Luxus aus Fürth: Käufer für Schickedanz-Villa gesucht

25.3.2017, 16:11 Uhr

© Repro: FN

Statt eines Gartenzauns steht dort eine Mauer. Roter Stein, Efeu bewachsen. Sie verläuft entlang der Fuchsstraße in Dambach, knickt in die Lerchen- und dann in die Dianastraße ab. Dahinter liegen mehr als 60.000 Quadratmeter Grund und ein feudales Anwesen, das der Unternehmer Gustav Schickedanz sich einst hat bauen lassen.

Wer Details wissen möchte, braucht bloß in die aktuelle Ausgabe des Magazins GG zu schauen, in dem wie gewohnt auf vielen Seiten internationale Luxusimmobilien beworben werden – darunter ein "exklusives Villenanwesen mit eigenem Park" in Fürth. Die Fotos lassen keinerlei Zweifel aufkommen: Es handelt sich um die Schickedanz-Villa.

Nebengebäude für das Personal

Der Text der zweiseitigen Anzeige verrät nicht nur, dass das "Anwesen 2001 vollständig umgestaltet und modernisiert" wurde, sondern schwärmt auch von "Komfort", einem "stilvollen Wohngefühl" sowie von "maßgefertigten Einbauten" und "hochwertigen Möbeln".

Hervorgehoben werden außerdem ein Wellnessbereich im Inneren der Villa, ein Pool im Freien, Gästeappartements und ein "großzügiger Konferenzbereich". Weiterhin heißt es: "Auf dem großen englischen Parkgelände befinden sich Nebengebäude für Personal sowie Garagen." Zwar wird der Eigentümer in der Anzeige nicht erwähnt, bekannt ist aber: Es ist nicht Madeleine Schickedanz. Die Villa ging einige Jahre vor dem Untergang des Quelle-Imperiums auf ihren Sohn Matthias Bühler über.

Das aktuelle Inserat dürfte also nicht in direktem Zusammenhang mit dem vier Jahre langen Rechtsstreit der Quelle-Erbin stehen, der vor einigen Wochen mit einem außergerichtlichen Vergleich weitgehend beigelegt werden konnte. Madeleine Schickedanz hatte die Kölner Bank Sal. Oppenheim und andere Geschäftspartner im Zuge der Arcandor-Pleite auf insgesamt 1,9 Milliarden Euro Schadenersatz verklagt. Der Vorwurf: Sie hätten sie bei der Geldanlage falsch beraten und dadurch um große Teile ihres Vermögens gebracht.

Der Vergleich brachte ihr zwar nur einen Bruchteil ihrer Forderungen, laut Medienberichten wurde Schickedanz aber immerhin ein Vermögen von rund 70 Millionen Euro zugesprochen, unter anderem einschließlich ihres Elternhauses in Hersbruck bei Nürnberg.

Nicht mehr bewohnt

Wie die FN aus familiennahen Kreisen erfahren haben, hat in der Dambacher Villa schon lange niemand mehr gewohnt. Noch zu Arcandor-Zeiten sei sie als gelegentliche Tagungsstätte für die Vorstände genutzt worden – und nicht als Wohnhaus.

Hinter der GG-Anzeige stehe keinesfalls ein Notverkauf. Vielmehr wolle der Eigentümer testen, ob es überhaupt jemanden gebe, der das Anwesen zu einem angemessenen Preis - zur Höhe der Summe werden in dem Inserat keine Angaben gemacht - kaufen wolle. Sollte dies nicht der Fall sein, werde die Villa in Familienbesitz bleiben. Es gebe bereits Ideen für eine zukünftige Nutzung. Details dazu waren noch nicht zu erfahren.

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