Mittwoch, 01.04.2020

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Langenzenn: Viele Versprechen im Großformat

Zwei Männer und eine Frau streben das Bürgermeister-Amt an - 08.03.2020 21:00 Uhr


Übersehen kann man ihn momentan nicht. Großplakate stehen quer durch Langenzenn verteilt und verkünden: "Ihre Stadt. Ihre Stimme. Ihr Bürgermeister." An den Einfallstraßen der Außenorte zieren lokale Versprechen die Werbetafeln von Markus Vogel, dem Bürgermeister-Kandidaten der FDP in der Zennstadt: "Ich baue Euer Dorfhaus bis 2022" in Horbach, "Ich sorge für Eure Überquerungshilfen" in Keidenzell, "Ich bringe Euch schneller in die Stadt" in Kirchfembach.

Dort wird aus dem Wahlkampf sogar ein Familienunternehmen, weil daneben auf einem Großplakat am Ortseingang Oliver Vogel für sich als CSU-Stadtratskandidat auf Platz 19 wirbt – dies ist der Onkel des FDP-Bürgermeister-Bewerbers und ein viel beschäftigter Bestatter mit dem launigen Spitznamen "Versenkungsrat". Dahinter wirbt eine Nummer kleiner Amtsinhaber Jürgen Habel (CSU) mit den sachlichen Attributen "tatkräftig, kompetent, erfahren" um Stimmen. Und am Ortsausgang werden Autofahrer und Wanderer von der SPD-Kandidatin Melanie Plevka "mit Herz für Langenzenn" und "ehrliche Politik" verabschiedet.

Vogel hat sogar einen trickreichen Ausweg gefunden, wie er das Plakatierverbot des Stadtrats in der Altstadt umgehen kann: Er hat seinen schwarzen SUV über und über mit Wahlslogans bekleben lassen und lässt ihn werbewirksam bevorzugt an hoch frequentierten Straßen stehen.

Oft im liberal-gelben Pullover und Anorak unterwegs, verärgert der 42jährige Verwalter des familieneigenen Immobilienvermögens viele Konkurrenten aus anderen Parteien – besonders aus den Reihen der Freien Wähler, die er im Sommer verlassen hatte, weil nicht er, sondern der 58-jährige Alfred Jäger zum Bürgermeister-Bewerber der FW gekürt worden war. Ursprünglich war dem Heißsporn Vogel die Kandidatur zugesagt worden, doch offenbar stimmte er im Stadtrat zu oft gegen seine Fraktion und brachte ihre Anträge zu Fall.

Vogel liebt die Provokation. Hätte der amtierende Bürgermeister Jürgen Habel die letzte Stadtratssitzung vor der Wahl am Donnerstag nicht kurzfristig wegen fehlender Beratungspunkte abgesagt, dann hätte die FDP einen Antrag eingebracht, eine Compliance-Regelung für Rathaus, Stadt und Stadtoberhaupt einzuführen, also ein Transparenzprogramm für Regeltreue und Bürgernähe: "Der unterschwelligen Skepsis gegenüber dem Rathaus in Langenzenn muss entgegengewirkt werden."

Dass sich die Immobilienpreise im 10 700 Einwohner zählenden Langenzenn auf bis zu 450 Euro pro Quadratmeter fast verdoppelt haben, führt Immobilienmensch Vogel auf "hausgemachte Preistreiberei aus dem Rathaus" zurück.

Die Stadt binde Finanzmittel, die dringend für Bildung und Soziales gebraucht würden, um Grundstücke zu horten. Mit ihrer Behauptung, Habel spiele Monopoly in der Stadt und missbrauche das "Mitteilungsblatt" für Wahlkampfzwecke, hat sich die FDP freilich juristischen Ärger eingebrockt. Wegen falscher Zahlen und Behauptungen auf einem Flugblatt hat die Stadt, vertreten durch Bürgermeister Habel, eine Unterlassungserklärung samt Widerruf des FDP-Kreistagsfraktionschefs Johann Tiefel verlangt. Tiefel wiederum spricht von Einschüchterungsversuchen gegenüber Mitbewerbern, "wie beim Seniorenrat, dem politische Stellungnahmen untersagt werden sollten"; Habels Einstellung zur Meinungsfreiheit lasse zu wünschen übrig.

 

"Bisher fair"

 

Bis auf dieses Flugblatt als kleine Ausnahme sei der Wahlkampf bisher fair gewesen, attestiert der Bürgermeister. Der seit 2008 im Rathaus residierende Amtsinhaber, der in dem Streit damals argumentiert hatte, der Seniorenrat müsse seine Meinungsäußerungen vorher dem Stadtrat zur Kenntnis geben, gibt sich auf Anfrage der FN generell optimistisch: "Ich vertraue auf die Überlegtheit und Vernunft der Langenzenner. Sie können und werden hohle Phrasen sowie irreführende und populistische Behauptungen erkennen und zukunftsorientiert zum Wohle unserer Stadt entscheiden."

Der 40-jährige Jurist und frühere Rechtsanwalt Habel betont, nur durch die erworbenen Grundstücke im Wert von 50 Millionen Euro als Schlüssel für eine noch stärkere Entwicklung der Rangaustadt sei es gelungen, die Realschule, den Biergarten ZennOase, den Kulturhof, das neue Feuerwehrhaus mit Stadtarchiv und das Einkaufszentrum West auf den Weg zu bringen sowie die Zahl der Arbeitsplätze – 3606 in 2018 – und die Steuerkraft – zuletzt 17 Millionen Euro – wesentlich zu steigern.

Lange hatte der frischgebackene Familienvater Jürgen Habel gezögert, ob er tatsächlich nochmals antreten solle, bis er sich im vergangenen November vom CSU-Ortsverband erneut nominieren ließ. Er zeigt sich stolz über die große Zahl von Firmenansiedlungen ("Langenzenn würde auch einen Konjunktureinbruch überstehen"), das soziale Miteinander und das Citymanagement. Die stadteigene WBG habe endlich zwei Grundstücke für sozialen Wohnungsbau kaufen können, auf denen 55 Wohneinheiten errichtet werden.

Naturschutzbelange liegen dem Christsozialen besonders am Herzen. Vor fast zehn Jahren hatte er als – noch immer – einziges Stadtoberhaupt ein Naturamt installiert. Seit Kurzem beschäftigt er zudem auch eine Mitarbeiterin für Klimaschutz. Habel und die CSU fordern vom Verkehrsverbund ein Seniorenticket und gleiche Gebühren für Strecken außerhalb der Großstädte.

Ein starkes Standbein in den Kindertagesstätten und Schulen hat SPD-Kandidatin Melanie Plevka. Die 43jährige medizinische Fachangestellte und Praxismanagerin, die auf eine Stichwahl hofft, will für Verlässlichkeit, Offenheit und Ehrlichkeit stehen, "diese Werte sind für mich nicht verhandelbar". Als vierfache Mutter und Vizevorsitzende des Landeselternverbandes Bayerischer Realschulen sieht sie den Bürgermeister in einem dienenden Amt und als ersten Ansprechpartner für Bewohner: "Mit meinem ganzen Handeln trete ich für ein gutes, zukunftsorientiertes Mit- und Füreinander ein."

Die Sozialdemokratin möchte "transparente Politik auf Augenhöhe" machen. Das heißt: keine Projekte, die man sich nicht leisten kann; Investitionen nur bei konkreten Vorhaben; konsequente Nutzung oder Verkauf der Immobilien; Schulwegsituation entschärfen; Mehrgenerationen-Häuser; Förderung der Firmen.

Alle Parteien reagieren unterdessen auf den dringenden Wunsch vieler Anwohner: In den von Rasern geplagten Außenorten sollen Tempo-Anzeigetafeln und bauliche Maßnahmen die Geschwindigkeit drosseln. Womit man wieder beim Ausgangspunkt wäre: Ob die Großplakate an den Ortszugängen schon am 15. März um 18 Uhr überflüssig werden oder erst 14 Tage später nach einer Stichwahl, darauf werden noch Wetten angenommen.

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