Keine Brötchen mehr im Fürther Bahnhofskeller

21.11.2018, 15:57 Uhr
Die Greller-Filiale in der Bahnhofsunterführung ist geschlossen.

Die Greller-Filiale in der Bahnhofsunterführung ist geschlossen. © Horst Linke

Wer aus dem Zug stolperte oder gerade auf dem Weg zum Bahnsteig war, der holte sich dort gerne noch ein Hörnchen, ein belegtes Brötchen oder einen Kaffee. Seit einigen Tagen ist Schluss damit – die Rollläden der kleinen Bäcker-Filiale im Untergeschoss des Bahnhofgebäudes werden so schnell nicht wieder hochgezogen. Die Firma Greller hat den Laden dichtgemacht – oder besser gesagt: Goldjunge.

2017 haben sich Grellers Backhaus und die Dorfbäckerei Karg unter dem Namen Goldjunge zusammengetan. Mit 39 Filialen entstand einer der größten Bäckereibetriebe im Großraum Nürnberg. Doch schon in seinem ersten Jahr geriet das Gemeinschaftsprojekt in finanzielle Schieflage, vor wenigen Wochen musste es Insolvenz anmelden.

Schließung war länger geplant

Seitdem versuchen die Verantwortlichen zusammen mit einem Insolvenzverwalter, das Unternehmen wieder auf die Beine zu bekommen. Der Geschäftsbetrieb läuft weiter – auch in den Filialen.

Das Aus im Bahnhof steht nach den Worten des Insolvenzverwalters Jochen Zaremba denn auch nicht in Zusammenhang mit der Insolvenz. "Die Schließung", sagt der Rechtsanwalt von der Kanzlei Schwartz, "war schon vorher geplant."

Warum das? Immerhin wird der Bahnhof täglich angeblich von über 12 000 Menschen frequentiert. Zaremba führt zum einen die "hygienischen Bedingungen" an, die nicht dem Standard von Goldjunge entsprochen hätten. Zum anderen habe man von Vermieterseite – der Deutschen Bahn – nie wirklich einen verlässlichen Ansprechpartner gehabt. Einmal habe es fünf Stunden gedauert, erzählt Zaremba, bis sich jemand um einen Stromausfall gekümmert habe. Man habe den Vertrag mit der Bahn deshalb gekündigt.

"Das geht besser"

Allerdings: Die Bahn ist inzwischen gar nicht mehr die Hausherrin. Wie ebenfalls berichtet, hat vor einigen Wochen die Firma MIP, in Händen der Fürther Unternehmerfamilie Streng, den Bahnhof erworben. Sie bekam den Zuschlag im Rahmen eines öffentlichen Bieterverfahrens und plant, das Gebäude in den kommenden Jahren mit viel Aufwand zu sanieren. Gekauft hat MIP damit auch das Areal direkt unter dem Gebäude – also die Passage zwischen dem U-Bahn-Verteilergeschoss und der Fläche unterhalb der S-Bahn-Gleise.

Er sei ein wenig verwundert gewesen, dort plötzlich einen Leerstand sehen zu müssen, räumt Neueigentümer Philipp Streng auf FN-Anfrage ein. "Wir wussten davon nichts." Im Kaufvertrag mit der Bahn sei ein gültiger Mietvertrag für die Bäckereifiliale gelistet, die Mietverträge gehen aber erst Ende des Monats von der Bahn auf MIP über. Streng will sich deshalb in den nächsten Tagen mit Jochen Zaremba treffen.

Egal, was dabei herauskommt, für den MIP-Geschäftsführer steht fest, dass dort unten wieder ein Bäcker einziehen soll. Den Leerstand will er nutzen, um die kleine Filiale auf Vordermann zu bringen. Die gesamte Passage sei in keinem schönen Zustand, sagt er. "Das geht besser." Vielleicht lasse sich im Zuge einer Modernisierung dort auch Platz für ein zweites, kleines Geschäft schaffen. Eine positive Nachricht also für die Pendler. Bis es jedoch soweit ist, wird wohl noch einige Zeit vergehen.

Und Goldjunge? "Wir prüfen gerade, welche Filialen sich lohnen und beibehalten werden können", sagt Jochen Zaremba. "Es kann sein, dass noch einige geschlossen werden."

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