Neue Kehrtwende

Kommando zurück: Das Fürther Badeverbot bleibt

19.6.2021, 14:00 Uhr
Dagegen spricht nichts: Die Füße darf man jederzeit ins kühle Nass der Rednitz tauchen – das Baden aber untersagt die Stadt Fürth auch weiterhin.

Dagegen spricht nichts: Die Füße darf man jederzeit ins kühle Nass der Rednitz tauchen – das Baden aber untersagt die Stadt Fürth auch weiterhin. © Hans-Joachim Winckler, NN

Es war im März, als sich manche etwas verwundert die Augen rieben. Obwohl man die Hoffnung längst aufgegeben hatte, sendete die Stadtverwaltung plötzlich das Signal aus: Es bestehe berechtigte Aussicht auf die Abschaffung des Badeverbots – zumindest in jenem Abschnitt der Rednitz, an dem sich einst das Flussbad befand, also auf Höhe der heutigen Uferpromenade.

Zwischen den beiden Treppenanlagen, die in den Fluss führen, wolle man die Vorschrift kippen, hieß es, vorausgesetzt, das Gesundheitsamt stimme zu. Es wurde bereits über den Text von Schildern debattiert, die verkünden: Man rate zwar vom Baden im Fluss ab, verboten aber sei das nun hier nicht mehr – anders etwa als in der Pegnitz und der Regnitz, die stärker verunreinigt sind.

Grund für die damalige Kehrtwende: Bei der letzten Messung der Keimbelastung im Jahr 2019 waren die Werte der Rednitz erstmals unter den strengen Grenzwerten für bayerische Badegewässer geblieben. 2020 nun habe eine Untersuchung flussaufwärts, in Nürnberg, ebenfalls ermutigende Ergebnisse erbracht. Man gehe deshalb davon aus, dass sich die Wasserqualität verbessert hat.

Man wollte daraufhin der Absurdität ein Ende bereiten, dass zwar ein ausdrückliches Badeverbot besteht, sich an heißen Tagen wie derzeit aber kaum jemand darum zu scheren scheint – sei es, weil man keine Kenntnis von der Vorschrift hat, oder aber, weil es den Menschen einfach egal ist.

Konsequenzen hatte ohnehin niemand zu befürchten, denn die Stadt drückte – trotz Verbots – beide Augen zu: "Wenn ich auf dem Heimweg da entlanggeradelt bin, habe ich schon gar nicht mehr gewusst, wo ich hinschauen soll", gestand der zuständige Ordnungsamtschef Jürgen Tölk im Gespräch mit den FN Mitte März.

Werte "sehr ernüchternd"

Jetzt, drei Monate später, ist seine Zuversicht verflogen – und das liegt an einer weiteren Messung von Ende Mai. Die Ergebnisse seien nicht, wie allgemein erhofft, vielversprechend, sondern ganz im Gegenteil "sehr ernüchternd" ausgefallen. Die Werte für Fäkalbakterien, um die es geht, wurden deutlich überschritten.

So deutlich, dass die Behörde beim besten Willen, den Tölk energisch betont, keine Badefreigabe habe befürworten können – trotz allen mehr oder minder sanften Drucks aus Kommunalpolitik und Rathaus, wo man den Fürtherinnen und Fürthern nur zu gern die frohe Botschaft verkündet hätte.

Daraus wird nichts, und auch der Oberbürgermeister macht auf FN-Nachfrage kein Hehl aus seiner Verwunderung ("Ich musste es mir zweimal erklären lassen") und aus seiner Enttäuschung. Er könne "jede Verärgerung" über den neuerlichen Dämpfer nachvollziehen, sagt Thomas Jung. Doch er werbe auch um Verständnis für die Haltung seiner Beamten, die wegen der Vorschriften und wegen haftungsrechtlicher Fragen gar nicht anders könnten.

Er verspreche aber, am Ball zu bleiben – und weiß dabei Jürgen Tölk an seiner Seite. Man habe weiter die feste Absicht, das Baden auf eigene Gefahr zu ermöglichen, versichert der Leiter des Ordnungsamts.


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Den Sommer über werde man nun weitere Untersuchungen der Wasserqualität veranlassen – und die Daumen drücken, dass sie erfreulicher ausfallen. Vielleicht, so Tölk, sei die Mai-Messung ja "aufgrund eines größeren Niederschlagsereignisses", das viel Schmutz in die Flüsse gespült habe, so drastisch ausgefallen

Weiterhin, und das hebt auch der OB hervor, werde man Verstöße gegen das Badeverbot in Fürth nicht sanktionieren. Dennoch hat Tölk die dringende Bitte, wenigstens das bei Jugendlichen beliebte Springen von den Brücken bleiben zu lassen. Niemand könne doch wissen, was sich in der trüben Brühe befindet.

Weil die Stadt im Zweifelsfall für Unfälle hafte, werde man nun Schilder aufstellen, die vor allem auf die Gefahren und auf das Sprungverbot hinweisen sollen.

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