Dienstag, 22.10.2019

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Kulturort Badstrasse: Alles im Fluss

"Standortbestimmung 2019": Die Künstlerinnen und Künstler zeigen neue Arbeiten - 06.10.2019 18:00 Uhr

Immerhin, bei der Wahl des Getränks zum Anstoßen herrscht Einigkeit - sonst dominiert glücklicherweise Stilvielfalt die Ausstellung von (v.li.) Johanna Klose, Patrick Wolfmar, Joachen Pankrath, Isil Geyer, Birgit Maria Götz, Susa Schneider, Yvonne Germann und Lucia Hufnagel (nicht im Bild: Paul Weigel und Anna Poetter). © Foto: Thomas Scherer


Ein Standort muss selbstredend keine Grenzen haben. Warum sollte er auch? Genauso wenig haben sich die Mitwirkenden dieser Gemeinschafts-Schau durch ein vorgegebenes Thema einengen lassen. Die Frauen und Männer, die entweder ihr Atelier in der Badstraße 8 haben oder zum gleichnamigen Verein gehören, haben sich darauf verständigt, einen "Querschnitt durch die Positionen und Projekte" in und um diesen besonderen Ort auszustellen.

Birgit Maria Götz hat den weitgefassten Apell ganz konkret umgesetzt und die Badstraße 8 zu ihrem Motiv gemacht. Von der Totalen – mit den Kißkalt’schen-Häusern und dem Flussbad – kommt sie zu Details. Dazu gehören für sie jetzt auch die Menschen, die den wiedererstandenen Treffpunkt heute beleben. Sehr persönliche Bilder sind das, die jedem, der zuhören mag, Geschichten erzählen.

Ein Effekt, den auch Johanna Klose auslöst. Sie hat Handarbeiten gesammelt. Spitzendeckchen, Gardinen, Borten – gehäkelt, geklöppelt, gestrickt. Zeugnisse vieler Stunden emsiger Arbeit. Für die Künstlerin manifestiert sich in den geduldigen Sticheleien aber auch "konservierte Frauenzeit" und ein Konglomerat von vielen gemischten Gefühlen. Mit ihrer großen Familie hat Klose die vielen Einzelteile zusammengeknüpft und Verbindungen geschlossen. Von dem was war, bis zu dem, was ist.

Manchmal geht es vielleicht vor allem darum, den richtigen Moment zu erkennen. Patrick Wolfmar weiß definitiv, wie das geht. Seine Fotografie vom neuen Schlauchturm der Fürther Feuerwache, der derzeit im Bau ist, lässt Beton vor dem sanften Licht eines Sonnenuntergangs zu ungeahnter Schönheit mutieren.

Der perfekte Augenblick

"Fundstücke" nennt der 37-Jährige selbst solche Aufnahmen, zu denen auch vier Arbeiten gehören, die er gemeinsam mit Lucia Hufnagel in "überschneidender Autorenschaft" vorstellt. Es sind "Nachtstücke", und wieder spielt das Glück, den perfekten Augenblick zu nutzen, eine Rolle. Denn dann entsteht im besten Fall ein atmosphärisch so dichtes Foto wie diese nächtliche Straßenszene, die sich präsentiert, als sei über Stunden am mustergültigen Licht gefeilt worden.

Lucia Hufnagel hat unter anderem eine Arbeit mitgebracht, die sie sich in den vergangenen acht Jahren immer wieder vorgeknöpft hat. Schicht um Schicht hat sie beim Malen ihren Fokus auf eine geometrische Anordnung gelegt. Jetzt, sagt sie, ist das Bild für sie vollendet. Und auch das ist nicht weniger als die Erkenntnis des richtigen Zeitpunkts.

Mit einem Frauen-Porträt ist Yvonne Germann - 2007 nahm sie den Anerkennungspreis des NN-Kunstpreises entgegen - vertreten. Ihr Gemälde bedient sich einer vornehmlich kühlen, auffallend gedämpften Farbskala, strahlt dabei Ruhe aus, verbunden mit einer unterschwelligen Bedrohung, deren Quelle ein Traum sein mag.

Dorniges Pauschenpferd

In eine vielschichtige Auseinandersetzung zieht Anna Poetter die Betrachter ihrer Installation. Sie hat ein sogenanntes Pauschenpferd, ein Turngerät, aufgestellt. Geschmückt hat sie das Teil, das traditionell Männern vorbehalten ist, mit Bändern und dornigen Zweigen. Im zugehörigen Video nimmt Poetter selbst das Gerät mit ihrem Körper in Besitz. Eine Eroberung, die zugleich wie eine Zurechtweisung wirkt.

Menschen und Hühner, das ist seit Äonen eine enge Gemeinschaft. Susa Schneider deckt mit feinem Witz auf, was manchem bisher möglicherweise verborgen blieb: Die Ähnlichkeit der beiden Spezies ist manchmal wirklich verblüffend. Zehn Porträts zeigt die Fotografin in der Badstraße und hat dafür Frauen und Hennen ebenso kunstfertig wie entspannt zusammengebracht. Eine heitere Arbeit mit ästhetischem Mehrwert.

Ein starkes dekoratives Element stellt Isil Geyer vor. Gefilzt aus Merinowolle sind ihre beiden Wandbehänge beinahe schon klassisch. Eine kraftvolle Arbeit, die eine Hommage an Bauhaus-Elemente mit sich bringt.

Hoch hinaus geht es mit Jochen Pankrath. Sein Beitrag hat etwas Verblüffendes, nicht zuletzt, weil er so unerwartet platziert ist. Der junge Maler hat sich zwei Aussparungen des Giebels vorgeknöpft und exakt für deren Maße ein Selbstbildnis mit Ehefrau in Lebensgröße angefertigt. Auch das ein Standort - und ein sehr sehenswerter obendrein.

Sabine Rempe

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