Kein Badespaß: Fürth pocht auf das Verbot in Flüssen

17.8.2020, 05:49 Uhr
Mit Karacho hinein in die trüben Fluten: Vom Baden im Allgemeinen, vor allem aber von solchen waghalsigen Sprüngen rät die Stadt dringend ab.

Mit Karacho hinein in die trüben Fluten: Vom Baden im Allgemeinen, vor allem aber von solchen waghalsigen Sprüngen rät die Stadt dringend ab. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Jürgen Tölk gerät bei dieser Frage etwas ins Schwimmen, notgedrungen: Warum denn in Bamberg, gerade mal 60 Kilometer flussabwärts, etwas erlaubt ist und sogar ganz offensiv touristisch beworben wird, das in Fürth verboten ist? Der Leiter des kommunalen Ordnungsamts gibt unumwunden zu: Er hat dafür keine Erklärung parat.

Das Nachhaken bei den Kollegen in Bamberg, wo das schmucke Hainbad samt Kabinen und Kiosk schon seit 1935 zur Abkühlung in der Regnitz einlädt, habe keine befriedigenden Erkenntnisse erbracht; man wisse schlichtweg nicht, wie es um die Wasserqualität dort bestellt ist.

Was Tölk und seine Kollegen indes genau wissen: Messungen von 2016 bis 2019, je viermal im Jahr während der Badesaison, ergaben für Rednitz (ehemaliges Flussbad) und Pegnitz (Röllingersteg) in der Regel das immer gleiche, ernüchternde Bild. Demnach werden die zulässigen Werte für Fäkalkeime – Enterokokken und Kolibakterien – deutlich überschritten. Beide Gewässer bekommen die amtliche Zensur "mangelhaft".

Weit von Badewasserqualität weg

Deshalb, so Tölk, ist das Badeverbot, gemäß der Bayerischen Badegewässerverordnung – die tatsächlich so heißt und BayBadeGewV gekürzelt wird – unumgänglich. "Wir sind hier in Fürth weit weg von Badewasserqualität." Ebenso übrigens wie in Nürnberg.


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Das allerdings scheint kaum jemanden zu kümmern, schaut man sich den Betrieb am Pegnitzstrand und an der Uferpromenade der Rednitz in diesen hochsommerlichen Tagen an. Menschen aller Altersklassen plantschen da, lassen sich gemächlich treiben, hüpfen übermütig von Brücken oder Bäumen.

Ob ihnen das zunächst noch bis 2028 geltende Verbot gar nicht bekannt oder aber schlichtweg egal ist, das bleibt Spekulation – auch für Tölk, dem das muntere Treiben gehörige Bauchschmerzen verursacht. Er rät dringend vom Badespaß ab, denn die Keime könnten gerade bei Kindern, Älteren oder Geschwächten ernste gesundheitliche Probleme auslösen.

Tölk räumt freilich ein: Die Stadt beugt sich ein Stück weit den Tatsachen, die ihre Bewohner schaffen. Will heißen: Sie kontrolliert und sie sanktioniert nicht aktiv. "Wir werden sicher niemanden aus dem Wasser holen", sagt der Behördenchef. Allenfalls ermahne der kommunale Ordnungsdienst hin und wieder.

"Teilweise lebensgefährlich"

Allerdings fehle ihm persönlich spätestens dann das Verständnis, wenn Eltern ihre Kleinkinder den Gefahren aussetzen. Und dann, wenn Jugendliche ihre waghalsigen Sprünge hinein ins trübe Nass machen. Auch wenn noch nichts von schlimmeren Verletzungen bekannt geworden ist: Tölk hält das "teilweise für lebensgefährlich".

Denn bei der Müllsammelaktion "Rama dama" bergen die Helfer "immer wieder Tonnen von Abfall" aus der Rednitz, berichtet der Amtschef, darunter Fahrräder und Einkaufswagen. Pralle beim Sprung jemand darauf, könnte das üble Konsequenzen haben.

 

 

Zurück zur Keimbelastung: Dass sie sich in den hiesigen Flüssen nicht weiter verringern lässt, liegt nach Ansicht von Experten vor allem an manchen Klärwerken im Großraum. Von dort werden noch immer zu viele Fäkalkeime eingeleitet. Hinzu kommen könnten Gülle-Ausschwemmungen von gedüngten Feldern, die an die Flussläufe grenzen.


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Angesichts der nun vier Jahre in Folge überschrittenen Werte sei es "nicht zielführend", die Messungen fortzusetzen, heißt es in einem Papier, das im Juni dem städtischen Umweltausschuss vorlag. Und: Sinnvoll sei das erst wieder, wenn in Kläranlagen im Oberlauf von Rednitz und Pegnitz "weitere Hygienisierungsstufen" für bessere Reinigung sorgen.

Das jedoch sei "zeitnah nicht zu erwarten".

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