Samstag, 21.09.2019

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Langenzenn: Kultur rund um die Baustellen

Klaus Roscher zu einem Vorzeigeprojekt und den Chancen der Naturbühne - 04.01.2019 12:56 Uhr

 


Jetzt geht es los. Wird 2019 für Sie ein Jubeljahr, Herr Roscher?

Klaus Roscher: Seit zehn Jahren kämpfe ich für den Kulturhof. Ich war damals beim Bürgermeister, der sich gleich angetan von dem Projekt zeigte, schließlich hat die Stadt die ehemalige Brauerei "Oberer Kolb" samt altem Kinosaal gekauft. Wir Hans-Sachser haben schon viel Kraft und Engagement in die Gebäude gesteckt und werden das auch weiterhin tun. Aktuell haben wir mit Abbrucharbeiten in der alten Scheune begonnen. Ich bin froh, wenn jetzt die Firmen anrücken. Dann werden unter anderem Bohrpfähle gesetzt, um die Gebäude zu stabilisieren.

 

Die Kultur wird sich den Platz mit der Bildung teilen. Auch die Volkshochschule residiert hier, ein Problem?

Roscher: Ganz ehrlich: Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Wenn wir das Areal alleine hätten, könnten wir noch mehr machen. Aber die VHS sucht auch schon länger Räumlichkeiten. Wir kennen uns und werden gut miteinander klarkommen. Aus politischer Sicht ist die Entscheidung nachvollziehbar.

 

Eine beeindruckende Kulisse bietet sich beim Blick in die große Scheune (Foto oben). Bis hier jedoch Zuschauer die Künstler auf der Bühne erleben, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Auf die Baufirmen, die mit den Arbeiten bereits begonnen haben, aber auch auf Klaus Roscher und seine Mitstreiter von den Langenzenner Hans-Sachs-Spielen wartet bis dahin noch jede Menge Arbeit. © Archivfotos: Hans-Joachim Winckler


Zumal die VHS als Passagier mit im Boot dafür sorgt, dass die Stadt Fördermittel erhält, deren Höhe ihresgleichen sucht. Das freut doch sicher auch den dritten Bürgermeister?

Roscher: Ich bin jetzt seit fast 30 Jahren Mitglied des Stadtrats, war immer im Bauausschuss. Aber an eine Förderung in Höhe von 80 Prozent kann ich mich nicht erinnern.

 

Welche Töpfe bohrt Langenzenn an?

Roscher: Zum einen die Städtebauförderung. Darüber kommen 60 Prozent, weil wir ortsbildprägende Häuser sanieren und – Stichwort Kneipensterben – damit einen Platz schaffen, an dem sich die Menschen treffen. Als wir mit der Regierung von Mittelfranken die Sache mit der VHS besprochen haben, hieß es: Kultur und Bildung, eine bessere Nutzung gibt es nicht. Über das Programm "Innen statt außen" gab es weitere 20 Prozent, weil hier ein Projekt in einer Altstadt und nicht auf der grünen Wiese mit entsprechender Bodenversiegelung realisiert wird.

Außerdem wäre da noch das europäische Leader-Programm.

Roscher: Die Innenausstattung ist Angelegenheit der Hans-Sachs-Spiele. Veranschlagt sind 220 000 Euro, von Leader kommen dafür 54 000 Euro.

 

Theater spielen wollen Sie aber nicht nur im Stadtzentrum, sondern auch in einer Lehmgrube bei Horbach auf einer Naturbühne. Was ist denn der Stand der Dinge hier?

Roscher: Die Naturbühne ist noch nicht tot, aber im Moment ruht alles.

 

2015 gab es mit Landrat Matthias Dießl einen Termin vor Ort. Die Begeisterung war groß, von einem "Leuchtturmprojekt" war die Rede. Wo liegen die Probleme?

Roscher: Der Knackpunkt ist ein Vorbehaltsrecht des Landkreises, dort seine Bauschuttdeponie zu erweitern, dazu gibt es eine Planfeststellung. Voraussichtlich wäre das ab dem Jahr 2034 der Fall.

 

Aber der Landkreis ist doch nicht im Besitz dieser Fläche, sondern die Firma Reithelshöfer. Mit deren Seniorchef haben die Hans-Sachser wiederum einen Vertrag, der ihnen die Nutzung des Areals bis 2040 erlaubt.

Roscher: Es gibt auch einen entsprechenden Beschluss des Kreistags. Als ich jedoch den Bauantrag für die Naturbühne im Landratsamt abgeben wollte und mich zuvor erkundigt habe, wie die Aussichten seien, dass er genehmigt würde, kamen viele "aber".

 

Also ist die Naturbühne doch mehr tot als lebendig?

Roscher: Verkehr, Schallschutz, alles müsste neu untersucht werden. Wir haben aber für Gutachten und Planungen schon 15 000 Euro ausgegeben. Nach meinem Gefühl ist es schwierig, das Projekt zu realisieren. Sie liegt auf Eis, aber sterben lassen will ich die Naturbühne nicht.

 

Der Kulturhof sitzt auf der Schiene, warum braucht es noch die Lehmgrube?

Roscher: Es wäre eine ganz andere Location, um Theater zu spielen, mit fantastischen Möglichkeiten. Und es wäre eine Ausweichbühne, um die Anwohner rund um den Kulturhof zu entlasten. Außerdem sind die Klosterhofspieler auf der Suche nach einem Quartier, weil ihr Spielort voraussichtlich ab 2020 saniert wird. Aber auch für einen vorübergehenden Betrieb der Naturbühne über nur zwei bis drei Jahre wären noch einmal alle Gutachten einzuholen. Ich müsste also noch einmal nicht unerheblich Geld investieren mit unbekanntem Ausgang.

 

Und jetzt?

Roscher: Die Stadt und die Klosterhofspieler prüfen ein Areal hinter dem Hallenbad.

 

Der Kulturhof wird frühestens in zwei Jahren wieder Bühne sein. Sie spielen 2019 wie schon heuer im Innenhof des Rathauses. Was gibt es?

Roscher: "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" unter der Regie von Gabriele Küffner. Ein romantisches Zauberspiel mit Happy End. Und das ebenfalls in einem wunderbaren Ambiente, obwohl wir rund 100 Besucher weniger unterbringen. Dafür sind die Bewohner des Seniorenheims begeisterte Theaterfans. Die machen bei den Vorstellungen die Fenster auf, schauen zu, und viele kennen die Dialoge bereits nach kurzer Zeit auswendig. 

Interview: Harald Ehm

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