Kleine Wilhelm-Löhe-Hochschule braucht Platz in der Nähe

20.2.2015, 21:00 Uhr

© Foto: Mark Johnston

Hochschul-Kanzlerin Sabine König hält weiterhin den umstrittenen Anbau an der Schickedanzvilla wegen kurzer Wege für geboten. Von derzeit 235 Studenten und sechs Professoren soll die Hochschule im Zuge der laufenden Anerkennung als Universität auf 550 Studenten und 18 Professoren wachsen. Das sei, so König, eine angemessene Größe für eine Uni. Anfangs war als Ziel allerdings wiederholt von 250 Studenten die Rede gewesen.

König verspricht, weitere Anbauten als die jetzt geplanten beiden Würfel mit verglastem Verbindungstrakt seien nicht geplant. Sie würden nach den Worten von Baureferent Joachim Krauße auch nicht genehmigt werden. Der neue Treppenturm wurde laut König schon im Hinblick auf den Erweiterungsbau konzipiert. Die Parkplatzproblematik müsse mit der Stadt noch diskutiert werden. König: „Wir werden sicher eine Lösung finden, die nicht zu Lasten der Anwohner geht.“

2009 hatte der Stadtrat gegen drei Stimmen nicht nur beschlossen, die Schickedanzvilla der Diakonie Neuendettelsau für eine Privathochschule zu überlassen, sondern auch eine finanzielle Beteiligung in Höhe von 1,2 Millionen Euro an der Sanierung abgesegnet und „unter Umständen in Abhängigkeit von der Bedarfssituation Ergänzungsbauten im direkten Umfeld“ akzeptiert. Den von der obersten Baubehörde dabei geforderten Architekturwettbewerb sieht Krauße durch die mehrfache Behandlung von sechs bis acht Planvarianten im Baukunstbeirat als erfüllt.

Oberbürgermeister Thomas Jung hat Sorge, dass die für das Image der Wissenschaftsstadt wichtige Hochschule abgeworben werden könnte, wenn ihr in Fürth Steine in den Weg gelegt werden. Er beruft sich auf ein Schreiben des früheren Kanzlers der Uni Erlangen, Thomas Schöck, wonach sich derzeit 50 deutsche Kommunen um Hochschuleinrichtungen bewerben. Nicht alle, wie es in den FN geheißen hatte, aber sicherlich einige seien auch an der Löhe-Hochschule interessiert, meint der OB. Schöck ist auch Befürchtungen von Anwohnern entgegengetreten, dass der Südstadtpark zunehmend von Studenten in Beschlag genommen wird. Er verwies auf den Erlanger Schlossgarten, der trotz rund 30 000 Studenten nicht überlaufen sei. Heftigen Widerstand gegen Neubauten im Südstadtpark leistet der Bund Naturschutz (BN). Er befürchtet, dass es nicht bei einer Erweiterung bleiben wird, warnt vor einem „Präzedenzfall“ und fordert Bürgerbeteiligung. Jung gibt zu bedenken, dass sich die Stadtverwaltung um alle öffentlichen Belange kümmern müssen also auch um Bildung und Wissenschaft, der BN dagegen nur um die Natur.

Wie berichtet, ist das Gelände mit Öl und Chemikalien aus der Zeit der Nutzung durch die US-Armee belastet. Die Schadstofffahne zieht sich bis zum 3530 Quadratmeter großen Hochschulquartier in der ehemaligen Schickedanzvilla im Park. Noch immer wird Grundwasser in Anlagen auf dem Heizkraftwerk-Gelände gereinigt. Sechs von 40 Grundwassermessstellen befinden sich auf dem 2666 Quadratmeter großen Alternativgrundstück. Für den geplanten Anbau an die Schickedanzvilla werden rund 700 Quadratmeter benötigt.

Selbst wenn das 120 Meter von der Schickedanzvilla entfernte Areal am Parkrand mit Rücksicht auf die Messstellen nicht vollständig bebaut werden kann, bietet es dafür noch reichlich Platz. Es wird zudem von einem 1708 Quadratmeter großen Parkplatz flankiert, auf dem derzeit 64 Stellplätze ausgewiesen sind.

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