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Kreativ in der Krise: Was macht Ewald Arenz?

Corona und die Folgen: Fürther Künstler und Kreative berichten von ihrem neuen Alltag - 10.04.2020 17:30 Uhr

Zuhause in seinem Garten genießt der Schriftsteller Ewald Arenz die Stille. Was er vermisst, sind die persönlichen Gespräche etwa mit Verlegern und Lektoren. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Wenigstens in diesem Punkt bleibt für den Autor ("Herr Müller, die verrückte Katze und Gott", "Alte Sorten") im Moment alles wie gehabt. Neu ist dagegen sein Einsatz an ungewohnter Stelle. Der 54-Jährige, der als Lehrer am Nürnberger Johannes-Scharrer-Gymnasium unterrichtet, sitzt jetzt regelmäßig im Gesundheitsamt und telefoniert. Seine Aufgabe ist es, Kontaktpersonen von Covid-19-Patienten zu informieren. Menschen, die möglicherweise noch gar nicht ahnen, dass zum Beispiel einer ihrer Gesprächspartner erkrankt ist.


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Bis zu zehn Stunden hintereinander hat Arenz auf diese Weise schon viele Tage mit dem Telefonhörer in der Hand verbracht. Ein Job, der sich anschließend nicht einfach abschütteln lässt: "Man bekommt so viel mit, von Vorerkrankungen, zum Beispiel . . . Das geht einem natürlich sehr nah." Nach einem solchen Arbeitstag ist "die Stimme weg" und er weiß: "Ein Call Center werde ich garantiert nie aufmachen."

Mit seinen Schülerinnen und Schülern ist er ebenfalls in Kontakt. "Ich habe vor allem Abi-Kurse, da ist die Betreuung nicht mehr so engmaschig." Freilich läuft die Vorbereitung auf die Prüfungen, Aufgaben werden dafür per Mail gesandt und korrigiert. "Aber man merkt, dass ihnen die direkte Ansprache fehlt, auch ein Gespräch über Skype oder Facetime ist kein wirklicher Ersatz."

Vor wenigen Tagen ist beim Cadolzburger Verlag ars vivendi ein neuer Erzählband ("Eine Urlaubsliebe") von Ewald Arenz herausgekommen. Die übliche Vorstellung, die Lesungen – das alles fällt flach. Der Schriftsteller nimmt das Unvermeidliche mit Gleichmut und geht online. "Meine Tochter ist für mich die Social Media Expertin." Bei Facebook und Instagram gibt es Nachrichten von ihm und er hat auch schon eine kurze Live-Lesung gemacht. "Eigenartiges Gefühl, dabei überhaupt kein Publikum zu sehen und keine Reaktionen mitzubekommen." Weitere solcher Vorlesungen sollen folgen.

Das neue Buch, an dem er derzeit arbeitet, trägt den Arbeitstitel "Sommerroman" und wird eine Coming-of-Age-Geschichte sein. "Es geht um diesen einen Sommer, in dem du als Jugendlicher merkst, dass sich ganz viel für dich verändert hat und deine Kindheit vorbei ist." Verblüffend genug, doch sein neues Werk hat eine ungeplante Berührung zur Virus-Pandemie: "Mein Großvater wird im Buch vorkommen, der war Virologe und hat im Klinikum Nürnburg das entsprechende Institut geleitet. Ein kleiner Teil des Buches handelt davon und damit bin ich gerade von der Realität überholt worden. . ."

Feste Rituale kommen mir jetzt zugute

Zum Schreiben nutzt er generell freie Tage. "Jetzt, wo alles heruntergefahren ist, kommen mir feste Rituale zugute", sagt Arenz. Das sieht im Detail so aus, dass er pünktlich um sieben Uhr frühstückt und ab acht am Schreibtisch loslegt. Was er in der aktuellen Krise unter anderem vermisst, sind die Besprechungen mit Verlag und Lektorin. "Wir telefonieren zwar lange, aber das persönliche Gespräch ist eben doch etwas ganz anderes."

Ungewöhnlich laufen auch die Vorbereitungstreffen für ein neues Musical ab, dessen Uraufführung im Stadttheater Fürth im Herbst auf dem Spielplan steht. Ewald Arenz steuert wieder die Geschichte bei und Thilo Wolf die Musik, ein Team, dass unter anderem für die Musicals "Der Tunnel" oder "Bahn frei!" verantwortlich zeichnete. "Wir machen im Moment nur Videokonferenzen, an denen dann auch die Dramaturgin Katja Kendler und der Choreograf Gaines Hall teilnehmen", erklärt der Autor. "The famous Door on Swing Street" heißt das neue Werk. Ein Titel, der kein Geheimnis daraus macht, welcher Sound wohl erklingen wird. "Thilo Wolf schickt mir jetzt Musikentwürfe zu, die er am Klavier eingespielt hat. Dazu singt er mir vor und ich arbeite dann an den Texten weiter, was ich ihm dann wiederum zusende. . ." Nicht der einfachste Weg, aber es funktioniert. Schwierig gestaltet sich dagegen die weitere Auswahl der Künstler, die auf der Bühne stehen sollen. "Richtige Auditions fallen ja gerade komplett weg."

Damit der physische Kontakt vermieden wird, hat Ewald Arenz aktuell auch ein Mini-Tonstudio in seiner Wohnung eingerichtet. Von dort spricht er die Moderation zu seiner Sendung "Feiertags-Feuilleton" im Bayerischen Rundfunk für Karfreitag und Ostern ein. "Es ist technisch kompliziert", sagt er. "Aber es wird gehen." Wie so vieles in diesen Tagen.

Sabine Rempe

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