Laubendorf: Halbschranken erst in vier bis fünf Jahren

20.11.2017, 06:00 Uhr
Der letzte in einer Reihe von Unfällen am Bahnübergang Laubendorf: Mitte September wurden in einem Schulbus drei Kinder verletzt.

Der letzte in einer Reihe von Unfällen am Bahnübergang Laubendorf: Mitte September wurden in einem Schulbus drei Kinder verletzt. © Archivfoto: ToMa

An einem Freitagmorgen war ein Klein-Schulbus mit sieben Schülern im Alter von acht bis zehn Jahren in Richtung Lohe unterwegs. Am unbeschrankten, nur mit einem Andreaskreuz gesicherten Bahnübergang bei Laubendorf krachte das Fahrzeug in die Regionalbahn Richtung Fürth. Der 70-jährige Busfahrer blieb unverletzt. Drei Kinder wurden leicht verletzt ins Krankenhaus gebracht, die anderen vier erlitten einen Schock.

Die Langenzenner SPD-Stadtratsfraktion war daraufhin mit ihrer Geduld am Ende, denn es handelte sich nicht um den ersten Unfall an diesem Bahnübergang. Einstimmig hat der Stadtrat der Zennstadt diese Woche den Antrag der Sozialdemokraten unterstützt, die Bahn zum raschen Handeln zu drängen.

Nötig sind, wie berichtet, eine Lichtzeichenanlage und Halbschranken. Die Stadt bietet an, sich als Baulastträger der Straße an der besseren Sicherung des besagten Kreuzungspunktes planerisch und finanziell zu beteiligen.

Mehr noch: Sie offeriert, auf eigene Kosten in Vorleistung zu gehen, wenn dies die Realisierung des Projekts beschleunigt.

In der mittelfristigen Finanzplanung Langenzenns sind bereits 200 000 Euro dafür eingeplant. Die Stadt erklärt sich sogar bereit, die Kostenanteile von Bahn und Bund, die generell anfallen, auf längstens zehn Jahre ohne Zinsen vorzufinanzieren — sofern dem gefährlichen Zustand am Bahnübergang dadurch rascher abgeholfen werden kann.

Richard Brand, der geschäftsleitende Beamte im Langenzenner Rathaus, muss allerdings trotz aller weitgehenden Bemühungen vor Euphorie warnen. Denn die Bahn hat in einem Gespräch Ende Oktober erklärt, dass die Stadt Langenzenn den Bahnhübergang nicht auf eigene Veranlassung mit einer technischen Sicherung ausrüsten lassen kann; dafür sei stets ein förmliches Planfeststellungsverfahren unter Mitwirkung und mit Zustimmung der DB Netz AG erforderlich.

Zwar könne die Stadt auch selbst die Einleitung des Verfahrens beantragen, die Dauer des bürokratischen Ablaufs werde dadurch aber nicht verkürzt, sondern eher verlängert, so beschied ein Bahn-Sprecher: "Die DB Netz AG geht davon aus, dass für ein Planfeststellungsverfahren ein Zeitraum von vier bis fünf Jahren erforderlich sein wird."

Sofern nicht auch noch Klageverfahren anhängig werden, dann dauere es nämlich noch länger. Selbst wenn Langenzenn die Kosten alleine tragen wollte und wenn das überhaupt zulässig wäre, könne dies die Verfahrensdauer nicht verkürzen.

1997 hatte das noch ganz anders gelautet. Auf Anfrage der Stadt hatte die Bahn verlautbart, eine Sicherungsanlage sei technisch und rechtlich nicht möglich, die Kommune könne aber selber dafür zahlen, dann sei binnen neun Monaten alles fertig.

2007 ereignete sich ein Unfall mit einem Todesfall. 2007, 2008: Die Stadt fragt bei der DB nach Lösungen, es kommt keine Antwort. 2010: Langenzenn fordert dringend zum Handeln auf. 2011: Die Bahn teilt mit, alle Unfälle seien auf Fehlverhalten der Verkehrsteilnehmer zurückzuführen, daher sei Laubendorf nicht dringlich, zunächst sei mit einer Modernisierung der Übergänge Ziegenberg, Koramik und An der Bleiche zu rechnen.

Behörde reagiert nicht

2015: Zwei Unfälle mit Verletzten; keine Antwort der Bahn. 2016: Sogar das Eisenbahnbundesamt befürwortet eine Sicherung mit Lichtzeichen und Schranken. Mai 2017: Bei einem Ortstermin direkt an der Gefahrenstelle sieht die DB keinen Grund, ihre Meinung zu ändern.

15. September 2017: Unfall mit dem Schulbus. 27. September: Die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung hat Ermittlungen aufgenommen.

Es bleibt dem Stadtrat nun also lediglich die energische Forderung an die Bahn, unverzüglich ein Verfahren einzuleiten und einstweilen alle Züge mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit den Laubendorfer Übergang kreuzen zu lassen.

"Im Schnitt passiert dort ein Unfall im Jahr", beklagte SPD-Stadtrat Stefan Spano. "Wir können nur froh sein, dass zuletzt nicht mehr passiert ist."

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