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Kuchen-Kunst im Kleinformat im "Koru"

Backen, Reisen, Bio: Alles, was Eva Körner wichtig ist, hat sie als Pâtissière in ihrem Café Koru - 21.08.2019 09:18 Uhr

Eva Körner ist eines besonders wichtig: der Kontakt zu ihren Kunden. Wer ins Koru kommt, wird mit einem strahlenden Lächeln empfangen. © Isabel Pogner


Allerdings nicht aus einem Streit heraus, sondern um dort zu lernen, wie man Tartes, Macarons und Pralinen herstellt.

In ihrer Freizeit hat Körner schon immer gern gebacken. Sie habe es bei keiner Familienfeier ausgelassen, die Verwandtschaft mit selbstgemachten Tartes zu verköstigen, verrät sie. Ihre Leidenschaft hat sie aber nicht direkt zum Beruf gemacht, sondern erst einmal Ökonomie und Kunstgeschichte studiert.

In ihrem Job als selbstständige Eventmanagerin beschloss sie schließlich, die dünne Auftragslage eines Sommers zu nutzen, um einen Pâtisseriekurs zu absolvieren. Gewünscht hatte sie sich das schon immer, allerdings gibt es Pâtissier in Deutschland nicht als Ausbildungsberuf.

"Mach das!"

Körner musste also ins Ausland: "Als ich mit meinem Mann vor der Weltkarte saß, hat der mir gesagt: 'Nutze diese Chance!'"

Bereits nach sechs Wochen in der Pâtissier-Schule in Wellington habe sie gemerkt, dass ihr das Basteln kleiner Törtchen viel mehr Spaß macht als ihr eigentlicher Beruf. Sie rief ihren Mann an, um ihm mitzuteilen, dass sie die Ausbildung gerne fertig machen möchte.

Seine Antwort: "Mach das, aber bitte komm mir wieder etwas näher." Deshalb bewarb sie sich an einigen Schulen in Europa und wurde in London genommen. Dort sei es wahnsinnig anstrengend gewesen: Sie habe jeden Tag Prüfungen bestehen müssen und Noten erhalten. Erschwerend sei hinzugekommen, dass sie abends nicht üben konnte, weil sie einen Nebenjob hatte und ihre Mini-Küche in der Londoner Kellerwohnung viel zu klein war, um mit Küchengeräten zu hantieren.

"Aber ich hab’s total geliebt", schwärmt Körner. Sie habe es geschafft, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. Zurück in Deutschland, eröffnete sie im März das kleine Café Koru in der Erlanger Straße.

Überproduziert wird nicht – dafür gibt es aber immer frisch zubereitete Törtchen. © Isabel Pogner


Als normale deutsche Konditorin zu arbeiten, könne sie sich nicht vorstellen: "Nichts gegen deutsche Kuchen, aber ich mag’s eben kleiner." Und auch ihr Mann ließ sich schnell vom Café-Fieber anstecken. Um seiner Frau am Wochenende im Koru helfen zu können, hat er extra einen Barista-Kurs belegt.

Der Name Koru kommt übrigens aus der Sprache der Maori und bedeutet "aufgerolltes Farnblatt". Der Farn steht in Neuseeland nicht nur für die Maori-Kultur, sondern auch für Natur und Nachhaltigkeit.

Darauf legt Körner viel Wert: "Wir versuchen, auf alle unnützen Dinge zu verzichten." Und tatsächlich finden sich im Café beispielsweise Nudel-Strohhalme und ökologisch abbaubare Verpackungen. In ihrem Mülleimer häufen sich vor allem Eierschalen, für die hat die Chefin noch keine gute Verwendung gefunden.

"Ansonsten ist der Müll aber am Ende des Tages sehr leer", sagt sie stolz. Und auch bei den Produkten selbst achtet Körner auf Nachhaltigkeit. Überproduziert wird nicht, im Koru gilt das Motto: Lieber ein kleines Sortiment als viel Ausschuss am Ende des Tages.

Bleibt doch mal etwas übrig, gehen die Süßspeisen an eine "Essensretterin". Sie gibt die Törtchen an Menschen weiter, die sich die kleinen Luxusdesserts selbst nicht leisten können.

"Etwas Gutes tun"

"Ich möchte den Leuten etwas Gutes tun", das ist Körners Credo. Und weil sie niemanden ausschließen will, gibt es auch jeden Tag zwei Törtchen, die sowohl glutenfrei als auch vegan sind. Diese Varianten präsentiert Körner auf einer Theke, die sie selbst gezimmert hat, ebenso wie die Tische. Als Tochter aus einer Handwerksfamilie bastelt sie gern: "Ich glaube auch, dass ich als Pâtissière zurück zum Handwerk wollte." Denn eine Bastelei ist das allemal.

Dass sie heute in ihrer eigenen Backstube steht, ist Körners Ausdauer zu verdanken. Nicht nur ihre Ausbildung, sondern auch die Suche nach einem geeigneten Café sei anstrengend gewesen. Nach anderthalb Jahren hat sie schließlich ihr jetziges Domizil, eine frühere Metzgerei, gefunden.

Das hat Symbolkraft, findet sie: "Hier wurden 40 Jahre lang Tiere zerlegt. Und ich baue hier jetzt vegane Törtchen zusammen."

Mehr Informationen über das Café Koru in unserer Rubrik Essen und Trinken!

Isabel Pogner

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