Kein Krach mehr in der Kneipenmeile

16.1.2011, 10:00 Uhr
Fürth Festival 2010: Mitten in der Altstadt feierten die Menschen tagelang Party. Um die Nerven der Anwohner etwas zu schonen, wird beispielsweise erwogen, Musik nur noch ohne Verstärker zuzulassen.

Fürth Festival 2010: Mitten in der Altstadt feierten die Menschen tagelang Party. Um die Nerven der Anwohner etwas zu schonen, wird beispielsweise erwogen, Musik nur noch ohne Verstärker zuzulassen. © Hans-Joachim Winckler

18 Gaststätten und Geschäfte mit Ausschank gibt es in der Gustavstraße — plus 32 in unmittelbarer Nachbarschaft. Klar ist: Wer hier lebt und schläft, tut das nicht immer ungestört. „Sporadische Klagen über nächtliche Ruhestörung und lärmintensive Events“, so Ordnungsreferent Christoph Maier, gibt es im „Mischgebiet“ von jeher. So viele wie 2010 aber gab es nie. 16 Beschwerden gingen vom Sommer an im Rathaus ein. Anwohner prangerten darin „aus ihrer Sicht unschöne Zustände an“ und verliehen ihrem Groll mit Unterschriftenlisten Nachdruck. Nicht nur ans Ordnungsamt, auch an den Oberbürgermeister direkt wandten sich die Beschwerdeführer.

„Insgesamt sachlich“

In der Folge lud die Stadt zu einer mehrstündigen Gesprächsrunde ins Rathaus. Anwesend waren Vertreter der Stadt, der Polizei, des Stadtmarketingvereins Vision Fürth, des Quartiermanagements, die Innenstadtbeauftragte sowie Vertreter der Gastwirte und der Anwohner, die auch einen Anwalt für Verwaltungsrecht mitgebracht hatten. Die Kontrahenten hätten Standpunkte ausgetauscht, berichtet Maier im Rückblick, „manchmal erhitzt, insgesamt aber sachlich und ohne sich die Köpfe einzuschlagen“.

Themen waren der alltägliche und -nächtliche Geräuschpegel insbesondere im Sommer, wenn die Gäste der Cafés, Kneipen und Gatswirtschaften draußen sitzen, ebenso wie der Lärm im Gefolge großer Veranstaltungen wie Fürth Festival, Weinfest, Grafflmarkt. Die Frage lautete: Wie lässt sich die Lage entspannen? Inzwischen gibt es laut Maier eine Liste mit Vorschlägen für ein friedlicheres Miteinander. Beispielsweise sei angedacht, dass beim Fürth Festival am Sonntag schon ab 20 Uhr (bisher: 22 Uhr) Schluss sein soll mit der Musik. Auch werde überlegt, am Freitagabend auf dem Waagplatz nur Musik ohne Verstärker zuzulassen.

Weinfest kleiner

Jens Graeser, Inhaber der „Kaffeebohne“, nennt weitere Schritte und Schrittchen, mit denen er und andere Gastronomen den Anwohnern entgegenkommen wollen. Er räumt ein, dass deren Nerven 2010 arg strapaziert wurden, als das Fürth Festival wegen der Fußball-WM nach hinten verschoben wurde. „Erst die Huperei und Tröterei bei der WM und dann kurz aufeinander Fürth Festival und Weinfest, davon das erstere mit zu lauter Musik“, sagt er. „Das war viel auf einmal.“

Für heuer stehen die Termine fest: 8. bis 10. Juli Fürth Festival, 27. Juli bis 2. August Weinfest. Aber 2012, im Jahr der Fußball-EM, sind die Wirte laut Graeser bereit, das Weinfest in die Sommerferien zu verlegen. Schon beschlossene Sache ist nach seinen Worten, dass das Weinfest ab sofort kleiner ausfällt und Lieferzeiten strenger geregelt werden. „Wir versuchen, wieder Frieden herzustellen“, sagt Graeser, nennt aber auch Grenzen des Entgegenkommens. Unantastbar sind aus seiner Sicht die Sperrzeiten für den Ausschank im Freien, die im Lauf der Jahre immer kürzer wurden. Denn: „Die Gustavstraße ist eine Kneipenmeile, und als solche wie die Comödie Werbeträger für die Stadt.“

Matthias Bauer, Anwohner und Inhaber des Modeladens „Mann o Mann“, will sich zurzeit nicht im Detail äußern. Er sagt nur: „Ich freue mich, dass sich alle Beteiligten aufeinander zubewegen.“ Und er versichert, er und seine Mitstreiter wollten „die Altstadt keinesfalls totberuhigen“.