Mittwoch, 25.11.2020

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Lockdown: Viele Schüler wurden nicht mehr erreicht

Bildungsbüro der Stadt Fürth hat sich mit den Auswirkungen beschäftigt - 20.11.2020 11:30 Uhr

So lange wie möglich wünscht sich Schulreferent Markus Braun Präsenzunterricht – das Bild entstand in der Otto-Seeling-Schule.

19.11.2020 © Foto: Hans-Joachim Winckler


"Corona hat bereits bekannte Probleme wie in einem Brennglas noch einmal deutlicher gemacht", sagt Bürgermeister Markus Braun. Deshalb müsse der Präsenzunterricht jetzt so lange wie möglich offen gehalten werden, meint er. Unterfüttern kann er seine Forderung mit Ergebnissen aus dem "Bildungsbericht extra".

Zusätzlich zu dem in zweijährigen Turnus erscheinenden Bildungsbericht, hat das Bildungsbüro der Stadt in diesem Jahr die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auf das Bildungsgeschehen in Fürth untersucht. Einer der wichtigsten Leitsätze von Schulreferent Braun ist stets, dass kein Schüler verlorengehen darf.

Fehlende Kompetenz, mangelnde Motivation

In den Wochen und Monaten ohne Unterricht von Angesicht zu Angesicht wurde der Anspruch offenbar nicht erfüllt: Fünf Prozent aller Fürther Schülerinnen und Schüler konnten dem Bericht zufolge nicht mehr erreicht werden, während die Schulen geschlossen waren.

Das höre sich im ersten Moment nach einem guten Wert an, sagt Braun, "aber in konkreten Zahlen reden wir hier von 500 bis 600 Kindern und Jugendlichen – und das ist eine wirklich große Menge".

Die mutmaßlichen Gründe konnten Kora Maresch-Kern und Veit Bronnenmeyer vom Bildungsbüro dank aufwendiger Nachforschungen recht genau benennen. Mangelnde Sprach- und digitale Bedienkompetenzen waren es wohl in erster Linie bei den Grund- und Förderschülern, während Verweigerung und fehlende Motivation vor allem ein Problem an Gymnasien und den Berufsschulen war.

Diese und eine Reihe weiterer Erkenntnisse ergeben sich aus persönlich geführten Interviews mit insgesamt 13 Schulleitungen. Dabei offenbarten sich auch große Unterschiede bei der Digitalisierung, die in der Krise so wichtig geworden ist. Effektive Fortbildungen der Lehrer auf diesem Feld kamen "meistens aus dem Kreis des Kollegiums, aber kaum aus den Angeboten des Kultusministeriums", so Bronnenmeyer.

Mehr Schüler schafften den Quali

In den Grund- und Mittelschulen sowie den Förderzentren wurden Lernmaterial und Aufgaben fast immer in Papierform und mit der Post verschickt oder selbst ausgefahren. Nachdem dann Ende April der Präsenzunterricht für die Abschlussklassen wieder aufgenommen wurde und diese Schüler besonders intensiv betreut wurden, gab es am Ende des Schuljahrs einige Überraschungen.

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Der Anteil der Jugendlichen, die den Qualifizierenden Mittelschulabschluss erreicht hat, lag mit 62,7 Prozent fast 13 Prozentpunkte höher als 2019. "Wenn etwas so gut funktioniert, stellt sich natürlich die Frage, warum man das nicht immer so macht", meint Bronnenmeyer.

Sorge bereite den Schulleitungen dagegen die Situation der Achtklässler, weil wegen der Einschränkungen so gut wie keine Praktika oder Berufsvorbereitungskurse stattfinden konnten. Ob die vergleichsweise guten Zahlen bei den Mittelschulabsolventen also im kommenden Jahr wiederholt werden, bleibt abzuwarten. Hier plant das Bildungsbüro zudem noch weitere Untersuchungen.

Auswirkungen gab's auch im Kita-Bereich

Auch die Krippen und Kindergärten waren im Frühjahr lange geschlossen. Wie sich dies auf Mitarbeiter und Kinder auswirkte, hat das Bildungsbüro mit Hilfe von Online-Umfragen zu ermitteln versucht. Fast die Hälfte der 128 Einrichtungen hat sich daran beteiligt.

Die Verantwortlichen wiesen vor allem darauf hin, dass sich die Sprachkompetenz und die sozial-emotionale Entwicklung verschlechterten, sowie auf die Gewichtszunahme mancher Kinder durch den Bewegungsmangel.

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Im Fall einer erneuten Schließung wünschten sich die Leitungen bessere Austauschmöglichkeiten mit Kollegen und anderen Häusern oder Trägern. Um den Kontakt zu den Familien aufrecht zu erhalten, erarbeitete sich das Personal meist selbst viele Kompetenzen.

ARMIN LEBERZAMMER

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