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Klamme Partnerstadt: Fürth verliert das Lim-Haus

Die Einrichtung in der Gustavstraße soll Ende des Jahres geschlossen werden — OB will aber den Austausch stärken - 15.05.2016 10:00 Uhr

Hier war Platz für Sprachkurse, Begegnungen oder auch das Backatelier mit der Konditorin Sophie Pola: Im Lim-Haus war Frankreich nah. © Archivfoto: Hans Winckler


Die Stadt Limoges sieht sich nicht mehr in der Lage, ihren Teil der Finanzierung zu stemmen. Er habe davon im April erfahren, als er in der Partnerstadt zu Gast war, sagte Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung im Gespräch mit den FN. Sein Bürgermeisterkollege Emile-Roger Lombertie habe ihm berichtet, dass die Finanzkrise nun auch in der französischen Provinz angekommen sei und die Sparzwänge es nicht mehr zulassen, die Einrichtung in Fürth weiter mitzutragen.

Das Lim-Haus, das 2003 in der Gustavstraße als eine Art „kleine französische Botschaft in Franken“ eröffnet worden war, wurde von Beginn an von vier Partnern gemeinsam finanziert: Die Stadt Fürth, der Bezirk Mittelfranken, die Partnerstadt Limoges und die Partnerregion Limousin steuerten jährlich je 35 000 Euro bei.

Ohnehin, so Jung, sei ungewiss gewesen, was aus dem Beitrag des Départements Limousin geworden wäre – denn die Region gibt es seit Januar 2016 nicht mehr. Durch eine Gebietsreform hat Frankreich zum Jahresanfang die Zahl der Regionen reduziert, entstanden sind größere Einheiten. Das Limousin gehört nun zur Region Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes.

Für die Entscheidung der Partnerstadt hat Jung nach eigenen Worten Verständnis. Die Arbeitslosigkeit im Land ist auf einem Rekordstand, das Wirtschaftswachstun schwach. Ständig sehe man doch die Bilder von Demonstrationen im Fernsehen.

„In so einer Situation muss man alles auf den Prüfstand stellen“, sagt der OB, der dabei auch ans Jahr 2009 denken muss, als Fürth Sparpakete schnüren musste und man im Rathaus über die Schließung der kunstgalerie nachdachte.

Es sei schwierig, an einer Einrichtung festzuhalten, die „nicht lebensnotwendig ist“, wenn man darüber nachdenken muss, Sozialausgaben zu kürzen, erklärt Jung. Und betont: „Wir sind nicht sauer auf die Franzosen.“ Zumal es sehr ungewöhnlich sei, im Ausland eine Begegnungsstätte mitzufinanzieren. Als eine „in ganz Europa einzigartige Einrichtung“ hat die Stadt das Lim-Haus bisher auch auf ihrer Internetseite angepriesen.

Zweifellos sei es traurig, dass dieses Haus keine Zukunft habe, bekennt der Rathauschef. Aber das werde die Bedeutung der Partnerstadt keineswegs schmälern, „die Freundschaft bleibt unbeschädigt“. Auch mit den Partnerstädten in Griechenland, der Türkei und Schottland hat man schließlich keine gemeinsame Anlaufstelle.

Im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung am Mittwoch hat der Stadtrat beschlossen, das Lim-Haus Ende des Jahres zu schließen. „Ein Limoges-Haus, das nur so heißt, ohne dass die Stadt einen Beitrag leistet, ist nicht vorstellbar“, findet Jung. Der Stadtrat hat sich aber auch Gedanken darüber gemacht, wie ein Teil des Angebots am Leben erhalten werden kann.

Man will versuchen, die kulturellen Aktivitäten der Einrichtung und Sprachkurse unter dem Dach der Volkshochschule fortzuführen, kündigt Jung an. Auch die „beliebten Spezialitäten“ aus dem Limousin sollen nicht aus Fürth verschwinden.

Geld für die Jugend

Sie sollen künftig im Fürth-Shop am Kohlenmarkt verkauft werden. Das Geld, das sich die Stadt für Miete und Personal spart, soll „dem Jugendaustausch mit unseren Partnerstädten zugutekommen“. Der Etat müsse dringend aufgestockt werden, meint Jung. Durch die Krise fehle beispielsweise Jugendlichen in Griechenland das Geld, am Austauschprogramm teilzunehmen. Ein funktionierender Schüleraustausch aber sei am Ende wichtiger als das Lim-Haus. Und französische Lebensart werden viele Menschen weiterhin am Limousin-Stand an der Michaeliskirchweih kennenlernen können, tröstet sich der OB.

Eine Schließung des Lim-Hauses hatte bereits 2013 der Zirndorfer CSU-Bezirksrat Michael Maderer ins Gespräch gebracht – aber aus anderem Grund: Er übte scharfe Kritik am Angebot; abends herrsche dort so viel Leben wie auf dem Zirndorfer Waldfriedhof, obwohl sich das Haus in der Gustavstraße befindet. Zeitgleich bekam das Lim eine neue Chefin, Ariane Wimmer, die mit neuen Ideen die Arbeit aufnahm. 

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