Kultur für Fürther Kinder: "So wichtig wie Essen und Trinken"

5.2.2018, 06:00 Uhr

"Was für die Seele und den Geist": Vielleicht kooperieren Kitas und Schulen bald noch viel mehr mit Kultur-Akteuren. © Hans-Joachim Winckler

Im Finanzreferat hält sich die Begeisterung in Grenzen. Wie viele Netzwerke machen noch Sinn, fragt man sich dort. Geht es nicht auch ohne neue Stellen? Und: Warum gibt man den Schulen nicht einfach die Adressen der Kultureinrichtungen und die Schulen halten dann ihre Lehrkräfte dazu an, Ausflüge in die Welt der Kultur in den Unterricht einzubauen?

Denn darum geht es. Die Wortschöpfung "Kubik" steht für "Kulturelle Bildung in Kooperation". Schulen und Kindertagesstätten, die auch nach dem Willen der Stadtspitze immer mehr zu Ganztageseinrichtungen werden, sollen sich öffnen und mehr mit externen Partnern kooperieren. Dass Lehrer mit ihren Klassen hier mal ins Museum gehen und dort mal an einem Kunstworkshop teilnehmen, ist Kubik-Befürwortern nicht genug. Sie verweisen auf die Aachener Erklärung, mit der der Deutsche Städtetag die kulturelle Bildung als wichtigen Bestandteil ganzheitlicher Bildung fordert, argumentieren mit Chancengleichheit und plädieren für die systematische Vernetzung bei der "kulturellen Teilhabe".

Ein Must-have

Als sich diese Woche gleich drei Untergremien des Stadtrats mit dem Thema befassten, sagte Grünen-Stadträtin Barbara Fuchs: "Kinder brauchen viel mehr als Deutsch und Mathematik. Sie brauchen auch was für Seele und den Geist." Eine engere Verzahnung jener Bildung, die Schulen und Kitas vermitteln, mit außerschulischen Angeboten, museums- oder musikpädagogischen etwa, seien für sie "keine Nice-to-have-Angelegenheit, sondern so wichtig wie Essen und Trinken". Fuchs erhielt Zustimmung von allen Seiten.

Jeweils einstimmig empfahlen der Jugendhilfe-, der Schul- und der Kulturausschuss im Rathaus ab 2019 zwei halbe Stellen zu schaffen, eine im Schul- und eine im Jugendreferat. Jährliche Kosten inklusive Sachmittel: 90.000 Euro.

Keine neue Idee

Mit ihrem "Ja" zu einem so genannten Kulturservice folgten die Stadträte Empfehlungen der betreffenden Referate und des Fürther Bildungsbeirats. Auch der Vorsitzende des städtischen Bildungsbüros, Veit Bronnenmeyer, beurteilte die Einrichtung einer Servicestelle als "wichtig, wertvoll und gut".
Bronnenmeyer wies darauf hin, dass es Kultur-Servicestellen in sieben Städten Bayerns gibt, in München, Augsburg, Passau, Coburg, Nürnberg, Erlangen und Bamberg. Ihre personelle und finanzielle Ausstattung ist sehr unterschiedlich. Bamberg, wo es sogar Kulturklassen, ein Kultur-Kinderhaus und eine Kultur-Schule gibt, leistet sich fast drei Vollzeitkräfte.

Aufgabe der Fürther Servicestelle wäre nach den Worten von Bürgermeister Markus Braun zunächst die Einrichtung einer Datenbank, die sämtliche kulturellen Angebote in Fürth benennt und stets aktualisiert. Dabei genüge es nicht, einen Künstler nur mit Namen und Foto zu erfassen. Vielmehr müssten sich Akteure des Kulturbetriebs passgenaue Angebote einfallen lassen, zum Beispiel den Besuch einer Ausstellung in der Kunstgalerie, bei dem die Kinder auch selbst zum Pinsel greifen. Braun spricht von kompakten "Bausteinen" mit Angabe von Zielgruppe, Dauer und Kosten der Veranstaltung.

Für alle das passende

Schulen und Kitas könnten sich dann herauspicken, was sich für die jeweilige Altersgruppe eignet. Gerade kleinere Vertreter des Kulturlebens wie die "Schule der Phanatasie", die schon jetzt mit klaren Angeboten aufwarten (Entdeckungsreise „Forschendes Sehen“ oder Kunst- und Erfinderwerkstatt), könnten laut Braun viel Organisatorisches abgeben an die neue Servicestelle. Und die könnte ihrerseits auch Fördertöpfe für Projekte auftun oder Sponsoren akquirieren.

Ob sich die Stadt den Kulturservice leisten wird, bleibt abzuwarten. Seine Fans jedenfalls haben noch weiter reichende Pläne: Sie möchten auch Senioren in eine solche Bildungsoffensive einbeziehen und den Landkreis.

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