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Freitag, 24.01.2020

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Kommentar: Ruf der Fürther Altstadt in Gefahr

Die Kommune muss mäßigend auf die Streitparteien einwirken - 04.08.2012 10:00 Uhr

Heißes Pflaster Gustavstraße: Im Konflikt zwischen jenen Anwohnern, die der Lärm stört, Gastronomen und Kommune ist kein Ende in Sicht. © Andre De Geare


Damit hat die Kommune einen nachvollziehbaren Standpunkt bezogen, denn tatsächlich sind die Grenzen des Machbaren und des Hinnehmbaren erreicht. Was nun noch an Belastung bleibt, muss aushalten, wer sich an dieser exponierten Stelle niedergelassen hat.

So weit, so gut — und doch wieder nicht. Denn in anderer Hinsicht ist die Stadt weiter in der Pflicht. Punkt 1: Sie muss von sich aus belastbare Erhebungen darüber liefern, was sich in den späten Abendstunden in der Gustavstraße tatsächlich abspielt. Wird gegen die vereinbarte Schließung der Freischankflächen tatsächlich regelmäßig krass verstoßen, wie es einige Anwohner behaupten, oder wird der Zapfenstreich in aller Regel akkurat eingehalten, wie die empörten Wirte ihnen entgegenhalten?

Beurteilen kann das nur, wer selbst hinschaut — und das hat die Kommune bisher versäumt. Holt sie es nach, kann sie sich eine objektive Einschätzung erlauben, statt immer nur auf denkbar widersprüchliche Aussagen angewiesen zu sein und sich dadurch zwischen allen Fronten angreifbar zu machen.

Punkt 2: Es geht nicht an, dass sich die Stadt und insbesondere ihr OB vornehm zurückhält, wenn die Lage dermaßen eskaliert wie jüngst. Da werden T-Shirts feilgeboten, die mit ihrer Schmähung des Kontrahenten die Grenze des guten Geschmacks weit hinter sich lassen, da sollen genervte Anwohner ihrerseits sogar handgreiflich geworden sein — was kommt als Nächstes? Man mag es sich nicht ausmalen.

Natürlich: Für solche Auswüchse sind rein formal Polizei und Justiz zuständig, doch zumindest eine moralische Verantwortung sollte auch die Stadtspitze verspüren. An ihr ist es, nun mäßigend auf beide Parteien einzuwirken und sie zur Vernunft zu bringen.

Es geht längst nicht mehr nur um die unmittelbar Betroffenen, für die dieser Kleinkrieg — dafür braucht man nicht viel Fantasie — zur unerträglichen Nervenbelastung werden muss; auf dem Spiel steht inzwischen auch der gute Ruf der Fürther Altstadt.

 

WOLFGANG HÄNDEL

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