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Kofferfabrik: Darum schiebt der OB keine Panik

Jung sieht Stadt in der Verantwortung - und nimmt die Eigentümerfamilie in Schutz - 04.03.2021 06:00 Uhr

Es kann nur aufwärts gehen - oder doch nicht? Stadt, Kofferfabrik-Chef und Eigentümer stehen vor schwierigen Verhandlungen über die Zukunft des Kulturzentrums in der Langen Straße. Unser Foto zeigt die Treppe zum Musikclub.

03.03.2021 © Hans-Joachim Winckler


In der aktuellen Diskussion über die Zukunft der Kofferfabrik hat sich OB Thomas Jung am Mittwoch im FN-Gespräch gegen eine pauschale Verurteilung der Eigentümerfamilie verwahrt. Zugleich sieht er die Stadt in der Verantwortung: "Wir werden uns mehr einbringen müssen."

Die Turbulenzen um das Kulturzentrum, ausgelöst durch die Kündigung des Mietvertrags und ihrer nicht weniger überraschenden Zurücknahme, hätten allen klarer denn je bewusst gemacht, dass die Kofferfabrik "keine Selbstverständlichkeit ist".

Zum 30. September hatte – mit einem Schreiben von vergangener Woche – die Lauer Immobilien-Service GmbH das Mietverhältnis mit der "Koffer" gekündigt, den Beschluss jedoch am Dienstagabend zurückgenommen; es habe sich, so Lauer-Geschäftsführer Fredrik Holmberg, um eine bedauerliche Verwechslung gehandelt.


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Die Scharaden des Eigentümers haben vor allem in den sozialen Netzwerken und unter "Koffer"-Fans für Enttäuschung, Entrüstung, aber auch für ungläubige Belustigung gesorgt – was wiederum dem Fürther Rathauschef missfällt.

"Andere machen 25 Jahre Leerstand"

"Einen Eigentümer, der 25 Jahre lang Kultur möglich machte, sollte man nicht beschimpfen. Andere Immobilienbesitzer machen 25 Jahre Leerstand". Nach einer so langen Zeit der kulturellen Zwischennutzung nütze es nun wenig, Lauer zu "verdammen".

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Holmbergs Aussage gegenüber den FN, das gesamte Koffer-Gelände in etwa vier Jahren zu einer seniorengerechten Wohnanlage umzuwandeln – O-Ton Holmberg: "Es ist derzeit nur eine Idee, mehr nicht" –, bringt Jung nicht aus der Ruhe: "Sich Gedanken zu machen über das Grundstück, das einem gehört, ist legitim."

Bei den Gesprächen mit Lauer, die in der kommenden Woche beginnen, wird es dem OB zufolge um die Frage gehen, wer in welchem Umfang Geld in die Hand nimmt, um den zunehmenden Verfall der Koffer-Bausubstanz zu stoppen – Lauer, die Stadt oder beide. "Ein Eigentümer, der wenig Rendite hat, hat in aller Regel wenig Bereitschaft zu Investitionen", so Jung.

Wer hält den Laden instand?

Heißt: Dringend notwendige Instandhaltungsmaßnahmen an dem 140 Jahre alten Backsteinbau dürften höchstwahrscheinlich auf die Kommune zukommen, will sie nicht eine Mieterhöhung für die Kofferfabrik in Kauf nehmen. Zudem ist im Mietvertrag vermerkt, dass der Eigentümer in keiner Weise für die Instandhaltung des Hauses aufkommt.

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Was es Jung zufolge auf keinen Fall geben werde, sei eine gründliche Sanierung; denn die dürfte nicht nur Unsummen verschlingen, sondern würde auch "den Charme der Kofferfabrik zerstören". Wichtig sei, "dass wir überhaupt den Betrieb aufrecht erhalten können. Es wird darum gehen, wie wir ein Gebäude wie die Kofferfabrik betretbar halten."

Keine Alternative gebe es zu einem Konsens mit der Eigentümerfamilie. Hoffnung auf eine schnelle Entscheidung macht der OB nicht. "Wir werden in zwei Wochen keine Lösung haben." Auch bleibt Jung bei seiner Devise, die er bereits am Wochenende äußerte: "Keine Panik!"

Gibt es einen alternativen Standort?

Unterdessen hat nun auch die CSU im Stadtrat ihren Antrag zur heutigen Sitzung des Kulturausschusses eingereicht. Darin heißt es, die Stadt solle nach einem "alternativen Standort" Ausschau halten. "Man sollte", so Jung, "in der Tat die Augen offen halten."

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