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Licht und Farbe für Bunker

Betonbau in Fürth löst sich aus seinem historischen Schatten - 25.10.2011 16:00 Uhr

Bauherr Niels Bauerfeld vor dem fast fertiggestellten Wohnbunker in Fürth-Ronhof. In Kriegszeiten bot das Gebäude über 1000 Menschen Schutz. © Hans-Joachim Winckler


Auf Nummer sicher wohnt es sich einfach besser. Eine Erfahrung, die bereits die ersten Höhlenmenschen gemacht haben dürften. Ihre privilegierten Nachfahren zogen sich in Burgen zurück, die auch heute noch für exklusiven Lebensstil stehen. Dem Fortschritt der Kriegsgeräte hielten sie freilich nicht lange Stand. Und auch die martialische Weiterentwicklung namens Hochbunker ist überholt. Doch im Gegensatz zu den Burgen kommt ihre neue Nutzung nur schwer in Gang. Dennoch gibt es in Fürth interessante Beispiele alternativer Verwendung.

Allen Sprengversuchen hat sich der Unterfarrnbacher Bunker widersetzt. Nachdem Bemühungen, die Ruine halbwegs wohnlich zu gestalten, zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt hatten, machte der jetzige Besitzer aus der Not eine Tugend und setzte ein teilweise aufgeständertes Wohnhaus einfach quer auf das acht Meter hohe Bunkerdach. Nur über eine lange Freitreppe kann die „Arche“ betreten werden.

So erhebt sich modernes Wohnen luftig über die Schatten einer wenig anheimelnden Vergangenheit. Das einem subtropischen Baumhaus abgeschaute und vom Nürnberger Architekturbüro „Haushoch“ umgesetzte Prinzip wurde sogar mit einem Bauherrenpreis für hohe Qualität bei überschaubaren Kosten ausgezeichnet.

Anspruchsvolles Wohnen in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Baumwipfeln: Größer kann der Kontrast zum verzweifelten Ausharren im Bunker darunter während der Bombardements vor knapp sieben Jahrzehnten kaum sein.

Auch im Ronwaldbunker an der Regnitz drängten sich in den Kriegstagen die Schutzsuchenden. Später diente der Betonkoloss Flüchtlingen als Behelfsquartier. Im vergangenen Jahr wurde seine Verwandlung in ein außergewöhnliches Wohnquartier in Angriff genommen. Mit einer diamantbeschichteten Seilsäge wurden insgesamt 24 jeweils 2,4 mal 3 Meter große Fensteröffnungen aus den 1,10 Meter dicken Stahlbetonwänden gesägt. In sechsmonatiger Schwerarbeit erhielt das Licht Zugang ins Reich der Dunkelheit. Raffiniert die Verwendung der tonnenschweren Abfälle. Die gevierteilten Ausschnitte wurden zur Befestigung des Abhangs zum Flusstal hinter dem Bunker einfach im Boden versenkt.

Multifunktional sind auch die direkt am Bunker angebauten Garagen: Ihre belastbaren Dächer können als 30 bis 50 Quadratmeter große Balkone genutzt werden. Wo einst bis zu 1075 Menschen Schutz vor dem Bombenhagel fanden, entstehen vier rund 115 Quadratmeter große Lofts und vier Appartements.

2008 hatte der 43-jährige Fürther Niels Bauerfeld den nutzlos gewordenen Koloss ersteigert. Die Vision vom Wohnen im Bunker faszinierte ihn von Anfang an. „Ich habe gesehen, dass sich aus dem Betonblock etwas machen lässt“, erklärt Bauerfeld seine Begeisterung für die schwierige Materie.

Blick aufs Tal

Er selbst will in die obere Etage einziehen. Von hier aus geht der Blick weit über das Regnitztal hinweg. Keine Spur mehr ist von der einstigen Beklommenheit übrig geblieben. Die stählernen Bunkertüren sind nur noch Dekoration, die massiven Betonmauern mit Wegweisern in Leuchtfarbe ein Hingucker. Bauerfeld möchte sie deshalb auch nicht verschalen.

Äußerlich wurde der Bunker jedoch in einen 15 Zentimeter dicken Styropormantel eingepackt, um der Schimmelbildung vorzubeugen. Eine Fußbodenheizung sorgt für wohlige Wärme. Solarthermie und eine Gastherme mit effizienter Brennwerttechnik sichern die Energiezufuhr.

Als Bayerns erster der in den 70er Jahren nochmals nachgerüsteten Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg war der Ronwaldbunker erst im April 2007 seiner Schutzfunktion entbunden worden. Damals träumte Fürths Zivilschutzbeauftragte, Petra Wein, noch von einem Bunkermuseum. Inzwischen hat der Koloss seine Düsternis verloren. Freundlich gestaltet wird auch das Entree aus Glas und Aluminium. In Fürth ist die erstmalige Umwandlung eines Bunkers in Wohnraum beispielhaft. Denn noch warten weitere Bunker auf eine sinnvolle Nutzung unter friedlichen Vorzeichen.

Deutlich macht das Beispiel des Ronwaldbunkers aber auch: Die Umwandlung hat ihren Preis. Alle Handwerkerleistungen sind Herausforderungen. Das Ergebnis rechtfertigt den Kraftakt jedoch allemal. 

Volker Dittmar

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