Sonntag, 19.01.2020

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Kompromiss im Zank um die Gustavstraße

Anwohner und Gastwirte einigten sich auf Regelungen zur Sperrzeit: Abstriche bei den Sommerabenden - 17.05.2011 22:00 Uhr

Beim Stadtfest — hier ein Blick in die Gustavstraße — wird nach dem jüngsten Kompromissvorschlag „eine Reduzierung der Lautstärke angestrebt“. © Hans-Joachim Winckler


Vor wenigen Tagen fanden sich eine Abordnung lärmgeplagter Anwohner, die im Kneipenviertel um die Gustavstraße auf mehr Ruhe pochen, und eine Abordnung dortiger Gastwirte im Beisein von Vertretern der Stadt zu einer Art Friedensgespräch am runden Tisch ein. Nach Darstellung von Ordnungsreferent Christoph Maier verständigten sich die Kontrahenten zunächst auf eine „Wohlverhaltensklausel“. Derzufolge seien Beleidigungen und Verunglimpfungen der jeweils anderen Seite auch in der Öffentlichkeit künftig zu unterlassen. Laut Maier nickten alle Anwesenden und gaben damit ihr Einverständnis zu Protokoll.

Es war der Auftakt zu einer vierstündigen Marathonsitzung mit einer „lebhaften und interessenbetonten Diskussion“, bei der es „keine Trommelfellbeschädigungen und keine blauen Augen“ gab. Inhaltlich erklärten sich alle Beteiligten mit folgender Regelung einverstanden: Der Ausschank im Freien endet montags bis donnerstags das ganze Jahr über um 23 Uhr. Die jetzige großzügigere Regelung, wonach von 15. Mai bis 15. September erst um 23.30 Uhr Schluss sein muss, wäre damit passé. An Freitagen und Samstagen darf im Sommer, ähnlich wie jetzt, bis 24 Uhr draußen ausgeschenkt werden. Aber: Das gilt künftig noch für zwei Monate, nämlich von 15. Juni bis 15. August, und nicht mehr für vier Monate (15. Mai bis 15. September).

Ein Vorschlag der Verwaltung, der dem Stadtrat im April zur Entscheidung vorlag, war noch strenger ausgefallen: Er sah auf Freischankflächen generell den Zapfenstreich um 23 Uhr vor. Speziell beim Grafflmarkt sollte die Bewirtung von Gästen im Freien um Mitternacht enden. Der Stadtrat vertagte seine Entscheidung nicht zuletzt deshalb, weil die Wirte der Gustavstraße, die um das Flair eines lebendigen Altstadtviertels bangten, reichlich verärgert auf diese Pläne reagierten. Wie berichtet, starteten sie eine Unterschriftenaktion (Motto: Der Grafflmarkt ist in Gefahr) und wandten sich in einem offenen Brief an den Stadtrat gegen die teilweise Verkürzung der Sperrzeit. Einige Wirte kündigten an, ihre Kneipen beim Grafflmarkt im Mai eventuell gleich ganz geschlossen zu lassen.

Nun scheint der Groll verflogen. Bernd Hausner, Wirt der Bar, empfindet den Kompromiss als „faire Sache“, auch wenn dieser vorsieht, dass er und seine Kollegen die Verantwortung für die Raucher vor ihrer Tür tragen und dass die Wirte „aktiv und offensiv“ gegen damit einhergehende Lärmbelästigungen vorgehen. Auf FN-Anfrage zeigte sich Hausner erleichtert: „Gott sei Dank sind wir wieder gut mit unseren Nachbarn“, sagte er. Am 25. Mai entscheidet der Stadtrat. Wird die Sperrzeitverordnung so beschlossen wie besprochen, dann bedeutet das auch, dass sie bis Jahresende erprobt und im Herbst abschließend bewertet wird.

 

Birgit Heidingsfelder

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