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Montag, 22.07.2019

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Leerstand am Zirndorfer Marktplatz

Stadtzentrum leidet unter geschlossenen Wirtshäusern - 02.01.2019 21:00 Uhr

Verwaist sind derzeit die prägenden Wirtshäuser am Zirndorfer Marktplatz: Rechts das Café Maroni im ehemaligen Quartier des Roten Ochsen, im Hintergrund der Goldene Löwe. © Foto: Dittmar


Die Türen geschlossen, die Lichter gelöscht: Die beiden gastronomischen Magneten im Zentrum der Bibertstadt haben schon bessere Zeiten erlebt. Zuletzt bei der Zirndorfer Musiknacht Anfang November, als rund 1000 Besucher zwölf Innenstadt-Wirtshäuser bevölkerten.

Doch der Erfolg ist kein Selbstläufer. Und manchmal kommt es eben knüppeldick. Wie derzeit für Murat Bülbül, Inhaber des verwaisten Cafés Maroni und des ebenso vorübergehend geschlossenen Goldenen Löwen. Statt unbeschwert ins neue Jahr starten zu können, muss sich der Gastronom nun verstärkt um die Zukunft seiner Objekte kümmern.

Altbau aufgemöbelt

Nachdem er zehn Jahre lang das Café Maroni selbst betrieben hatte, wollte er sich mit der Verpachtung des im Jahr 2000 unter seiner Regie aufwändig generalsanierten Baudenkmals Rotes Ross eigentlich zurückziehen. Schließlich hatte er mit dem CineHotel Maroni nebenan eine weitere Einnahmequelle erschlossen.

Doch sein Wirtshaus-Pächter hatte kein Glück und verlängerte den zum Jahreswechsel ausgelaufenen Mietvertrag auf eigenen Wunsch nicht. Nun will Bülbüls Ehefrau Gül das Café Maroni mit Biergarten weiterführen. Sie betreibt zusammen mit ihrem Mann die Cafeteria im Nürnberger Südklinikum.

"Ein völlig neues Konzept" hat Murat Bülbül im Sinn. Er möchte weg von der traditionelle Speisewirtschaft mit Verzehrzwang und dafür einen Schnabuliertreff mit Gaumenkitzel wie Bioweinen und Käsespezialitäten etablieren. Der Auftrag für die neue Einrichtung sei bereits vergeben worden. Im Februar oder März soll das neue Maroni seine Pforten öffnen.

Hohe Kosten

Als reiner Glücksfall hat sich auch das von Bülbül vor einem Jahr mit finanzieller Unterstützung durch die Tucher Brauerei erworbene Traditionswirtshaus Goldener Löwe nicht erwiesen. Mitschuld an der Misere gibt Bülbül den allgemein verschlechterten Rahmenbedingungen für die Gastronomie.

Die zweimalige Erhöhung der Mindestlöhne für das Personal und der enorme Anstieg der Nebenkosten graben vielen Wirten das Wasser ab. "Manchmal verschlingen die Nebenkosten bereits so viel wie die Pacht", sagt Bülbül. Zudem werde es immer schwieriger, Personal zu finden.

Der Pächter des Goldenen Löwen musste vor zwei Monaten schon den Betrieb seiner böhmisch-fränkischen Küche einstellen. Ein persönliches Anliegen war es dem parteilosen Zirndorfer Stadtrat und dritten Bürgermeister Bülbül bei der Übernahme des Wirtshauses, dass in der Gaststätte kein Münchner Bier ausgeschenkt wird. Um die Zukunft ist ihm nicht bange. Zum einen kümmere sich Tucher um die Verpachtung, zum anderen gebe es bereits Gespräche mit Interessenten.

Sollte sich kurzfristig kein neuer Pächter finden, kann sich Bülbül auch vorstellen, selbst wieder einzusteigen. Schließlich hat er das gastronomische Handwerk im Hotel Forsthaus von der Pike auf gelernt und verfügt über eine 30-jährige Erfahrung. Sukzessiv möchte er bis 2023 den Goldenen Löwen aufmöbeln. Zunächst in diesem Jahr die Fassade, 2020 dann den Saal.

Damit er sich künftig wieder verstärkt der Gastronomie widmen kann, will Murat Bülbül bei der nächsten Kommunalwahl 2020 nicht mehr kandidieren. Zwölf Jahre Stadtratsarbeit sind genug, meint der 52-Jährige. Die Erfahrungen aus dieser Zeit will er jedoch nutzen, um den Tourismus in der Bibertstadt weiter voranzubringen. Der sei nicht nur für Zirndorfs Wirtshauslandschaft wichtig, sondern auch für die Kaufkraft und das Image. Um dieses Ziel zu erreichen, wäre nach Bülbüls Einschätzung eine stärkere Beteiligung der örtlichen Unternehmen hilfreich.

Und auch zugkräftige Feste, für die sich der Zirndorfer in der Vergangenheit gern ins Zeug gelegt hat, dürfe man nicht vernachlässigen, um attraktiv zu bleiben. 

Volker Dittmar

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