Sonntag, 20.10.2019

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Lähmung im City-Center

Altbekannte Probleme blockieren einen Neustart - 29.12.2014 05:58 Uhr

Aufgeben gilt nicht: Auch mit moderner Kunst versucht man, die zunehmend beklemmende Atmosphäre unter den Glasdächern des bald 29 Jahre alten Einkaufszentrums aufzufrischen. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Es fühlt sich an wie ein Déjà-vu der besonders heimtückischen Art. Eines, bei dem man als Beobachter die Hände vor die Augen halten und sich gleichzeitig die Haare raufen möchte. Denn ins kommende Jahr geht das City-Center mit einer schweren Bürde, mit einer Bürde zumal, die man längst abgeschüttelt glaubte: Unter den Hunderten von Eigentümern sind offenbar wieder ein paar wenige, die sich mit Macht gegen einen Verkauf stemmen.

Das ist umso fataler, als Herbert Müller, eine Art Chefunterhändler bei den Verkaufsbemühungen, auf FN- Anfrage versichert: Ein Abnehmer – dem Vernehmen nach der europäische Shopping-Center-Marktführer ECE – stehe bereit, ein unterschriftsreifer Vertrag liege vor. Doch was nützt das alles, wenn sich die Verkäufer nicht hundertprozentig einig sind. Dieses eine Wort – hundertprozentig – schwebt seit jeher wie ein Damoklesschwert über dem Center. Das Fürther Einkaufszentrum nämlich ist einst als Wohnungseigentümergemeinschaft konzipiert worden. „Die absolute Ausnahme in Deutschland“, wie Müller immer wieder und immer aufgebrachter betont. 351 Eigentümer von Ladenflächen gibt es, dazu rund 50, denen Büros, Praxen und Wohnungen gehören. Und alle müssen ausnahmslos alle Schritte absegnen.

Blanker Wahnsinn, wie man heute weiß, und dennoch gelang dieses Husarenstück 2011 schon einmal. Für 20 Millionen Euro sollte das Center an den Grünwalder Investor TKN verkauft und von diesem umgekrempelt werden. Das Haus wurde Anfang 2012 tatsächlich weitgehend geräumt – doch die vereinbarte Summe floss nie, es blieb bei schönen Umbauplänen. TKN-Chef Miro Vorbauer und die Alt-Eigentümer gaben sich wechselseitig die Schuld am Fiasko, es folgte ein zäher, giftiger Rechtsstreit.

Alles auf Anfang

Der, sagt Müller, sei inzwischen zwar überwunden und der Kaufvertrag mit Vorbauer gerichtlich für null und nichtig erklärt worden. Wer sich deshalb freie Bahn erhofft hatte, wurde 2014 indes rasch eines Besseren belehrt. Denn der Schulterschluss der Eigentümer, er galt allein für das Geschäft mit TKN. Nun hieß es: alles zurück auf Anfang.

Die wenigen Blockierer kommen nach Müllers Worten aber nicht aus dem Lager der Gewerbeflächen-Eigner, in dem vielen das Wasser wegen dürftiger oder ganz ausbleibender Einnahmen ohnehin bis zum Hals steht; sie finden sich vielmehr unter den Wohnungseigentümern. Es gehe um viel Geld, „Geld für die Abtretung ihrer Rechte“. Dazu muss man wissen: Wohl dürfte das Center ohne die Zustimmung der Wohnungseigentümer den Besitzer wechseln, doch jegliche Umbaumaßnahme könnten sie anschließend blockieren. Ohne grundlegende Modernisierung wiederum ist das 1985 eröffnete Einkaufszentrum mit seinen stolzen 26.000 Quadratmetern Verkaufsfläche für Investoren nicht einen Cent wert.

Eine vertrackte Situation, in der man trotz monatelanger Bemühungen keine Einigung erzielen konnte. Unterdessen, so Herbert Müller, zahlen die Eigentümer „hunderttausende Euro pro Jahr drauf“. Es bleibe wohl einmal mehr nur die gerichtliche Auseinandersetzung, diesmal mit den widerspenstigen Wohnungseigentümern.

„Da wirst du narrisch“, befindet der städtische Wirtschaftsreferent Horst Müller, der die Verkaufsbemühungen von Beginn an beratend unterstützt hat. Aus Sicht der Kommune bleibe das City-Center mit seiner gewaltigen Fläche trotz der schönen Neuen Mitte ein bedeutender Bestandteil der Innenstadt. „Und ich glaube an eine Lösung“, beharrt Horst Müller, „auch wenn es manche schon ganz abgeschrieben haben.“ Der Durchbruch allerdings müsse 2015 endlich gelingen – sonst sieht auch der Mann aus dem Rathaus schwarz.

Wolfgang Händel (Fürther Nachrichten)

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