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Künstliche Intelligenz: Werden Steuerberater überflüssig?

Kanzlei beleuchtete in einem Workshop die Herausforderungen der Digitalisierung - 22.10.2018 11:00 Uhr

Betont locker ging es bei einem Workshop zur Zukunft der Steuerberatungsbranche in der Kanzlei Müller Blum zu. Geschäftsführer Eugen Müller (hinten links) stellte das Thema vor. © Foto: Thomas Scherer


Vorname, Unternehmen, Lieblings-App: Eine schlagwortartige Vorstellungsrunde der zirka 40 Teilnehmer leitet den Workshop "Steuerberater 2030 – Dinosaurier oder Roboter?" ein. Eine bunt gemischte Gruppe aus Vertretern von Software-Firmen, Start-ups, Studenten, Management- und Steuerberatern ist in die 2003 gegründete Kanzlei mit derzeit 15 Mitarbeitern gekommen. Die Stimmung ist betont locker, man sitzt auf gelben Papphockern, duzt jeden und kennt sich oft schon aus der digitalen Szene der Region. So hält die Steuerberatungsgesellschaft Müller Blum auch schon länger Kontakt zum Nürnberg Digital Festival; als Veranstalter tritt sie aber zum ersten Mal auf.

"Wir waren überrascht, dass dieses Thema so großen Zulauf gefunden hat und haben uns umso mehr gefreut, dass es zu vielen Diskussionen und einem regen Austausch gekommen ist", resümiert Eugen Müller, einer der beiden Geschäftsführer, am Ende des Treffens. Eingangs hatte er anhand einiger Eckdaten den Status quo in der Branche dargelegt: In Deutschland gibt es derzeit knapp über 86 000 Steuerberater, die alle Pflichtmitglieder in der Bundessteuerberaterkammer sind. Diese bringe viele Vorteile mit sich, beschäftige sich aber nicht genügend mit den Herausforderungen der Digitalisierung, findet Müller. Er plädierte darum dafür, nicht auf die Kammern zu warten, sondern selbst voranzugehen. Dies berge auch die Chance, mitzugestalten. Für bedroht hält der Steuerberater seinen Berufsstand aber keineswegs. Durch Künstliche Intelligenz, die beispielsweise die Automatisierung der Buchhaltung erlaube, verschöben sich lediglich die Aufgaben.

Seine Kanzlei habe die Prozesse mit allen Mandanten, die das wünschten, bereits komplett digitalisiert, berichtet Müller. Dadurch ließe sich vieles effizienter gestalten, etwa Posteingang, Kontrollaufgaben oder die Suche nach einem bestimmten Beleg in den Mandantenunterlagen. Auch sei so ein ortsunabhängiger Service möglich. Zwingende Voraussetzung dafür sei ein Dokumenten-Management-System (DMS). Doch gerade mal 16 Prozent der rund 40 000 Datev-Mitglieder aus der Steuerberaterbranche in Deutschland verwendeten ein solches, sagt Müller. Noch mauer schaue es aus, wenn man die Nutzungszahlen von Plattformen wie "Unternehmen online" für den Beleg-, Daten- und Dokumentenaustausch zwischen Mandanten und steuerlichem Berater analysiere: 4,8 Prozent aller Unternehmen-online-Nutzer betreuen dort mehr als 20 Mandanten, so Müller weiter. Über die Gründe kann er nur spekulieren, nennt aber unter anderem das hohe Durchschnittsalter von Steuerberatern – zirka die Hälfte ist heute über 50 – und fehlende IT-Kenntnisse, die derzeit auch in der Ausbildung noch zu kurz kämen.

Persönlicher Kontakt bleibt

"Man wird da tatsächlich ein Stück weit ins kalte Wasser geworfen", bestätigt Steuerassistent Maximilian Schlierf. Buchhaltung und Steuererklärungen würden durch die Digitalisierung jedoch erheblich erleichtert. Angst vor fehlendem persönlichen Kontakt bräuchte deshalb keiner zu haben: "Trotz allem versuchen wir, mit den Mandanten in Interaktion zu sein, weil das ein Punkt ist, der viel wert ist und immer wert sein wird", betont Schlierf.

Fast ein Viertel der Workshop-Teilnehmer stammt vom Nürnberger Software-Haus Datev. "Wir als Genossenschaft der Steuerberater beschäftigen uns sehr intensiv mit der Zukunft des steuerberatenden Berufs", erklärt stellvertretend für sie Tobias Dohlus. "Ich bin Projektleiter in unserem Innovation Lab: Unser Ziel ist es, digitale Geschäftsmodelle für Datev und ihre Mitglieder vorzudenken. Deshalb wollte ich durch die Veranstaltung abgleichen, wie Müller Blum die Herausforderung der Digitalisierung angeht und wohin die Reise ihrer Meinung nach geht, um weitere Impulse für unsere Arbeit zu erhalten." 

Astrid Löffler

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