Dienstag, 22.10.2019

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"Kärwa wird nun auch im Ausland wahrgenommen"

Fürths Wirtschaftsreferent erklärt, wie sich der Kulturerbe-Titel auswirkt - 29.09.2019 11:00 Uhr

Wirtschaftsreferent Horst Müller freut sich über die wachsende Beliebtheit der Kärwa im In- und Ausland. © Hans-Joachim Winckler


Herr Müller, die erste Michaelis-Kirchweih unter dem Dach des deutschen Kulturerbes hat begonnen. Wie fühlt sich das an?

Horst Müller: Da sind wir schon ein bisschen stolz drauf, weil uns das auch nicht in den Schoß gefallen ist. Die Entscheidung hat ein kritischer Kreis von Professoren und Historikern getroffen. Aber Martin Schramm, unser Stadtarchivar, hat da hervorragende Arbeit geleistet und diese Fachleute überzeugt.

 

Zur Erinnerung für unsere Leser: Warum ist die Fürther Kärwa würdig, den Titel Kulturerbe zu tragen?

Müller: Da gibt es nicht nur einen Faktor, das ist die Summe aus vielen. Aber im Vordergrund steht zum einen, dass wir eben nicht nur Fahrgeschäfte und Gastronomie haben, sondern über hundert Markthändler, die von der Autopolitur bis zur Bratpfanne wirklich alles verkaufen. Früher waren solche Märkte der Kern jedes Fests, heute hat das Seltenheitswert. Das gilt genauso für den Schauplatz: die Innenstadt. Fast alle Städte haben ihre Kirchweihen und Volksfeste doch auf die Grüne Wiese verlegt. Wir nicht.

 

Und das Alter der Kärwa dürfte ebenfalls eine Rolle spielen...

Müller: ...natürlich, die Michelskirche wurde um das Jahr 1100 geweiht, die Weihe sicherlich damals schon gefeiert. Das sind dann weit über 900 Jahre. Erstmals schriftlich erwähnt wurde die Kirchweih im Jahr 1536, aber da hat es sie schon lange gegeben. Zum Vergleich: Das Oktoberfest bringt gerade mal 209 Jahre aufs Papier.

 

Macht sich die Kulturerbe-Auszeichnung bereits irgendwie bemerkbar?

Müller: Schon allein dadurch, dass letztes Jahr, als wir immerhin schon bayerisches Kulturerbe waren, Bayern Tourismus Marketing auf uns aufmerksam wurde. Die haben inzwischen eine große Werbekampagne für Urlaub in Bayern gefahren mit insgesamt sieben Themenfeldern. In der Rubrik "Feste in Bayern" kam die Kärwa ganz groß raus. Ich selbst durfte mehrere Monate lang den "Bayernbotschafter" spielen. In diesem Zusammenhang waren wir auch auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin oder der Urlaubsmesse CMT in Stuttgart. Da wurden wir schon wahrgenommen.

 

Das heißt, die Kärwa wird dieses Jahr von Touristen überrannt?

Müller: Na, das glaube ich jetzt nicht. Aber das Interesse steigt. Unsere Hotels haben bereits 2018 während der Kirchweih ein Übernachtungsplus von 40 Prozent verzeichnet, ein Drittel der Besucher kam aus dem Ausland. Das ist sicher nicht ganz zufällig, und es liegt nahe, dass etliche dieser Gäste wirklich wegen der Kärwa in Fürth waren. So wie in einer Woche die Italiener.

 

Italiener?

Müller: Auf Empfehlung von Bayern Tourismus Marketing kommen am zweiten Kärwasamstag 15 italienische Blogger und Journalisten, um sich die Kirchweih anzuschauen und um zu berichten.

 

Das hätte es früher nicht gegeben. Haben Sie nicht ein bisschen Angst, dass die Kärwa langfristig ihren Charakter verlieren könnte?

Müller: Wir sind weit von einem sogenannten Overtourism entfernt und können schon noch ein paar Gäste vertragen, aber es war ohnehin nie das Ziel der Kulturerbe-Bewerbung, die Besucherzahlen noch weiter in die Höhe zu schrauben. Die Kärwa wird immer ein gemütliches Familienfest bleiben. Andererseits haben wir inzwischen unsere falsche Bescheidenheit abgelegt. Die Michaelis-Kirchweih ist schon jetzt, wir haben recherchiert, die größte Innenstadt-Kirchweih Deutschlands. Und das sagen wir auch ganz offen.

 

Haben Sie inzwischen eigentlich die offizielle Kulturerbe-Urkunde bekommen?

Müller: Tatsächlich immer noch nicht. Die deutsche Unesco-Kommission hat uns mitgeteilt, sie schaffe es in diesem Jahr nicht mehr, sie zu überreichen. Man strebe 2020 an. Das ist ein bisschen schade, aber kein Beinbruch...

 

...weil sie den Status ja auch ohne Urkunde haben...

Müller: Genau. Wir sind im Bundesverzeichnis aufgenommen und dürfen damit auch werben, zum Beispiel in den Programmheften.

 

Ist es realistisch, sich mit der Kärwa nun auch fürs Weltkulturerbe zu bewerben? Haben Sie das vor?

Müller: Das werde ich mit Martin Schramm abstimmen, wir müssen uns erst einmal einen Überblick verschaffen, auch über den nötigen Aufwand. Aber ich denke schon, dass wir das machen werden. Die Kärwa hätte es in jedem Fall verdient. Und wenn es schiefgehen sollte, wäre das alles andere als schlimm. Wir haben schon so viel erreicht.

 

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