Kreativ mit Kindern: Der "Kulturbeutel" ist erfunden

26.6.2020, 11:00 Uhr
Schülerinnen und Schüler der 1g der Grundschule Soldnerschule haben als erste Klasse in Fürth das neue Angebot zum Basteln, Entdecken und Erforschen genutzt.

Schülerinnen und Schüler der 1g der Grundschule Soldnerschule haben als erste Klasse in Fürth das neue Angebot zum Basteln, Entdecken und Erforschen genutzt. © Hans-Joachim Winckler

Kunterbunte Kugelfische, leuchtende Seesterne, Glassteine und echte Schneckenhäuser: Stolz präsentieren die Mädchen und Jungen der 1g der Grundschule Soldnerstraße die knallblauen Guckkästen, die sie in ihrem Schulhof ausgestellt haben. Die kleinen Aquarien haben sie in den vergangenen Wochen im Unterricht gefertigt. 

Die Schülerinnen und Schüler der Ganztagsklasse sind die ersten in Fürth, die den sogenannten Kulturbeutel als kontaktloses Kunst-Angebot ausprobiert haben. „Seit Mitte März konnten wir ja keine Workshops mehr buchen oder Ausstellungen besuchen“, sagt Lehrerin Elke Schiele. Deshalb machte sie sich auf die Suche nach einer Alternative.

Ihre Anfrage bei Kubik – der Anlaufstelle für Kindertagesstätten und Schulen, wenn es um kulturpädagogische Bildungsangebote in Fürth geht – kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn seit kurzem hat die städtische Servicestelle den Kulturbeutel im Angebot, der es Schulklassen ermöglicht, selbstständig kreativ zu sein, ohne dass ein Künstler oder eine Künstlerin von außerhalb in die Schule kommen muss.

Der maritime Schachtelkosmos, den die Klasse 1g für sich entdeckt und erforscht hat, stammt von der Fürther Künstlerin Barbara Engelhard. Das Konzept für den Kulturbeutel selbst hat Ulrike Irrgang von der Schule der Phantasie entworfen. Die Idee, sagt sie, sei aus der Not heraus entstanden: „Ich fragte mich: Wie kommen wir Künstler trotz Corona an die Kinder heran, aber auch an andere Zielgruppen wie Menschen in Altenheimen?“

Der Kniff: In den Papiertüten befindet sich zum einen ein ausführliches und liebevoll gestaltetes Tutorial zu den jeweiligen Themen, und zum anderen das Material, das zum Basteln und Gestalten benötigt wird. Die neueste Variante, die Irrgang selbst entwickelt hat, beschäftigt sich mit der Welt der Insekten und mit einfachen Stempel-Drucktechniken. Entsprechend beinhaltet der Beutel Korken, festes Papier, zwei Gummis, eine Schnur, einen Pfeifenputzer und ein Paar Wackelaugen, die selbst kleben.

Das Tutorial verrät jede Menge Tipps, wie daraus Korkenwinzlinge oder auch ein Korkenfloß entstehen können, lässt aber auch genügend Freiraum für die eigenen Kreativität. Weitere Kulturbeutel widmen sich dem Aquarellmalen oder dem Bau dreidimensionaler Gebilde aus Zeitungspapier und Klebeband.

Gedacht für die ganze Metropolregion

Wenn es nach Ulrike Irrgang geht, macht das Projekt in der ganzen Metropolregion Schule, zumal es nicht mit der Corona-Zeit enden soll. „Der Kulturbeutel könnte eine Marke werden für kontaktlose Angebote.“ Er funktioniere aber auch als Geburtstagsgeschenk oder als kleines Mitbringsel. 

Bürgermeister Markus Braun betonte bei der Vorstellung des Konzepts, dass damit auch in der aktuellen Ausnahmesituation Kreativität gefördert werden kann. Schulklassen und Kindertagesstätten können das Angebot über Kubik nutzen. Pro Tüte fällt ein Eigenbeitrag zwischen einem und fünf Euro an. 

Darüber hinaus hat Kubik weitere Formate entwickelt, die kulturelle Teilhabe unter Einhaltung der bestehenden Hygiene- und Abstandsregeln ermöglicht. So gibt es ein Open-Air-Kindertheater oder eine Märchenerzählerin, die in Schulhöfen oder Schulgärten vorbeischaut. „Das eignet sich zum Jahresabschluss, da ja Ausflüge nicht möglich sind, sagt Benjamin Herrmann vom Bildungsbüro der Stadt Fürth.

Kontakt: http://www.kubik-fuerth.de