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Leere Flaschen, bitte: Bekommt Fürth Pfandringe?

Der Nutzen des Grünen-Vorstoßes ist allerdings umstritten - 07.09.2020 06:00 Uhr

Ist ein Abfalleimer mit einem Pfandring versehen, können dort Pfandflaschen bequem abgestellt, aber auch eingesammelt werden.

03.09.2020 © Foto: David Ebener/dpa


Frankfurt versucht es jetzt. Die Stadt hatte bisher gezögert, zumal ein Versuch im nahen Offenbach schon gescheitert ist. Seit kurzem aber findet man nun auch in der Frankfurter Innenstadt Pfandringe. Corona gab den letzten Anstoß.

Denn: Gefeiert wird in Zeiten der Pandemie draußen. Der Weg zum Rückgabe-Automaten im Supermarkt indes ist vielen zu weit, lieber verzichten sie aufs Pfand. Das Abfallverhalten habe sich verschlechtert, sagte jüngst Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) dem Hessischen Rundfunk. Leere Flaschen landen noch häufiger als sonst im Gebüsch oder im Müll.

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Den gleichen Eindruck haben die Fürther Grünen. Es sei höchste Zeit, schreiben sie in einer Pressemitteilung, Pfandringe oder Pfandblumen auch in Fürth zu testen. Sie werden an Abfalleimern oder direkt daneben angebracht. Im Vorbeigehen kann man das Leergut hineinstecken.


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Das ermögliche zum einen, Flaschen zu recyceln, die sonst im Restmüll gelandet wären. Ressourcen werden geschont, Abfalleimer quellen womöglich seltener über. Zum anderen denkt die Stadtratsfraktion an Flaschensammler, die sich mit dem Pfand etwas Geld hinzuverdienen: Sie müssten nicht mehr im Müll suchen.

Ekliges und Scherben

Beim Herausfischen der Flaschen stoßen sie bisher auf allerlei Ekliges, so die Grünen, und können sich an Scherben verletzen. "Das Sammeln wird diskreter, würdevoller und weniger gesundheitsgefährdend."

Dass die an sich gute Idee in der Praxis jedoch ihre Tücken hat, haben die Stadträte auf dem Schirm. Da das Konzept vielerorts schon erprobt wurde, könne Fürth "auf diverse Erfahrungen zurückgreifen und aus den Schwierigkeiten anderer Städte lernen". Offenbar sei es von Ort zu Ort unterschiedlich, wie gut die Ringe angenommen werden. Hervorragend klappe es zum Beispiel in Erlangen.

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Dort hatten 2017 das Jugendparlament und der Seniorenbeirat gemeinsam den Test angestoßen, inzwischen hat Erlangen weitere Pfandblumen angeschafft. Allerdings, das teilte die Abfallwirtschaft dem Jugendparlament im Mai auch mit, sei leider unklar, wie viel Leergut tatsächlich in den beiden Testringen landete: Sie seien fast immer leer gewesen, wenn das Personal vorbeikam.

In Offenbach und anderen Städten dagegen wurden eher Coffee-to-go-Becher oder anderer Müll hineingesteckt. Auch Bamberg – 2014 testete die Stadt als erste in Deutschland die Ringe – hat das Pilotprojekt damals nicht ausgeweitet. An den beiden Stellen seien keine messbaren Effekte erkennbar gewesen, hieß es.

Nürnberg lehnte ab

In Nürnberg wurde auf Initiative der CSU 2014/15 ebenfalls über Pfandringe nachgedacht. Die Stadt lehnte den Einsatz ab. "Wir erkennen keinen Nutzen für Flaschensammler", sagte Bürgermeister Christian Vogel (SPD) seinerzeit. "Wir halten es sogar für möglich, dass sie ihnen schaden." In Befragungen hätten viele Flaschensammler angegeben, dass sie lieber keine Pfandringe wollen – weil sie fürchteten, dass ihnen andere dann das Leergut wegschnappen. Probeweise hatten damals städtische Mitarbeiter Pfandflaschen eingestellt. Vogel berichtet: "Sie wurden nach kurzer Zeit von Anzugträgern mitgenommen, nicht von Bedürftigen." Gleichzeitig blieben Abgabe-Vorrichtungen im Testlauf überwiegend leer.

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Mit dem Antrag der Fürther Grünen befasst sich der Umweltausschuss am 17. September. Bis dahin will sich das Umweltamt ein Bild machen, wie der stellvertretende Amtsleiter Markus Schmid auf Nachfrage sagte. Die relevanten Behörden – Tiefbauamt, Grünflächenamt und das Sozialreferat – werden einbezogen.

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