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Lizzy Aumeier und die Grenzen der Selbstironie

Beim Offensiv-Humor im Ronhof verhallen leider die leiseren Töne - 16.08.2020 12:00 Uhr

Kabarettistin Lizzy Aumeier, hier bei einem früheren Auftritt in Neumarkt, hat von einer Pandemie mehr erwartet als „daheim bleiben und Hände waschen“.

14.08.2020 © Foto: Wolfgang Fellner


Aumeier, die unter vielen Preisen zuletzt 2019 den Schwäbischen Kabarettpreis gewann und als Künstlerin geehrt wurde, "die die Narrative der Blender und Geblendeten zerlegt", sah sich am Donnerstagabend mit Vor- und Nachteilen dieser einstweiligen Comödien-Bühne konfrontiert. Der entscheidende Pluspunkt liegt dabei sicher in der Tatsache, dass das Open-Air-Konzept überhaupt Auftritte zulässt von Künstlern, die zum Teil seit März arbeitslos waren.

So geht es denn auch am Anfang zunächst um die Corona-Zeit. "Wer hat zugenommen?", fragt Aumeier ins Publikum, und "Wer hat über Scheidung nachgedacht?" Das Schlimmste am Nichtstun, erklärt sie gleich darauf, sei ja, dass man nicht wisse, wann man damit aufhören solle. Da kommt es dann zu Gedanken, die sich in der Hektik des Alltag sonst nie einstellen würden. Dass Che Guevara und Donald Trump am selben Tag Geburtstag haben, zum Beispiel, und die Frage, warum nur einer der beiden erschossen wurde.

Das produziert natürlich die erwarteten Lacher, ist aber weniger pointierte Gesellschaftskritik als vielmehr umstandslose und sehr grob geschnitzte Volksbelustigung. Allzu viel mehr bringen die 90 Minuten vor der Südtribüne nicht. Dass man von einer Katastrophe mehr erwartet hätte als "daheim bleiben und Hände waschen", dass frau niemals die Schrecken einer Männergrippe unterschätzen sollte, und dass der Gesundheitswahn nicht nur von Frauen ab 50 mitunter abstruse Auswüchse annimmt, das alles thematisiert Aumeier selbstironisch und pointiert wie immer; aber letztlich ist das nichts, was man bei ähnlichen Veranstaltungen nicht schon Dutzende Male gehört hätte.

Beklemmend wird es einen Moment lang, als Aumeier wie nebenher von den Mord- und Gewaltdrohungen spricht, die über die sozialen Medien als Reaktion auf ihre Kritik an Alice Weidel bei ihr eingingen - so nebenher, als seien sie keinen Aufschrei und keine Abscheu wert, so nebenher, dass das Publikum den Skandal, der in diesen Worten ent-halten ist, kaum wahrzunehmen scheint.

Stattdessen lädt Aumeier die Zuschauer immer wieder zum Mitmachen ein, sei es nun in einem Filmmusikquiz, bei dem Geigerin Svetlana Klimova die Melodien erklingen lässt, oder in einem improvisierten Dialog zwischen Sissi und Franz, bei dem jeder Satz mit dem jeweils nächsten Buchstaben des Alphabets beginnen muss. Dabei zeigt sich einer der Nachteile des Stadions als Bühne: Der Funke kann über die Distanz nur schwer überspringen, weil die Intimität des geschlossenen Raumes fehlt, vielleicht auch die Atmosphäre der beleuchteten Bühne.

Als Zugabe zeigt Lizzy Aumeier zusammen mit ihrem Ehemann einen Puppen-Porno à la Augsburger Puppenkiste, der seinen Witz aus der Verbindung von eigentlich Unvereinbarem bezieht. Nun ja.

SIGRUN ARENZ

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