Lärm im Wohngebiet: Die Grüne Halle ist gescheitert

22.8.2016, 06:00 Uhr
„Da ist alles versucht worden“: Auch abgesehen von Fehlern, die der Betreiber gemacht habe, sei die Lärmproblematik hier, mitten im Wohngebiet, wohl nicht in den Griff zu bekommen, sagt Ordnungsamtsleiter Hans-Peter Kürzdörfer.

„Da ist alles versucht worden“: Auch abgesehen von Fehlern, die der Betreiber gemacht habe, sei die Lärmproblematik hier, mitten im Wohngebiet, wohl nicht in den Griff zu bekommen, sagt Ordnungsamtsleiter Hans-Peter Kürzdörfer. © Archivfoto: Hans Winckler

Kirschblütenfest, Schottenfest, Indisches Lichterfest – die Grüne Halle im Südstadtpark ist eng verbunden mit diesen Veranstaltungen. Auch Jazz-Konzerte hatten hier einen festen Platz.

Diese Termine, die den Kulturkalender der Stadt bereicherten, waren nach allem, was sich bisher herauskristallisiert hat, nicht das Problem für die Anwohner. Bis 22 Uhr waren sie schon beendet. Sie wären damit auch in Zukunft möglich gewesen. Und doch auch wieder nicht.

Denn: Allein mit solchen Veranstaltungen kann die Halle nicht wirtschaftlich betrieben werden. Das Geld brachte die Vermietung der Location für Tagungen, Firmen-Events und private Feiern – speziell türkische Hochzeitsfeiern. Und hier lief einiges aus dem Ruder.

Für die Halle mit ihren Betriebszeiten von 6 bis 22 Uhr gab es eine Vereinbarung mit der Stadt: An 18 Tagen im Jahr durfte länger als bis 22 Uhr gefeiert werden. "Jahrelang gab es keine Beschwerden. Aber auf einmal waren da nicht 18 Veranstaltungen, sondern etliche mehr", sagt Ordnungsamtsleiter Hans-Peter Kürzdörfer auf Nachfrage. Der Betreiber habe sich nicht immer an die Spielregeln gehalten.

Als Anwohner – Kürzdörfer spricht von zwei, drei Personen – über Lärm an Abenden klagten, die in der Liste der 18 Termine gar nicht enthalten waren, bat die Stadt um eine Erklärung. Wie sich herausstellte, wurde das Ende im Mietvertrag teils auf 22 Uhr festgelegt – intern aber wurde den Feiernden offenbar signalisiert, dass das nicht so eng zu sehen sei. "Die Gäste haben sich nicht daran gehalten und wurden von der Firma nicht reglementiert", sagt Kürzdörfer. Selbst wenn der Chef womöglich nichts davon wusste, sei er verantwortlich.

Radau bis nach Mitternacht

Die Ruhestörung verursachte nicht der Betrieb in der Halle, der Schallschutz war Kürzdörfer zufolge ausreichend. Laut aber wurde es, wenn im Laufe des Abends Hunderte Gäste in heiterer Stimmung das Fest verließen. Laut wurde es auch bei einem unangemeldeten Hochfeuerwerk. Ärger bereitete zudem die Parksituation: Mangels ausreichender Stellplätze seien Autos manchmal im Park, teils auf der Grünfläche, abgestellt worden.

Das mit den Hochzeitsfeiern sei in der Tat etwas eskaliert, gibt Geschäftsführer Jürgen Schulz zu. "Da gab es ein paar Ausreißer, das war ein Überwachungsfehler von unserer Seite." Anfangs sei er selbst stets vor Ort gewesen, da habe alles gut geklappt.

Seit 2014 spielten Hochzeiten eine immer größere Rolle. Auch die erste türkische Hochzeit fand in dem Jahr statt, sagt Schulz. Er sei davon ausgegangen, dass diese Feiern, die anders ablaufen als deutsche, in der Regel bis 22 Uhr beendet sein würden. Der Plan ging nicht auf: Oft wurde es 23 Uhr, manchmal, so Schulz, halb eins. Die im Park abgestellten Autos dagegen seien nicht von Gästen gewesen. "Jeder kann da reinfahren."

Nach den Beschwerden machte die Stadt mehr Auflagen, um den Lärm zu mindern, sagt Kürzdörfer: Raucher durften nur auf der Seite stehen, die am weitesten von der Wohnbebauung weg war; nur ein Ausgang durfte benutzt und von Taxis angefahren werden; der Sicherheitsdienst wurde verstärkt. Der Amtsleiter und seine Mitarbeiter waren nachts vor Ort, um Lärm zu messen und Sperrzeiten zu überprüfen, schauten auch an Tagen vorbei, an denen kein Fest angemeldet war.

Vertrauen verloren

Als das Ordnungsreferat plante, die Zahl der Ausnahme-Veranstaltungen auf zehn zu reduzieren, hatten die Beschwerdeführer das Vertrauen in den Betreiber und die Stadt schon verloren. Eine Frau klagte und bekam im Februar vom Verwaltungsgericht bestätigt, dass die Baugenehmigung ein Ende um 22 Uhr diktiert. Ausnahmen seien – anders als die Kommune annahm – nicht möglich. Die Stadt habe zuvor lange nach einem Kompromiss gesucht, so Kürzdörfer, weil man die Halle, die 2011 schon als Markthalle gescheitert war, nicht auch als Veranstaltungsort verlieren wollte. Eine Lösung sieht er nicht mehr: "Da ist alles versucht worden, aber man muss erkennen, dass die Veranstaltungsstätte mitten im Wohngebiet nicht funktioniert." Der Konflikt sei wohl unlösbar.

Schulz blickt enttäuscht zurück: Die Grüne Halle sei von Anfang an als Markt- und Veranstaltungshalle konzipiert gewesen, viel Geld wurde 2003 in die Akustik investiert. Vergeblich. Schulz hat das Gebäude inzwischen verkauft, den Namen des neuen Eigentümers will er nicht nennen. Geplant seien Büroräume.

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