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Keine Lösung für Burgfarrnbacher Hochwasser

Umstrittene Schutzmaßnahmen für den alten Ortskern — Politik soll es richten - 25.09.2016 16:00 Uhr

Auch um die Naturidylle des Farrnbachtals – hier mit der Weinmühle und St. Johannes im Hintergrund – fürchten die Kritiker der Baupläne des Wasserwirtschaftsamtes.

22.09.2016 © Foto: Athina Tsimplostefanaki


Wie es nun weitergehen soll, das ist selbst dem städtischen Umweltexperten und stellvertretenden Ordnungsamtsleiter Jürgen Tölk nicht klar. Er hofft darauf, dass die Politik es richten wird. Mit dem Dilemma – da ist einerseits der vorgeschriebene Schutz vor einem extremen Hochwasser, wie es rein rechnerisch alle 100 Jahre vorkommen kann, und da sind andererseits die Wünsche von Anwohnern, die vorrangig der zu geringe Wasserabfluss bei Starkregen nervt – soll sich nun der Bauausschuss auseinandersetzen.

Abgesehen vom enormen technischen Aufwand, den eine mit Drainagen, Messpegeln, Pumpwerk und Notstromaggregat versehene Ufer-Erhöhung erfordert, ist sie Anliegern auch aus ästhetischen Gründen ein Dorn im Auge. Sie würde das Landschaftsbild ihrer Ansicht nach gravierend beeinträchtigen. Zudem könnten veränderte Grundwasserströme zu neuen Problemen führen.

Die 1,50 Meter hohe Mauer oder der an seiner Sohle 17 Meter breite Damm helfen in ihren Augen auch nicht gegen die Überschwemmungen bei Starkregen im Bereich der Regelsbacher Straße. Dazu braucht es ihrer Meinung nach vorrangig ausreichend groß dimensionierte Abflusseinrichtungen.

Weil sich das Regenwasser bei Unwetter in den Mulden vor der Regelsbacher Brücke staut, müssen größere Gullys her und ein sogenannter Bypass in den Farrnbach. Dieser Abfluss kann in den Augen von Jürgen Tölk jedoch nur funktionieren, wenn er über Vorrichtungen verfügt, die einen Rückstau vom Gewässer verhindern. Der städtische Umweltplaner denkt dabei etwa an Pumpen, die das Hochwasser in den angeschwollenen Farrnbach drücken.

Viel geholfen wäre in den Augen Betroffener schon, wenn das Wasserwirtschaftsamt beim Gewässerunterhalt im Farrnbachtal etwas mehr hinlangen würde. Denn die wuchernde Ufervegetation und das Versanden der Bachsohle im Unterlauf verhindere einen besseren Wasserabfluss. Außerdem müssten künstliche Barrieren wie eine zu nah ans Gewässer gebaute Garage und eine Grundstücksmauer beseitigt werden.

Das von Naturschützern befürwortete Aufhalten von Überschwemmungen durch ausreichende Stauräume im Oberlauf hält Tölk für unrealistisch. Dazu wäre ein 180 Meter langer und vier Meter hoher Querdamm nötig, an den sich ein Rückstaubecken für 560 000 Kubikmeter Wasser anschließen müsste – ein gigantisches Reservoir. Zum Vergleich: Die Kanaltrogbrücke über das Fürther Rednitztal fasst 48 000 Kubikmeter. Die Flächen dazu müssten überdies erst noch erworben werden.

Dass wegen des Widerstands aus der Bevölkerung einfach vorerst keine Lösung realisiert wird, ist für Tölk keine Option. Nachdem die Problematik einschließlich der Gegenmaßnahmen untersucht wurden, seien die Behörden bei einer Naturkatastrophe in der sogenannten Amtshaftung und zur Vorsorge verpflichtet. Einer Lösung ist man bei der Bürgerinformation jedoch nicht näher gekommen

VOLKER DITTMAR

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