Auszeichnung

Lob und Kritik: Fürth ist fahrradfreundliche Kommune

5.10.2021, 06:00 Uhr
Unterwegs durch die Stadt: Fünf für den Radverkehr relevante Stationen im Stadtgebiet steuerte der Tross auf seiner rund zehn Kilometer langen „Bereisung“ an.

Unterwegs durch die Stadt: Fünf für den Radverkehr relevante Stationen im Stadtgebiet steuerte der Tross auf seiner rund zehn Kilometer langen „Bereisung“ an. © Foto: Thomas Scherer

"Wir hatten der Stadt bei unserem letzten Besuch 2017 einige markante Stellen genannt, an denen es Verbesserungsbedarf gab", erklärt Sarah Guttenberger von der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommune (AGFK), die jetzt zusammen mit ihrer Kollegin Vanessa Rösch und Birgit Zehetmaier vom Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr sowie Klaus Helgert vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) zur sogenannten "Hauptbereisung" antraten – bei der es für die jeweiligen Bewerber um die Wurst geht.

Gemeinsam mit gut 20 weiteren Vertreterinnen und Vertretern der Stadt steuerten sie nun auf einer gut zehn Kilometer langen Radtour die kritischen Stellen erneut an, um sie unter die Lupe zu nehmen. Begleitet von den beiden Verkehrsexperten der Fürther Polizei, Christian Daßler und Alexander Scheinpflug, setzte sich der Korso vom Technischen Rathaus in der Hirschenstraße aus in Bewegung.

Die Streckenführung hatte man im städtischen Baureferat akkurat abgestimmt, mehrfach checkte Maximilian Hartl, zuständiger Abteilungsleiter der Verkehrsplanung, die fünf Stationen: Von der Hirschenstraße über die Hornschuchpromenade, die Haltestellen Stadthalle und Klinikum bis hin zu der jüngst zur Fahrradstraße umgewandelten Dambacher Straße führte die Route.

Fürth verfügt aktuell über ein Netz von knapp 80 Kilometern Radwegen oder aber Gehwegen, die von Radlern und Fußgängern genutzt werden dürfen. Einer Faustregel zufolge kommt auf einen Einwohner einer Stadt ein Fahrrad – das wären in Fürth weit über 100.000. Ziel der Stadtspitze: Der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen soll sich bis zum Jahr 2035 von derzeit rund zehn auf gut 20 Prozent verdoppeln, um dem Klimawandel auch auf diese Weise zu begegnen.

Durchaus lebhaft gestalteten sich die Gespräche während der Zwischenstopps. Vor allem ADFC-Mann Klaus Helgert machte es den Fachleuten der Stadt nicht leicht, verfügt er doch über einen riesigen Erfahrungsschatz in Sachen fahrradfreundliche Kommune – sein Praxiswissen gab er mit Vergnügen weiter. "Wir sind über die konstruktive Kritik des ADFC sehr froh und nehmen Anregungen gerne an", freute sich OB Thomas Jung, selbst passionierter Radler, über jeden Hinweis. Etwa über den auf die noch nicht ausreichende und eindeutige Beschilderung mancher Wege in der Stadt; oder auch auf die Notwendigkeit wettergeschützter Fahrradabstellanlagen. Eine weitere, nicht sehr verwunderliche Erkenntnis: Breite Radwege werden erheblich besser angenommen als schmälere.

Bereits im Vorfeld der "Bereisung" hatte die Kommune einen 18-seitigen, detaillierten Fragenkatalog beantworten müssen. Der Stadtführung schrieben die Prüfer ins Pflichtenheft, die Radverkehrspolitik müsse "stringent, klar und gleichwertig" sein. Nach gut dreistündiger Radtour und 45-minütiger, nicht öffentlicher Beratung verkündete die studierte Geografin Sarah Guttenberger schließlich: Einstimmig habe Fürth den Zuschlag erhalten. "Sie haben ihre Aufgaben mit großer Sorgfalt erledigt", so Guttenberger.

Viel Lob gab es für die in den vergangenen Jahren umgesetzten Maßnahmen, wie etwa die Fahrradstraße, aber auch die Umgestaltung der Billinganlage oder die erfolgreiche Teilnahme am Stadtradeln. Kürzere Ampel-Laufzeiten zu Gunsten von Radelnden konnte die Stadt ebenfalls auf der Habenseite verbuchen.

Merkposten bleiben: die teilweise unzureichende Beschilderung, der Winterdienst auf den Radwegen und die verbesserungswürdige Kommunikation zwischen Radlern und Kommune. Hier, so die Verantwortlichen, arbeite man allerdings bereits ein einer eigenen App. Das Stadtoberhaupt zeigte sich einsichtig: "Wir haben viel in den Ausbau der Radinfrastruktur gesteckt, wissen aber auch, dass einiges zu tun ist, um Radfahren noch attraktiver zu machen", so Jung. So müsse man weiter Lücken im Radwegenetz schließen und die bereits ins Visier gerückte Radschnellverbindung zwischen Fürth und Nürnberg angehen.

In sieben Jahren muss sich Fürth erneut einer Bereisung stellen und den Titel verteidigen – viel Zeit, um nachzulegen.

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