16°

Sonntag, 16.06.2019

|

Kann Bier aus Hagen in Fürth bestehen?

Experte Helmut Ell testete Produkte, die unser Tausch-Reporter mitgebracht hat - 26.05.2019 16:00 Uhr

Tauschreporter Michael Koch (re.) hat Bier aus seiner Hagener Heimat mit nach Fürth gebracht: ein Pils, ein Alt und ein Weizen. Biersommelier Helmut Ell hat sie getestet. Sein Urteil fällt ehrlich aus. © Foto: Tim Händel


Der Tauschreporter hat es aus Westfalen mitgebracht, um zu testen: Wie kommt es denn in Fürth mit seiner großen Brautradition an? Helmut Ell, Biersommelier, Brauereiführer und stadtbekannter Fürther, spielt mit – ernsthaft, aber nicht bierernst.

Vorab: Nicht nur der Franke versteht etwas von Bier. Hagen hat eine lange Bierbrau-Tradition, doch die ist in weiten Teilen längst Geschichte. Es gab einst zum Beispiel die Bettermann-Brauerei in der Innenstadt, heute erinnert nur noch ein Parkplatzname an sie. Längst vergangen sind auch Adler oder Lenzmann. Das bekanntere Andreas-Pils gab es noch bis in die jüngste Zeit, erst 2016 wurde tatsächlich das letzte gezapft. Gebraut wurde es da aber schon seit gut 20 Jahren im benachbarten Dortmund bei der Actien Brauerei (DAB), die wiederum zur Radeberger-Gruppe und damit zu Oetker gehört – der Fürther kennt ja die Konstellationen. In Hagen war die Andreas-Brauerei, die in den 80er Jahren noch 230 000 Hektoliter im Jahr ausgestoßen hatte, schon 1994 geschlossen worden.

Eine Produktionsstätte hat sich aber gehalten: die Vormann-Brauerei im Stadtteil Dahl, gelegen im idyllischen, berg- und waldreichen Hagener Süden. 1877 hatte der heutige Namensgeber sie übernommen, gebraut wird in Dahl aber schon nachweislich seit 1718. Und noch immer ist die Brauerei im Besitz der Familie Vormann.

Viel Tradition also, aber können die heutigen Produkte auch vor den kritischen Fürther Ansprüchen bestehen? Die Verabredung mit Helmut Ell lautet: Auf jeden Fall eine ehrliche Bewertung. Kein Gefälligkeitsurteil für den Hagener Tauschreporter und seine Heimatbrauerei. Dass sein Urteil fachmännisch und nicht aus dem Bauch heraus kommt, soll auch seine Ausbildung garantieren: "Als Biersommelier habe ich gelernt, streng zu unterscheiden zwischen objektiven Qualitätsmerkmalen und persönlichem Geschmack", sagt der 58-Jährige. "Ich kann ein Bier guten Gewissens als gut bewerten, ohne dass es mir persönlich schmeckt."

Also ran an die Aufgabe. Es gibt drei Vormann-Sorten: das Pils, das Alt und – aufgepasst – das im süddeutschen Raum verbreitete Weizen, an das man sich in Westfalen herangetraut hat.

Vormann Pils: Erst unterzieht Helmut Ell die Färbung einer kritischen Prüfung, dann nimmt er den Geruch auf und probiert es schließlich. "Das hat einen angenehmen Körper, es ist schön herb, aber auch sehr ausgewogen. Es ist ein typisches Pils eurer Region, erinnert ein wenig an Veltins. Also, das schmeckt sehr gut, es ist ein sehr angenehmes Bier."

Vormann Alt: Das Alt-Bier ist in Franken ein Exot, und auch Hagen ist alles andere als ein ausgewiesenes Alt-Gebiet. Und dennoch hat die Brauerei Vormann mit ihrem Alt schon seit Jahren Erfolg. Zu Recht? Helmut Ell betont gleich vorweg, dass er kein ausgewiesener Alt-Experte ist, aber auch hier findet er schnell ein Urteil: "Farblich ist das Vormann-Alt sehr gelungen. Es fällt auf, dass zunächst wenig Röstmälze zu riechen ist, die kommt aber beim zweiten Riechen. Das ist bei klassischen Düsseldorfer Alt-Bieren oft anders. Geschmacklich hat es eine saubere Restsüße, es ist schön fruchtig, das ist ein wirklich gutes, eher leichtes Alt-Bier. Dass es fünf Prozent Alkohol hat, hätte ich gar nicht gedacht."

Vormann Sauerländer Weizenbier: Brauer Christian Vormann hat es schon 1986 eingeführt. Aber kann das gutgehen? Ein Weizenbier in Westfalen? "Oh, das riecht gut", Helmut Ell scheint überrascht. Der Geschmackstest relativiert dann aber ein wenig: "Es hat einen leicht säuerlichen Touch. Ansonsten ist das aber ein sauberes Bier. Das ist o. k." Ein diplomatisches Urteil . . .

Bier und psychologische Komponenten, das weiß Helmut Ell, hängen eng zusammen: Die Geschichte des Biers, das Logo, Moden oder Vorurteile sind oft entscheidender als der objektive Geschmack. Der Tauschreporter kann jetzt aber mit der Gewissheit nach Hause fahren: Der subjektive Hagener Lokalpatriotismus in Sachen Vormann-Bier wird durch Fürther Sachverstand bestätigt – es erinnert tatsächlich an ein Helles. 

Michael Koch

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth