Klinikum schließt Stationen

27.11.2020, 19:01 Uhr
Auf der Corona-Intensivstation am Klinikum liegen momentan fünf Patienten. Die Mitarbeiter tragen Schutzkleidung, um sich nicht anzustecken.

Auf der Corona-Intensivstation am Klinikum liegen momentan fünf Patienten. Die Mitarbeiter tragen Schutzkleidung, um sich nicht anzustecken. © Hans-Joachim Winckler

Die Lage ist ernst: 54 Mitarbeiter des Klinikums fallen zurzeit aus – 38 von ihnen sind mit Corona infiziert, 16 als Kontaktpersonen in Quarantäne. "Generell muss man sagen, dass die personelle Situation in allen Kliniken im Großraum extrem angespannt ist", sagt Dr. Manfred Wagner, Krisenstabsleiter und Pandemiebeauftragter am Klinikum. Eine Überraschung seien die coronabedingten Ausfälle beim Personal nicht, so Wagner, kompensierbar seien sie trotzdem nicht so leicht.

Der Regelbetrieb wurde inzwischen reduziert, verschiebbare Operationen wurden also verlegt. Vier Stationen – eine chirurgische, zwei internistische und die Augenstation – sind mittlerweile geschlossen, um die Mitarbeiter bei der Behandlung von Covid-19-Patienten einsetzen zu können. Ein Bereich wurde dabei komplett stillgelegt, die drei anderen wurden für Corona-Fälle reserviert. 54 Betten für Infizierte gibt es damit auf der sogenannten Normalstation, Stand Freitag lagen hier 35 Menschen. Fünf weitere mussten intensivmedizinisch versorgt werden.

Das Problem: Die Betreuung von Corona-Fällen erfordert mehr Personal: "Wir brauchen auf der Normalstation doppelt so viele Pflegekräfte zur Versorgung von einem Covid-Patienten wie sonst", erklärt Wagner.

Da fällt es besonders ins Gewicht, wenn Angestellte fehlen. Wo sie sich mit dem Virus infiziert haben, bleibe unklar. Allerdings, sagt Wagner und verweist auf einschlägige Studien, stammten Infektionen in Krankenhäusern nur ganz selten von der Arbeit. Denn das Personal trägt FFP2-Masken und Schutzbrillen – und ist damit vor Erregern gut geschützt. Um zu verhindern, dass Dritte das Virus ins Haus bringen, wurde der Besucherstopp nun bis zum 18. Dezember verlängert. Ausnahmen gelten weiterhin für die Kinderklinik sowie für die Intensiv- und Palliativstation.

Wagner steht im regelmäßigen Kontakt mit anderen Krankenhäusern in der Region, Nürnberg sei zum Beispiel etwas mehr betroffen als Fürth – zum ersten Mal während der beiden Wellen sei im Großraum nicht die Klinik in der Kleeblattstadt am stärksten gefordert.

Deshalb bezeichnet er die Lage als "kontrolliert", schiebt aber hinterher, dass sich das schnell ändern könne. Vor einer Woche kamen vier Neuzugänge gleichzeitig an. Zwei Covid-Patienten wurden dann von der Intensivstation in die Uniklinik nach Erlangen gebracht, "sonst wären wir nicht gut übers Wochenende gekommen". Auch das ist Teil des Austausches zwischen den Häusern: Kranke verlegen, wenn die Kapazitäten erschöpft sind. In dieser Woche nahm wiederum das Fürther Klinikum Patienten anderer Häuser auf, die diese nicht mehr versorgen konnten.

Aktuell kann man an der Jakob-Henle-Straße kurz durchatmen: Auf der Intensivstation seien auch noch Kapazitäten frei, sie bietet Platz für bis zu zehn Corona-Notfälle. Falls die Patientenzahl doch wieder steigt, gibt es bereits Pläne für eine weitere Covid-Station. "Das würde uns aber an die Belastungsgrenze bringen", sagt Wagner.