeln lagern nahe der Gleise. Mitten in den Eiablageplätzen der Eidechsen. Willert beobachtet die Fläche nach eigenen Angaben bereits seit Ende der 1960er Jahre. Den Bestand der dort lebenden Tiere schätzt er auf rund 150 Exemplare. Seiner Meinung nach die größte Population im Landkreis Fürth. Willert informierte das Landratsamt Fürth.

Die Behörde schickte Mitarbeiter vor Ort. Der Lagerplatz liegt auf Steiner Stadtgebiet und nicht im Schutzgebiet Hainberg. Das sei nicht betroffen, sagt Amtssprecher Christian Ell. Dementsprechend werde die Schutzgebietsverordnung dort nicht angewendet.

Aktiv wurde die Untere Naturschutzbehörde dennoch, aufgrund des Schutzstatus, den die Zauneidechsen genießen. Ob das besagte Vorkommen tatsächlich so viele Tiere zählt, wie Helmut Willert glaubt, und ob es sich wirklich um das größte seiner Art im Landkreis handelt, dazu, heißt es aus der Behörde, sei "es schwierig, konkrete Aussagen zu treffen".

Als sicher gilt dagegen: Im Landkreis Fürth gibt es über 30 Stellen, an denen die Reptilien vorkommen. Speziell Flächen an Bahndämmen nutzen die wärmeliebenden Zauneidechsen sehr gerne als Lebensraum. Die Weibchen legen ihre Eier zwischen Mai und Juni in sonnige Erdlöcher. Je nach Umgebungstemperatur schlüpft der Nachwuchs nach zwei bis drei Monaten. Auf dem besagten Areal am Hainberg haben die Mitarbeiter des Landratsamtes Jungtiere nachgewiesen.

Doch wer lagert hier überhaupt Material ab? Und wofür ist es bestimmt? Es handle sich um eine Baufirma aus Eckental, nähere Auskünfte dürfe man nicht machen, sagt Christian Ell. Nach Angaben des Betriebs liegen die Trommeln seit dem Frühjahr dort. Eine Genehmigung brauchte die Firma dafür nicht und nach Rücksprache mit der Bauaufsicht am Landratsamt sei das Vorgehen auch nicht zu beanstanden, so Ell weiter. Im Übrigen liege das Baumaterial auf dem Gebiet der Stadt Stein.

Auf Steiner Gemarkung allerdings, präzisiert Wolfgang Schaffrien, handle es sich um "ein Privatgelände des Landratsamtes". Für was die Kabel benötigt wurden, weiß der Bauamtsleiter der Stadt Stein auch: Der Nürnberger Versorger N-Ergie hat eine 20-KV-Leitung zwischen Oberasbach und Stein verlegen lassen.

Bei den noch vor Ort befindlichen Kabeltrommeln geht jetzt erst einmal bis Herbst nichts mehr. Die Zauneidechsen beziehen ab Oktober ihre Winterquartiere. Dafür nutzen sie frostfreie Hohlräume. Mit der Firma hat das Landratsamt deshalb vereinbart, dass das Baumaterial noch bis November vor Ort bleibt und erst dann in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde abtransportiert wird.  

HARALD EHM

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