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Kulturhauptstadt 2025: Eine ganze Region bewirbt sich

Nürnberg will Kulturhauptstadt 2025 werden – gemeinsam mit den Kommunen - 17.10.2020 05:51 Uhr

Sollte Nürnberg Europas Kulturhauptstadt 2025 werden, will das Jüdische Museum Franken in Fürth (hier spiegelt sich der Rathausturm in einem Fenster des Erweiterungsbaus) das Wiener Memorbuch digitalisieren.

© Foto: Hans-Joachim Winckler


Ob Sonneberg oder Solnhofen, Roth oder der Landkreis Bamberg: Überall finden sich Projekte, mit denen Nürnberg ins Rennen um den begehrten Titel geht. Nicht die Noris, sondern die Metropolregion will Kulturhauptstadt werden.

Auch Daniela Eisenstein ist Teil der Bewerbung. Die Direktorin des Jüdischen Museums Franken in Fürth möchte mithilfe eines der wichtigsten Objekte des Hauses Einblick in vergangenes jüdisches Leben gewähren – dem Wiener Memorbuch. Fürth, sagt Eisenstein, sei lange Zeit das Zentrum jüdischen Lernens und Lehrens in Süddeutschland gewesen.

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Namen der Verstorbenen

Bei dem Wiener Memorbuch handelt es sich um eine handschriftliche Aufzeichnung aus dem 17. Jahrhundert. Als die Juden aus Wien vertrieben wurden, brachte die Familie um Bärmann Fränkel das Buch nach Fürth. Memorbücher beinhalten Gebete und die Namen der Opfer von Pogromen oder verstorbener Gemeindemitglieder, die sich sehr verdient gemacht haben. In der Fürther Klaus-Synagoge wurden die Einträge weitergeführt.


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Geht der Titel Kulturhauptstadt 2025 in die Region, soll das Memorbuch digitalisiert werden. Die Informationen im Buch sollen mit Orten und Daten aus einer Vielzahl von Archiven vernetzt werden. Dahinter steckt die europäische Initiative "Time Maschine". Ziel ist, das kulturelle Erbe des Kontinents, das in Museen und Archiven bewahrt wird, in einer Art virtuellen Raum zu übertragen, der jedem Bürger zugänglich ist. "Es ist ein riesiges, lebendiges Archiv", sagt Eisenstein.

Kein Einzelfall

Dass sich nicht nur eine Stadt, sondern eine Region um den Titel Kulturhauptstadt bewirbt, ist nicht ungewöhnlich. 2007 holte Luxemburg die so genannte Großregion mit ins Boot. Zu ihr gehören das Saarland und Rheinland-Pfalz, aber auch Lothringen. 2010 nahm zwar Essen den Titel Kulturhauptstadt entgegen, jedoch nur stellvertretend für das gesamte Ruhrgebiet. Eine Stadt müsse die Verantwortung übernehmen, heißt es seitens der Europäischen Kommission. Auch Nürnbergs Konkurrenten Hildesheim und Chemnitz kooperieren mit Landkreisen und Kommunen.

Diese Kommunen unterstützen die Bewerbung. 

© Nordbayern


Mehr als 40 Städte und Kreise unterstützen das Kulturhauptstadt-Programm mit Projekten und Geld. Das sei eine "super Anzahl", sagt Nico Degenkolb vom Bewerbungsbüro der Stadt Nürnberg. Glücklich sei er vor allem, weil sich alle kreisfreien Städte beteiligen. Zwischen Herbst 2019 und Frühjahr 2020 arbeiteten über 250 Kulturschaffende in Arbeitsgemeinschaften, die jeweils einen Schwerpunkt hatten, regionale Projektideen aus. Schwerpunkte waren unter anderem Handwerk, Industriekultur und Zukunft der Arbeit, Spiel(en), Teilhabe und Diversität oder auch Kulturerbe und Digitalisierung. Um nicht untereinander zu konkurrieren, galt es zu klären: Wo ist eine Zusammenarbeit möglich und wer hat welche Kompetenzen? Es wurde diskutiert, entwickelt und verworfen.


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Die Ideen wurden schließlich auf einer Regionalkonferenz präsentiert. 65 fanden Eingang in das Bewerbungsbuch, das "Bidbook". Für Städte, die sich bislang nicht an der Bewerbung beteiligen, besteht die Chance, sich später einem Projekt anzuschließen, sollte Nürnberg den Zuschlag erhalten, sagt Degenkolb.

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Bayreuth gehört zu jenen Städten, die im Bidbook mit mehreren Projekten auftauchen. Eines heißt "Art Eye" und stellt das Thema Inklusion ins Zentrum. Ziel ist es, eine App für Menschen mit einer Sehbehinderung zu entwickeln, die es ihnen ermöglicht, Ausstellungen und kulturelle Ereignisse wahrzunehmen. Für dieses Projekt arbeitet das Iwalewahaus der Uni Bayreuth mit der Uni Hof-Münchberg und der Künstlerin Alexandra Makhlouf aus Johannesburg in Südafrika zusammen.

In einem anderen Projekt namens "Total Games" soll die Verbindung zwischen Spielkultur, Spielen und Totalitarismus untersucht werden. Geplant sind Workshops, Forschungen und eine interaktive Ausstellung. Bei diesem Projekt kooperieren Einrichtungen in Nürnberg (Haus des Spielens), Bayreuth (Computerspielwissenschaften der Uni Bayreuth), London und Warschau. Darüber hinaus sollen bei "Total Games" Entwickler ein Spiel entwerfen, um die nationalsozialistische Vergangenheit Nürnbergs und der Region kennen zu lernen. "Lernen durch spielerische Begegnungen", nennt das Benedikt Stegmayer, Bayreuths Kulturreferent. "Auch Bayreuth setzt sich mit seiner Geschichte kritisch auseinander." Dies geschehe auch unabhängig von der Kulturhauptstadtbewerbung.

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"Kulturelle Vernetzung"

Anfang 2020, zehn Jahre nachdem Essen Europas Kulturhauptstadt war, veröffentlichte die Stadt eine Mitteilung. Die "positiven Auswirkungen dieses besonderen Jahres" seien "immer noch spürbar", hieß es. Das touristische Wachstum sei "nach wie vor stark, auch die Maßnahmen der damals gegründeten Ruhr Tourismus GmbH verstetigen diesen Erfolg. Ein Aspekt sei die Vernetzung der Region, denn die Kulturhauptstadt habe Institutionen und Kommunen näher zusammengebracht".


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Marcus König (CSU), Nürnbergs Oberbürgermeister, betonte bereits: "Der Titel bringt viele positive Entwicklungen mit sich, unter anderem mediale Berichterstattung, Prestige und deutlich mehr Kulturtourismus. Auch die Wirtschaft profitiert: In der Europäischen Kulturhauptstadt Mons in Belgien sind 2015 für jeden regional investierten Euro 5,50 Euro in die Wirtschaft zurückgeflossen."

Vom Titel-Gewinn erhofft sich Bayreuth "einen gewissen Schub", sagt Benedikt Stegmayer. Im Klartext: Kulturtouristen und damit Geld. Sollte Franken leer ausgehen, habe die bisher geleistete Arbeit dennoch einen Wert, sagt er, denn eine Bewerbung setze einen Prozess in Gang. Die Stadt Nürnberg hat bereits mitgeteilt, dass einzelne regionale Projekte auch dann umgesetzt werden sollen, wenn Nürnberg nicht Kulturhauptstadt Europas 2025 wird.


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