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Leidensdruck als Antriebskraft

Kulturring-Vorstand und NN-Preisträger Axel Voss zur Lage der Kunst in Fürth - 29.07.2011 09:00 Uhr

Ein NN-Kunstpreisträger ganz oben: Der Fürther Axel Voss auf dem Dach der historischen Central-Garage, derzeit Ausstellungsstätte. © Mark Johnston


Für Voss, der zusammen mit Lutz Krutein, Mona Burger und Christine Regenberg den Kulturring C für Bildende Künstler in Fürth leitet, brachte der Geldregen eine dringende Erleichterung. Kommunale Sparmaßnahmen setzen auch die Kunst unter Druck. Die Schließung der Kunstgalerie konnte gerade noch einmal abgewendet werden, Kulturförderpreise werden nur noch alle zwei Jahre vergeben — aber dafür ist der 45-jährige Voss ohnehin schon zu alt.

Die großformatigen Siebdrucke, auf die sich Voss spezialisiert hat, sind kostenintensiv, Verkäufe und Preisgelder nötig, um diese Arbeit finanzieren zu können. „Einnahmen investiere ich sofort in neue Werke“, sagt der seit 1992 in Fürth lebende Münchner. Dass es so eng werden wird, habe er sich während der Ausbildung an der Nürnberger Kunstakademie nicht träumen lassen. Andererseits seien die Widerstände auch Antriebsmomente. Die Not schweißt gewissermaßen zusammen. Voss sagt dies ohne Begeisterung. Fürth gelte zwar immer noch als Kunstoase, doch den Künstlern werde zunehmend die Grundlage entzogen. Billige Altbau-Ateliers werden zu einträglicheren Wohnungen umgebaut und großzügige Ausstellungsstätten sind rar.

Für Voss steht fest: „Wenn die Miete für mein Atelier in der Friedrichstraße erhöht wird, suche ich mir einen Platz zum Schaffen in Nürnberg.“ Auch wenn er der neuen Fürther Kulturreferentin Elisabeth Reichert große Aufgeschlossenheit attestiert, hat die Nachbarstadt in den Augen des Preisträgers für Kunst deutlich mehr übrig als Fürth. Die Centralgarage in der Mathildenstraße, die dem Kulturring C bis 7. August als Schauplatz einer großen Sammelausstellung zu seinem 30-jährigen Bestehen dient, ist zwar ein Hingucker, aber völlig marode. Wochenlang haben die Künstler geschuftet, um den Altbau herzurichten. Kein Zustand, wie Voss meint.

Nur eine Notlösung ist in seinen Augen auch die ehemalige Kinderklinik, in der sich momentan kreative Kräfte einrichten. Die Räume seien zu klein, größere Ausstellungsmöglichkeiten Fehlanzeige. Voss spricht von einer im Grunde ungeeigneten Kasernierung.

Vom Aufschwung der Wohnqualität in Fürth ist die Kunst, so der Preisträger, weitgehend abgekoppelt. Dabei sei der stetige Zuzug Besserverdienender doch eine ideale Voraussetzung für künstlerische Einrichtungen. Die Arbeit im Kulturring C bezeichnet Voss als Überlebenskampf. Das künstlerische Potenzial sei nach wie vor hervorragend, doch die Arbeitsbedingungen würden zunehmend schwieriger.

 

Volker Dittmar

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