Literarischer Enthusiasmus im Turbinenhaus

22.11.2010, 16:00 Uhr
Wettbewerbssieger Matthias Kröner mit der Zweitplatzierten Paula Fürstenhöfer aus der Schweiz (li.) und der aus Teheran stammenden Autorin Aye Alavie.

© Hans Winckler Wettbewerbssieger Matthias Kröner mit der Zweitplatzierten Paula Fürstenhöfer aus der Schweiz (li.) und der aus Teheran stammenden Autorin Aye Alavie.

Marco Frohberger liebt Wörter. Seit er mit zwölf seine erste Kurzgeschichte verfasste, hat den Fürther die Leidenschaft für Literatur nicht mehr losgelassen. 2005 etablierte der 30-Jährige, der sich beruflich bei der Deutschen Bahn als Vertragsmanager um den DB-Immobilienbestand kümmert, im Alleingang einen Preis für Gleichgesinnte, die ebenso begeistert sind vom Schreiben, wie er selbst.

Dass die drei Ausgezeichneten nun ausgerechnet im stimmungsvollen Turbinenhaus der Foerstermühle geehrt wurden, passt wunderbar ins Bild; die Energie, die Frohberger vorantreibt, breitet sich aus. Längst hat der engagierte junge Mann Mitstreiter gewinnen können. So wird zum Beispiel das Preisgeld in Höhe von 750 Euro von Ingrid Kliem gestiftet. Das Kulturamt der Stadt und das Literatur-Update Bayern 2010 unterstützen das Projekt, Oberbürgermeister Thomas Jung übernahm die Schirmherrschaft.

Wichtiger Zettel

Als dessen Vertreter erklärte Bürgermeister Markus Braun, der OB habe ihm einen Zettel mit der Notiz „Frohberger gut behandeln“ zukommen lassen. Braun: „Zuerst war ich erschrocken und dachte, das mache ich doch immer, aber dann kam die Erklärung: Frohberger leiste ganz viel für fast kein Geld.“

Die Währung, um die es hier geht, heißt Enthusiasmus. Ein Treibstoff, der spürbar auch die bewegt, die auf den Aufruf zum Geschichtenschreiben reagierten. Eine Jury aus Literaturkritikerin Inge Rauh, Publizist Heinz Neidel und Manfred Rothenberger, Direktor des Instituts für moderne Kunst in Nürnberg, wählte unter den Einsendungen drei Preisträger aus. Den ersten Platz belegt der in Lübeck lebende Nürnberger Matthias Kröner (33) mit dem Text „Vogelflugstudien“. Aye Alavie (36), die aus Teheran stammt, folgt mit „Persimone“ und Paula Fürstenberg (23) aus der Schweiz mit „Rufus“. Die drei Ausgezeichneten trugen ihre prämierten Arbeiten vor. Marc Kassel rundete den Abend mit Gitarrenklängen ab.

Ganz besonders herzlich von den Zuhörern aufgenommen wurde die junge Autorin Alavie, die nach schwierigen Zeiten erst vor sieben Jahren nach Deutschland kam, bereits in ihrer Heimat Iran erste Schreib-Erfahrungen sammelte und Germanistik studierte. Frohberger: „Sie hat gesagt, dass sie sich heute Abend in Fürth zum ersten Mal in Deutschland richtig angekommen fühlt.“

30 Texte aus den rund 500 Einsendungen, die aus aller Welt nach Fürth kamen, sind jetzt in einer Anthologie mit dem nach allen Seiten offenen Titel „Jetzt“ nachzulesen. „Auf das Thema hat mich Renate Schmidt gestoßen“, verriet der Initiator. „Nachdem 2009 die Überschrift ,Augenblick‘ hieß, meinte sie, dann sei als Nächstes doch am besten ,Jetzt‘ an der Reihe. Die Idee hat bei mir das Feuer wieder entfacht.“ Die ehemalige Bundesministerin zählte ebenfalls zu den rund 80 Gästen in der Foerstermühle.

Axel Dielmann, Verleger der Anthologie aus Frankfurt, legte anschließend schon einmal für die nächste Runde vor: „Ich will auch im kommenden Jahr wieder hier stehen“, machte er unmissverständlich klar.

„Jetzt“: Texte zum Antho?-Logisch!-Literaturpreis 2010, Herausgeber Marco Frohberger, Axel-Dielmann-Verlag, ISBN 978-3-86638-147-6, 16 Euro.