Freitag, 16.04.2021

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Kampf der Demenz: Fürth will neues Angebot schaffen

Demenz vorbeugen durch Bewegung und Gemeinschaft - 06.04.2021 16:00 Uhr

Um Demenzerkrankungen bei Älteren zu verhindern, beteiligt sich die Stadt Fürth am Projekt „Gestalt“ der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Es richtet sich an Menschen, die bislang keinen Sport getrieben haben.

05.04.2021 © Foto: Volker Hartmann/dpa


In Bayern leben rund 240.000 Menschen mit Demenz, Tendenz steigend. Prognosen zufolge könnte ihre Zahl bis 2030 auf 300.000 anwachsen. Auch in Fürth dürften es immer mehr werden, denn: Die Bevölkerung wird immer älter – und damit nimmt das Risiko zu, an Demenz zu erkranken. Momentan liegt der Anteil der über 65-Jährigen in Fürth bei knapp 19 Prozent, 2030 könnten es fast 23 Prozent sein. Es gilt also zu handeln.


Experte: "Demenzkranken kann es gut gehen"


Im Fokus steht dabei die Prävention. Um sie dreht sich auch das neue Projekt "Gestalt" der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, an dem sich neben Fürth neun weitere Kommunen beteiligen können. Das Wort "Gestalt" setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben von "Gehen, Spielen, Tanzen als lebenslange Tätigkeiten", also jenen Bausteinen, die besonders wichtig sind im Kampf gegen das Vergessen.

Denn körperliche Betätigung hilft nicht nur gegen viele Zivilisationskrankheiten, ihre Wirksamkeit wurde auch bei der Demenz-Vorbeugung festgestellt. Die Idee hinter dem Projekt: Vor allem jene Menschen ab 60, die keinen Sport treiben, vielleicht noch nie in einem Verein waren und sozial eher zurückgezogen leben, sollen ein niedrigschwelliges Angebot erhalten. So sollen sie Freude an der Bewegung finden und darüber hinaus Kontakte zu anderen knüpfen – ebenfalls eine wichtige Säule bei der Prävention von Altersdemenz.

Doch ist es mit 60 nicht schon zu spät für eine solche Maßnahme? Lisa Darlapp verneint das. Sie leitet die Geschäftsstelle der GesundheitsregionPlus in Fürth und ist mit dem Projekt betraut. "In diesem Alter steigen viele aus ihrem Beruf aus, Kontakte fallen weg, Hobbys fehlen vielleicht", sagt sie. Ein guter Zeitpunkt also, um etwas Neues anzugehen.

Werben vor dem Supermarkt

Schwierig dürfte es werden, die Betroffenen ausfindig zu machen. In Erlangen etwa, wo "Gestalt" bereits läuft, haben sich Mitarbeiter schon mal vor dem Supermarkt positioniert und das potenzielle Zielpublikum angesprochen.

Darlapp hat bereits mit der Fürther Seniorenbeauftragten gesprochen. Auch sie glaubt, dass es nicht ganz einfach werden wird, Teilnehmende zu finden. Zumal sich im Zuge der Pandemie ohnehin viele von ihnen aus dem gesellschaftlichen Leben zurückgezogen haben dürften.


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Trotzdem: Momentan läuft die Ausschreibung für eine Teilzeitstelle in Fürth, die die Koordination des Projekts übernehmen soll. Über das städtische Sportamt sollen die Gestalt-Kurse organisiert werden, die ganz leichte, körperliche Ertüchtigung wie Gehen und Tanzen vermitteln und die Koordination fördern sollen. Verausgaben soll sich bei den Übungen niemand.

Wichtig sind neben der Bewegung die Kontakte, die entstehen. Sie könnten beispielsweise dazu führen, dass man sich regelmäßig zum Spazierengehen trifft.

Für knapp dreieinhalb Jahre ist das Vorhaben angesetzt, danach soll es weiterlaufen. Gefördert wird es mit 130.000 Euro von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die Stadt muss einen Eigenanteil von insgesamt 9500 Euro zuschießen.

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