Donnerstag, 09.04.2020

|

zum Thema

Lustige Witwe in Fürth: Ein bisschen was fürs Herz

Österreichisch-tschechische Produktion im Stadttheater ist musikalisch stark - 12.01.2020 11:20 Uhr

Opulente Kostüme, kaum Aktualisierungen: Operettenkost der alten Schule liefern das Wiener Thalia Theater, die Kammeroper Prag und das Opernhaus Ústi nad Labem. Heidi Manser - nicht im Bild - ersetzt in der Titelpartie die erkrankte Frauke Schäfer.


Heidi Manser spielt und singt die Titelpartie souverän mit einer Mischung aus Zynismus, verletztem Stolz, mit schöner, klarer, gelegentlich etwas leiser Stimme.

Ins Straucheln geraten in Lehárs Operetten-Klassiker etliche Figuren: Hanna trifft ihre erste Liebe, Graf Danilo, wieder, für den sie einst nicht fein genug war, jetzt aber zu reich ist - Michael Kurz beweist als verkaterter Liebhaber der Damen im "Maxim" komödiantisches Talent. Valencienne, die Frau des Gesandten (Julia Danz aus Dresden übernahm die Partie von Heidi Manser), deren Beteuerung, sie sei "eine anständige Frau", der Begegnung mit dem jungen Camille de Rossillon nicht standhält. Und Njegus, der als trotteliger Kanzlist für Wortverdreher, Schmäh und Komik sorgt. Rudolf Pfister macht das in bester Hans-Moser-Manier.

Während parallel keinen Kilometer entfernt in der Comödie die "Witwe" in aufgejazzt-fränkischer Version gespielt wird, setzt das Thalia Theater Wien in Kooperation mit dem Opernhaus Ùsti nad Labem und der Kammeroper Prag auf traditio-nelle Operettenkost mit opulenten Kostümen und Kulissen und sehr wenigen Aktualisierungen. Das funktioniert erstaunlich gut, weil die Ivaylo Guberovs Inszenierung auf allzu platten Slapstick verzichtet und die Charaktere ungeachtet der seichten Handlung mit ihren genretypischen Verwicklungen zumindest ansatzweise psychologisch nachvollziehbare Motivationen erkennen lassen.

Und weil der Krieg der Geschlechter hier politisch unkorrekt, aber doch mit einer gewissen Leichtigkeit geführt wird - nach den Männern, die über das Studium der "Weiber" singen, kommen die Frauen zum Zug, und die Maxim-Grisetten bereichern zwei männliche Tänzer - kann man das Ganze ohne Probleme als das nehmen, was es sein soll: ein kurzweiliger, musikalisch angenehmer Spaß, der den grauen Januar draußen vergessen lässt. Viel Applaus gab es auch für Dirigent Milan Kanák und sein Orchester für die spritzigen, gefühlvoll servierten, zum Tanzen einladenden Melodien.

Sigrun Arenz

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth