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Kein Zentrum im Lokschuppen: Fürths OB weist Vorwürfe zurück

Der Verein Soziokultur übt scharfe Kritik, der Rathauschef findet das unfair - 11.05.2021 11:00 Uhr

Seit drei Jahren fordern junge Fürther ein soziokulturelles Zentrum, seit September 2019 stand mit dem maroden Lokschuppen ein Ort im Fokus, dem sie sehr viel abgewinnen konnten.

10.05.2021 © Foto: Tim Händel


War alle Mühe umsonst? Nachdem die Stadtspitze angesichts der Lärmschutzproblematik ein soziokulturelles Zentrum im historischen Lokschuppen ausgeschlossen hat, zeigen sich die jungen Leute vom Verein Soziokultur Fürth erschüttert und verärgert. Verärgert ist allerdings auch der OB – die heftige Kritik empfindet er als unfair.

"Wir sind von den letzten drei Jahren Arbeit für ein soziokulturelles Zentrum erschöpft und von der Art und Weise, wie bisher mit uns umgegangen und kommuniziert wurde, extrem enttäuscht", heißt es in einer Stellungnahme des Vereins zum Scheitern der Pläne.

Nicht ernst genommen fühlen sie sich, sagt Florian Lippmann auf FN-Nachfrage. Ähnlich hatten sich seine Mitstreiter und er schon im Februar geäußert.

Zu viel Stillstand, zu wenig Austausch mit dem Eigentümer P&P und der Stadtspitze beklagte die Gruppe damals, die 2018 mit der "Aktion Protestgarten" mehr Raum für junge Fürtherinnen und Fürther gefordert hat und rasch die Politik auf ihrer Seite hatte. Immer wieder habe sie nach dem aktuellen Stand fragen müssen.

In der Stellungnahme nun zeigen sich die Mitglieder auch irritiert darüber, dass sie vom definitiven Aus erst aus der Zeitung erfahren hätten. Zuvor sei ihnen lediglich mitgeteilt worden, dass sich das Zentrum so, wie sie es sich "optimalerweise" vorstellen, aufgrund des Lärmgutachtens im Lokschuppen nicht umsetzen lasse.

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Rathauschef Thomas Jung weist den Vorwurf als "unwahr" zurück. In E-Mails vom 18. und 22. März habe man den Verein wissen lassen, dass das Ordnungsamt keine Realisierungschance an diesem Ort mehr sieht. "Eine eindeutigere Aussage kann es nicht geben", sagt Jung.

Die Mails gab es, bestätigt Lippmann. Darin stand auch die Formulierung, dass aus Emissionsschutzgründen einem Betrieb "so, wie er bislang geplant war", im Lokschuppen nicht zugestimmt werden könne. Das ließ, aus Sicht des Vereins, ein Schlupfloch offen, das man nutzen wollte.

Kann das Konzept angepasst werden?

Man habe sich daraufhin noch einmal Gedanken gemacht, ob man das Konzept verändern, vielleicht weniger häufig Veranstaltungen bis 5 Uhr morgens planen könnte, berichtet Lippmann. "Arbeit für die Katz", schreiben die jungen Leute nun.

Das Scheitern des Projekts an dieser Stelle "bedauert im Rathaus niemand mehr als Oberbürgermeister Thomas Jung selbst", heißt es in einer Reaktion der Stadt auf die Kritik des Vereins Soziokultur. Jung hatte den Lokschuppen vor eineinhalb Jahren ins Spiel gebracht.

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Er fand die Idee "bestechend", hier zwei wichtige Anliegen – ein Zentrum für junge Menschen und eine sinnvolle Nutzung des seit langem leerstehenden, sanierungsbedürftigen Bahndenkmals – zu verbinden, sagt der Rathauschef. Und er habe sich deshalb in ganz besonderer Weise persönlich engagiert, an Besprechungen und Treffen teilgenommen.

Weil sich die Lärmproblematik seit längerem abzeichnete, habe er den Verein wiederholt um Vorschläge für Alternativstandorte gebeten – den einzigen Hinweis, der kam, habe er auch umgehend prüfen lassen.

Keine Einsicht ins Gutachten

Lippmann wiederum erklärt: Man habe aus Sorge, dass der Lokschuppen dann schnell abgeschrieben wäre, bewusst noch keine weiteren Ideen angemeldet.

Die Aktivisten beklagen, dass mit der schlechten Nachricht im März seitens der Kommune kein Angebot gekommen sei, sich zusammenzusetzen und zu überlegen, wie es weitergehen könnte. Bis heute habe man zudem das Gutachten, demzufolge die Nachtruhe der Anwohner durch kommende und gehende Gäste gestört werden würde, nicht einsehen können – nur Auszüge seien auf Nachfrage geschickt worden. Deshalb sei für sie nicht nachvollziehbar, dass es hier keinen Weg geben soll.

Auch die ehemalige Wolfsschlucht scheidet aus

Für Jung indes ist klar: So lange der Betrieb nicht vor 23 Uhr endet, ist nichts zu machen. Er selbst habe sich auf die Suche nach Alternativstandorten gemacht. Zwei der Objekte werden noch geprüft – bei einem früheren Supermarkt an der Ecke Wehlauer Straße/Würzburger Straße sei ebenso wie bei der ehemaligen Wolfsschlucht das Lärmthema laut Ordnungsamt nicht lösbar.

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Während die jungen Leute sich darüber ärgern, nicht einbezogen worden zu sein, sagt der OB, er habe keine neuen Erwartungen wecken wollen. Für ihre Enttäuschung habe er zwar Verständnis, den Vorwurf der Untätigkeit aber weise er entschieden zurück.

Nach wie vor sei er überzeugt davon, dass ein Zentrum für junge Menschen "sinnvoll und wichtig" sei. Ob der Verein allerdings ein "verlässlicher und fairer Partner der Stadt Fürth sein kann" – das sei durch die jüngsten Vorwürfe fraglich geworden. Aber: "Keine Tür ist zu."


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Lippmann rechtfertigt das forsche Vorgehen seines Vereins: Man habe sich im Statement bewusst für einen aggressiveren Ton entschieden – weil man eben seit Jahren erlebe, dass das Engagement ins Leere laufe.

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