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Lust und Last der Denkmalstadt

Netzwerktreffen: Uli Walter informierte Handwerker über Finessen des Gesetzes - 22.03.2013 22:00 Uhr

Die mit viel historischem Verständnis instandgesetzte jüdische Friedhofshalle ist das „Lieblingsbeispiel“ des Fachmanns Uli Walter für denkmalgerechte Sanierung in Fürth. © Hans-Joachim Winckler


„Denkmalstadt“ steht auf den Schildern, die Besucher auf dem Weg nach Fürth empfangen. Wer unter den rund 2000 ausgewiesenen Denkmälern jedoch nach Dom, Burg oder Palast sucht, wird enttäuscht werden. Die Stadt punktet stattdessen vor allem mit besonderen Ensembles. Last oder Lust ist die Frage, die sich angesichts der Denkmaldichte stellt.

Das Baureferat der Stadt Fürth, das Quartiersmanagement Innenstadt und die Kreishandwerkerschaft haben Ende 2010 gemeinsam mit dem Aufbau eines Handwerkernetzwerks für Arbeiten aller Baugewerke in historischen Häusern der Stadt begonnen. Dahinter steht die Erkenntnis, dass Handwerker für Eigentümer denkmalgeschützter Anwesen oft die ersten Ansprechpartner im Vorfeld geplanter Sanierungsmaßnahmen sind. Jetzt trafen sich die Mitglieder des Netzwerks mit Uli Walter, dem Gebietsreferenten des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, und ließen sich von ihm ausführlich die Finesse des Gesetzes erklären.

Kurz führte Walter in die Geschichte des Denkmalschutzes ein und ging auf den zeitlosen Konflikt zwischen dem Bewahren des Althergebrachten und dem Wunsch nach Raum für neue Gestaltung ein. Zu den wesentlichen Punkten seiner Disziplin gehören unter anderem die Erforschung eines Bauwerks und selbstredend die Erhaltung historischer Substanz.

Bei der Festlegung, ab wann etwas alt genug ist, um zum Denkmal zu werden, macht es sich das Gesetz scheinbar leicht: Dort ist nämlich schlicht von Sachen „aus vergangener Zeit“ die Rede. Eine weise Formulierung versicherte Walter. Denn diese vage Angabe wächst quasi mit und erlaubt es heute, Bauten etwa aus den 50er oder 60er Jahren bereits als schützenswert zu betrachten. Vor allem aber ließ der Fachmann keinen Zweifel daran, dass Denkmalschutz „im Interesse der Allgemeinheit“ liegt. Und: „Eigentümer haben ihre Baudenkmäler instand zu halten.“

Baustopps oder Bußgelder können die Folgen sein, wenn versäumt wird, die Erlaubnis etwa für Veränderungen einzuholen. Im Gegenzug, so Walter, können Fördermöglichkeiten, Zuschüsse und steuerliche Aspekte genutzt werden.

Thomas Mörtel, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, betonte, der Referent habe seine Zuhörer noch einmal für den Denkmalschutz sensibilisiert: „Gerade hier in der Stadt, aber auch im Landkreis ist das sehr wichtig.“ Die Devise müsse immer heißen: „Erst informieren und absichern, bevor etwas schief geht.“

Wie schwierig das Thema in der Praxis sein kann, demonstrierte ein Zuhörer. Er habe als Dachdecker einen Hauseigentümer im Vorfeld intensiv beraten, damit die geplanten Arbeiten im Rahmen eines unter Ensembleschutz stehenden Gebäudes allen Auflagen entsprechen. „Aber am Ende wurde zu der billigen Standardlösung eines anderen gegriffen, die dem Denkmalschutz auf keinen Fall entspricht.“ Ein Vorgang, der folgenlos geblieben sei.

Fürths Stadtbaurat Joachim Krauße sprach von „Vollzugsproblemen“ und gab unumwunden zu: „Für eine solche Vielzahl von Denkmälern wie in Fürth reicht unser Personal nicht aus.“ Die zuständige Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt sei mit gerade einmal anderthalb Stellen besetzt. Krauße betonte: „Wir müssen auch darauf zählen, dass Sie die Bauherren weiterhin fachkundig beraten.“

Alexandra Schwab vom Quartiersmanagement Innenstadt erinnerte zum Abschluss daran, dass sich in den vergangenen Jahren sehr viel in Fürth getan hat: „Das Denkmalschutzgesetz hat Segen über die Stadt gebracht, weil vieles erhalten werden konnte, was heute identitätsstiftend ist und die Stadt zu etwas Besonderem macht.“ 

VON SABINE REMPE

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