Montag, 27.01.2020

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Keine Ruhe um die Fürther Gustavstraße

Klagen über Verstöße gegen die Sperrzeit und zu viele Sitzplätze im Freien - 15.11.2011 09:58 Uhr

Jeder weitere Tisch im Freien bedeutet mehr Lärm, kritisieren Anwohner des Michaelsviertels (hier ein Blick in die schon herbstlich ruhige Gustavstraße). Die Stadt, so fordern sie, müsse daher kontrollieren, was sie genehmigt. © Johnston


„Wir haben einen Sommer lang Lärm ertragen, den wir so nicht hätten ertragen müssen“, resümierte ein Anwohner im Gespräch mit den FN, zu dem er sowie sechs weitere teils langjährige Bewohner des Gebiets um Gustavstraße, Waagplatz und Grüner Markt erschienen waren. Sie alle klagen über den Lärm vor ihren Häusern und Wohnungen, der mit jedem neuen Cafétisch im Freien und mit all den Rauchern vor den Kneipen unerträglicher werde.

Aus Angst vor Denunzierungen im Internet, wo schon über Demos gegen einzelne Anwohner diskutiert wurde, baten die Anwesenden darum, nicht namentlich genannt zu werden. Gegenwärtig stößt ihnen sauer auf, dass sie seit April Informationen über die Zahl der genehmigten Sitzplätze auf den Freischankflächen in der Altstadt haben wollten, die Stadt ihnen und ihrem Anwalt diese Auskünfte aber immer wieder verweigert hat.

Fürths Rechts- und Ordnungsreferent Christoph Maier erklärte auf Nachfrage, vor dem Hintergrund der aufgeheizten Stimmung in der Altstadt habe man „einer Hilfssheriffmentalität mit gegenseitigem Bespitzeln, Nachzählen und Observieren“ nicht Vorschub leisten wollen. Eine Beschwerde der Anwohner bei der Regierung von Mittelfranken brachte schließlich Bewegung in die Sache.

In einem Schreiben aus Ansbach hieß es Mitte September: Als Betroffene „können Sie grundsätzlich die Auskunft über die in Ihrer unmittelbaren Nachbarschaft zugelassene Anzahl der Sitzplätze eines Gaststättenbetriebes erhalten“. Maier räumt ein, die Aufsichtsbehörde habe die Dinge anders bewertet — und gab die gewünschten Daten heraus. In der Folge fühlen sich die Anwohner nun mehr denn je „verärgert, frustriert, enttäuscht“.

Es habe sich gezeigt, klagen sie, dass manche Lokale „zu viele Sitzplätze im Freien“ vorgehalten hätten. In einem besonders krassen Fall waren es mehr als doppelt so viele: 48 statt der zugelassenen 20. „Ein Missverständnis des Wirts“, meint Maier. Der Gastronom reagierte rasch und räumte die überzähligen Tische und Stühle weg. In anderen Fällen hingegen hat sich nach Darstellung der Anwohner bis zuletzt nichts getan.



Die Beschwerdeführer fordern die Stadt auf, in Zukunft zu kontrollieren, was sie genehmigt hat. Maier entgegnet, mehr als die üblichen stichprobenartigen und anlassbezogenen Kontrollen sei schon rein personell nicht machbar. Ihrer Forderung wollen die Anwohner am morgigen Mittwoch Nachdruck verleihen. Im Ordnungsamt treffen sich Vertreter der Konfliktparteien sowie der Stadt erneut an einem runden Tisch, um zu erörtern, ob sich der Kompromiss vom Mai bewährt hat oder nicht.

Für die Männer und Frauen, die zum FN-Gespräch erschienen sind, indes steht fest: „Der Kompromiss ist gescheitert.“ Wie berichtet, hat der Stadtrat damals Neuregelungen zu den Festivitäten in der Altstadt und den abendlichen Sperrzeiten auf den Freischankflächen abgesegnet, auf die sich Wirte und Anwohner verständigt hatten. Der Ausschank im Freien endet demnach montags bis donnerstags prinzipiell um 23 Uhr (vorher: 23.30 Uhr von Mitte Mai bis Mitte September). Freitags und samstags darf nur noch zwei statt vier Monate lang (Mitte Juni bis Mitte August) bis 24 Uhr draußen ausgeschenkt werden.

In einem selbst erstellten „Lärmkalender“ der Anwohner wimmelt es nur so von Notizen über Verstöße gegen die Sperrzeit. Vermerkt habe man nur die „heftigsten Fälle“ in der Zeit nach dem Kompromiss, versichern die Betroffenen. „Wenn um 23 Uhr Schluss sein muss“, stellt Referent Maier diesbezüglich klar, „dann muss um 23 Uhr der letzte Stuhl hochgestellt werden.“ Wegen Sperrzeitverstößen sind aktuell rund 20 Bußgeldverfahren bei der Stadt anhängig.
 

VON BIRGIT HEIDINGSFELDER

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