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Kunst sucht Bau

Das „Borgo Ensemble“ benötigt ein neues Domizil - 25.02.2015 18:49 Uhr

Gesucht: Plan B. Zumindest als Kunstwerk ist er in der Nürnberger Straße bereits zu finden.


Kunst, so weit das Auge blickt: „Borgo Ensemble“-Gründer Reiner Bergmann hat es sich in seinem Musikzimmer bequem gemacht. © Fotos: Eduard Weigert


Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, das weiß auch Reiner Bergmann. Dass seine Gruppe „Borgo Ensemble“ (Borgo ist Italienisch und bedeutet Dorf, befestigter Ort), die er mit Thomas Lunz und Jürgen Kirchner gegründet hat, irgendwann ihr Domizil wieder verlassen muss, wusste der Künstler von vorneherein. Drum möchte er keinen „Abschied mit Tränen“, im Gegenteil: „Ich will mich auch nicht zur Ruhe setzen.“

In dem riesigen, mehrstöckigen Bau genau an der Stadtgrenze, aber auf Fürther Gebiet, waren in den fünfziger Jahren Werkswohnungen einer Wellpappenfabrik untergebracht. Das Gelände gehört dem gegenüber liegenden Autohaus Pillenstein, das dort eine neue große Gebrauchtwagen-
ausstellung plant. Anfang April
beginnen voraussichtlich die Abrissarbeiten. Seniorchef Bernd Pillenstein, ein Kunstfreund, hatte das Haus zur Zwischennutzung zur Verfügung gestellt.

Und Reiner Bergmann, geboren 1950 in Nürnberg, wusste viel damit anzufangen: Seit 2009 fanden in der Nürnberger Straße 161 Ausstellungen, Lesungen, Konzerte, Theaterabende — zu Gast war zum Beispiel das Nürnberger Theater Zwangsvorstellung —, Performances und vieles mehr statt. Sprich alles, was irgendwie mit Kunst und Kreativität zu tun hat. Mit Wirkung über die Grenzen der Region hinaus: Die Ausstellung „Womöglich“ im vergangenen Jahr versammelte, wie berichtet, über 60 Künstler aus ganz Deutschland, zudem gab es eine Gemeinschaftsschau mit dem Atelier Goldstein aus Frankfurt.

Offener Brief

Noch wichtiger für Bergmann und seine Mitstreiter: Das Haus ist eine Begegnungsstätte, ein Ort des Gesprächs und der Vernetzung, wo sich Künstler aus der Region, wie etwa Reiner Zitta, Fredder Wanoth und Günter Derleth, trafen. Sie alle haben den „offenen Brief“ unterschrieben, der auf der Internetseite nachzulesen ist. „Wir brauchen Unterstützung“, heißt es da.

Das findet auch die Nürnberger Stadträtin Andrea Bielmeier, die im Namen der Grünen-Fraktion einen Antrag für den nächsten Kulturausschuss der Nachbarstadt am 13. März gestellt hat. „Dieser spannende Begegnungsort sollte auf jeden Fall nach Nürnberg geholt werden“, sagt sie. Die Verwaltung solle sich Gedanken machen, wie sie bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten behilflich sein kann. Die sollten natürlich am besten ausreichend groß sein. Im Lauf der Zeit haben sich in dem Bau richtige Oasen entwickelt. „Das hat schon einen speziellen Charme hier“, sagt Reiner Bergmann. Ein Rundgang macht in der Tat mächtig Spaß, hinter jeder Tür gibt es etwas Neues zu entdecken, vom Musikzimmer über den Kinoraum hin zur Bar im Fünfziger-Jahre-Stil. Auch viel Kunst von Bergmann selbst natürlich, die er aus Alltagsobjekten baut.

Wer sich ein Bild von den Tätigkeiten des „Borgo Ensembles“ machen will, der kann zum Beispiel morgen vorbeischauen. Dann gibt es um 20 Uhr ein Blues-, Rock- und Jazzkonzert mit Achim Goettert (Saxofon), Keili Keilhofer (Bass, Gitarre, Gesang) und Klaus Mages (Schlagzeug, Singende Säge). Bergmann freut sich aber auch über jeden, der einfach mal so vorbeischaut. Zum Abschied ist natürlich noch ein großer Ausklang geplant, der voraussichtlich vom 27. bis 29. März stattfindet. Vielleicht hat sich bis dahin ja ein neues Domizil aufgetan. In Fürth? In Nürnberg?

www.borgo-ensemble.de

SUSANNE HELMER

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